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Luftfahrt Ryanair-Chef O’Leary: „Lufthansa will sich am Staat bereichern“

Der Ryanair-Chef bleibt in der Coronakrise selbstbewusst. Der irische Billigflieger brauche keine Staatshilfe. O’Leary greift bei diesem Thema die Konkurrenz scharf an.
23.04.2020 - 15:42 Uhr Kommentieren
Ryanair-Chef Michael O’Leary: „Lufthansa will sich am Staat bereichern.“ Quelle: Reuters
Ryanair

Michael O'Leary spricht über Staatshilfen für Airlines.

(Foto: Reuters)

London Die Coronakrise hat die Flugbranche besonders hart getroffen: Seit Wochen stehen die Maschinen vieler Gesellschaften unbenutzt am Boden. Aber Ryanair werde „wahrscheinlich deutlich länger als jede andere Airline“ überleben, sagt Ryanair-Chef Michael O’Leary im Gespräch mit dem Handelsblatt.

„Wir sind mit fast vier Milliarden Euro Cash in der Bilanz in diese Krise gegangen. Selbst wenn wir bis Ende des Jahres keine Umsätze haben sollten, haben wir noch ausreichend Geld, vor allem nachdem in den meisten EU-Ländern Unterstützungsmaßnahmen wie Kurzarbeitergeld eingeführt wurden.“

Gleichzeitig rechnet er damit, dass es eine Reihe anderer Airlines gibt, die bis dahin nicht überleben. Dass Ryanair Staatshilfen in Anspruch nimmt, schließt er aus – und übt heftige Kritik an Konkurrenzunternehmen wie Lufthansa, die das tun. „Ich denke, dass Fluggesellschaften wie Lufthansa und Air France die Covid-Krise nutzen, um sich mit unglaublich hohen Summen vom Staat zu bereichern.“

Der Flugverkehr wird nach Einschätzung des Managers nicht vor Juni wieder aufgenommen werden. „Aber wirklich normal dürfte das Leben für die Airline-Branche nicht vor Sommer 2021 werden.“

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    Zugleich rechnet O’Leary nicht mit einem Ende der billigen Tickets: „Wenn wir wieder fliegen dürfen, werden alle Airlines unter Druck stehen, ihre Flugzeuge zu füllen.“ Für seine Mitarbeiter hat er jedoch keine guten Nachrichten: Bei Ryanair steht im Winter ein Abbau von bis zu 20 Prozent der Stellen bevor.

    Lesen Sie hier das vollständige Interview:

    Üblicherweise absolviert Ryanair pro Tag 2500 Flüge quer durch Europa. Wegen der Coronakrise sind es aber weniger als 20, und das schon seit einigen Wochen. Wie lange kann Ryanair das überleben?
    Wahrscheinlich deutlich länger als jede andere Airline. Wir sind mit fast vier Milliarden Euro Cash in der Bilanz in diese Krise gegangen. Selbst wenn wir bis Ende des Jahres keine Umsätze haben sollten, haben wir noch ausreichend Geld, vor allem nachdem in den meisten EU-Ländern Unterstützungsmaßnahmen wie Kurzarbeitergeld eingeführt wurden. Ich würde aber erwarten, dass es eine Reihe anderer Airlines gibt, die bis dahin nicht überleben.

    Experten sprechen von einer existenziellen Krise für die Branche, und einige Fluggesellschaften haben Staatshilfen gefordert. Wie stehen Sie dazu?
    Wir bitten nicht um Staatshilfen. Und wir sind nicht der Meinung, dass irgendeine Fluggesellschaft staatliche Unterstützung bekommen sollte.

    Wie bitte?
    Es ist wichtig, dass jegliche Unterstützung transparent ist und allen Airlines zugänglich wäre. Das System des Kurzarbeitergelds, bei dem die Gehälter übernommen werden, ist da eine gute Maßnahme. Und es leuchtet mir nicht ganz ein, warum eine Airline noch Staatshilfen braucht, wenn sie Kurzarbeit nutzen kann. Die Flotten aller Airlines wurden stillgelegt. Und wenn der Staat dann die Gehaltszahlungen für die Mitarbeiter übernimmt, wofür braucht man dann noch Staatshilfen?
    Gerade der Fall von Lufthansa ist da bemerkenswert: Sie will Staatshilfe in Deutschland, Belgien, der Schweiz und Österreich, für Gesellschaften, die einen deutschen Eigentümer haben. In Österreich findet gerade eine Debatte darüber statt, ob der österreichische Steuerzahler die Tochter eines deutschen Unternehmens unterstützen soll.

    Und, sollte er?
    Nein! Die Flugzeuge sind am Boden, die Gehälter werden bezahlt, es fallen keine Flughafengebühren an, keine Treibstoffkosten, keine Instandhaltung – wofür braucht man die staatliche Unterstützung?

    Also würde Ryanair auch keine Unterstützung für (die österreichische Tochter) Lauda haben wollen?
    Das schließen wir aus.

    Für Ryanair-Mitarbeiter gilt Kurzarbeit, und sie müssen auf Gehalt verzichten. Wie sieht es bei Ihnen aus?
    Das Management verzichtet auf 50 Prozent des Gehalts im April und Mai und so lange die Krise anhält – auch wenn wir natürlich Vollzeit arbeiten. Wenn es keine Flüge gibt, gibt es keine Arbeit, und man wird nicht bezahlt. Wir müssen da mit positivem Beispiel vorangehen, wir können schließlich nicht erwarten, dass jeder zu leiden hat, ohne dass wir selbst das tun.

    „Keiner wird sein Geld verlieren“

    Einige Kunden haben sich in sozialen Netzwerken beschwert, dass sie ihr Geld für abgesagte Flüge nicht zurückbekommen, sondern lediglich Gutscheine angeboten bekommen.
    Man darf nicht vergessen, in welcher Situation wir uns gerade befinden. In einem normalen Monat würden wir vielleicht 5000 bis 10.000 Tickets zurückerstatten, und wir haben ausreichend Mitarbeiter, um derartige Anfragen zu bearbeiten. Aber die Zahl der Anfragen ist um 1000 Prozent gestiegen – und unsere Mitarbeiter, die für die Bearbeitung von Refunds zuständig sind, sitzen im Homeoffice.
    Wir entschuldigen uns aufrichtig bei allen, die sich über die Verzögerung ärgern. Aber es wird noch Wochen und Monate dauern, sogar wenn die Situation sich wieder normalisiert hat, bis alle Anfragen bearbeitet sind. Und die Ausstellung von Gutscheinen geht schneller, deswegen bieten wir das an. Aber keiner wird sein Geld verlieren.

    Ein anderes Thema: In Deutschland wird ein neuer Eigentümer für Condor gesucht. Sie hatten bislang kein Interesse – hat sich das geändert?
    Nein. Im derzeitigen Umfeld kann keine Airline eine Übernahme durchziehen. Ich vermute, dass sich Condor für substanzielle Staatshilfen aus Deutschland qualifizieren wird, weil auch Lufthansa substanzielle Hilfen bekommen wird, und zwar zusätzlich zu den Hilfen für die Gehälter. Warum, wenn man gleichzeitig Kurzarbeitergeld bekommt? Ich denke, dass Fluggesellschaften wie Lufthansa und Air France die Covid-Krise nutzen, um sich mit unglaublich hohen Summen vom Staat zu bereichern. Schauen Sie sich IAG (die Muttergesellschaft von British Airways und Iberia, Anm. der Redaktion) an, die fordern keine Staatshilfen. Wenn eine Airline nicht überlebensfähig ist, wenn die Gehaltskosten übernommen werden und keine anderen Kosten wie Flughafengebühren anfallen, stimmt etwas ganz Grundlegendes nicht mit dem Geschäftsplan. Das gilt auch bei Virgin Atlantic.

    Weil Richard Branson, der Gründer von Virgin Atlantic, öffentlich um Staatshilfen gebeten hatte? Er hatte ja immerhin seine Karibikinsel als Sicherheit angeboten.
    Oh ja, großartig. Aber warum nicht seine Anteile an anderen Unternehmen? Und warum hat er nicht angeboten, dass er zurück nach Großbritannien zieht und hier Steuern zahlt?

    Ich sehe, worauf Sie hinauswollen. Wann rechnen Sie denn damit, dass die Branche wieder zur Normalität zurückkehren wird?
    Es wird noch dauern, bis wieder Normalität einkehrt. Wir erwarten, dass gegen Ende April die meisten EU-Länder ankündigen werden, ihre Reisebeschränkungen zu lockern, und zwar für Ende Mai. Der Flugverkehr dürfte einen Monat später wiederbeginnen. Aber wirklich normal dürfte das Leben für die Airline-Branche nicht vor Sommer 2021 werden.

    „Dass Menschen Abstand halten, ist nicht umsetzbar“

    Es werden verschiedene Modelle für die erste Zeit nach Aufhebung der strengen Einschränkungen diskutiert. Halten Sie es für sinnvoll, dass der Reiseverkehr zunächst nur im Inland erlaubt wird?
    Nein. Das muss auf europäischer Ebene geschehen. Man kann nicht nur Flüge in Deutschland anbieten oder nur in Spanien oder Frankreich, nicht aber zwischen Deutschland und Polen oder Spanien und Portugal.

    Was wären Ihrer Meinung nach sinnvolle Schritte?
    Man müsste die Temperatur von Passagieren kontrollieren, wie es in Asien gemacht wird. In den Terminals und Flugzeugen müssten Gesichtsmasken getragen werden, sowohl von der Crew als auch den Passagieren. Die Idee, dass die Menschen ausreichend Abstand halten, ist nicht umsetzbar.

    Was halten Sie von dem Vorschlag, dass der Mittelsitz freigelassen werden muss?
    Das ist kompletter Unfug. Das ist nicht sehr wirkungsvoll, schließlich ist der Abstand zwischen dem Sitz am Fenster und am Gang zu gering, sowie auch zur vorderen und hinteren Reihe. Und wie soll der Abstand auf dem Weg bis hin zum Sitz eingehalten werden? Im Terminal und im Bus? Eine Kontrolle der Temperatur und das Tragen von Gesichtsmasken sind sinnvoller.

    Rechnen Sie denn damit, dass die Menschen nach dem Aufheben der Restriktionen überhaupt wieder fliegen wollen?
    Es wird im Juni, Juli und August Nachfrage geben, vor allem von Reisenden, die ihre Freunde und Familie besuchen. Aber es werden auch Touristen fliegen, weil das die einzige Zeit ist, in der sie vor dem Winter noch einmal Urlaub machen können. Der Ladefaktor wird aber geringer sein und auch die Ticketpreise.

    Die Ticketpreise werden günstiger?
    Wenn wir wieder fliegen dürfen, werden alle Airlines unter Druck stehen, ihre Flugzeuge zu füllen. Auch Hotels werden versuchen, Touristen mit günstigen Angeboten zu locken, bevor die Schule wieder losgeht. Das ist schließlich ihre einzige Urlaubssaison in diesem Jahr. Alle Airlines werden Sonderaktionen machen. Und es würde mich nicht überraschen, wenn die Nachfrage steil ansteigt. Viele Menschen waren die letzten zwei, drei Monate doch quasi eingesperrt.

    Wie ist die Perspektive für Ihre Mitarbeiter? Wird es Entlassungen bei Ryanair geben?
    Ich halte es für unvermeidlich, dass Stellen gestrichen werden. Im Winterfahrplan dürfte der Verkehr um 20 bis 30 Prozent niedriger sein. Wir werden weniger Flugzeuge einsetzen und weniger Flüge durchführen. Da werden wir weniger Personal brauchen.

    In welcher Größenordnung?
    Ich denke, ein Stellenabbau im Winter von zehn bis 20 Prozent ist fast unvermeidlich. Die Passagiere werden zurückkommen. Aber das wird dauern. Wir erleben gerade eine nie da gewesene Pandemie. Und wer weiß, ob nicht noch eine zweite Welle kommt. Einige Airlines werden es nicht überleben. Aber die, die es tun, werden bessere Wachstumschancen haben als zuvor.

    Mehr: Geld vom Staat ist für die Luftfahrt keine echte Hilfe

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