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Luftfahrt und Tourismus Eine ungewohnte Krise bedroht Dubais Geschäftsmodell

Das Emirat stoppt den Ausbau seines Megaflughafens. Das jahrzehntelang verwöhnte Land bekommt ein Jahr vor der Expo2020 ernste Probleme.
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Dubais: Eine Krise bedroht das Geschäftsmodell Quelle: Hulton Archive/Getty Images
Dubai International Airport

88 Millionen Passagiere kann Dubais „alter“ Flughafen abfertigen. Der neue sollte mehr als doppelt so groß werden.

(Foto: Hulton Archive/Getty Images)

Berlin, Frankfurt Ausgerechnet ein Jahr vor der ersten Expo-Weltausstellung in einem arabischen Land, beginnt Dubai merklich zu schwächeln. Einige der ambitioniertesten Großprojekte in dem Emirat werden jetzt sogar eingemottet: So ist der geplante Ausbau des Flughafens Dubai World Central, der unweit des Expo-2020-Geländes liegt, vorerst gestoppt.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg und der „Gulf Times“ hat die Regierung in Dubai die Finanzmittel für das 32-Milliarden-Dollar-Projekt eingefroren. Die Flughafengesellschaft Dubai Airports erklärte zu den Berichten, dass der „Masterplan derzeit geprüft“ werde.

Dubai World Central ist ein Prestigeprojekt des Emirats am Persischen Golf. Sechs Bahnen und eine Kapazität von jährlich 250 Millionen Passagieren – mit diesen rekordverdächtigen Werten wollte Dubai in der weltweiten Luftfahrt ein Zeichen setzen. Vor allem aber wollte die nationale Airline Emirates ihre Megaflotte aus mehr als einhundert Airbus A380 am neuen Groß-Drehkreuz konzentrieren, um von hier aus in alle Welt zu fliegen.

Doch mittlerweile hat sich deutliche Ernüchterung breitgemacht. Das Wachstum bei Emirates hat sich abgeschwächt. Die Airline tut sich schwer, neue Verbindungen aufzubauen. In den USA etwa wehren sich die heimischen Fluggesellschaften massiv gegen das immer tiefere Eindringen der Golf-Airlines, zu denen auch Etihad und Qatar Airways zählen. Und sie bekommen dabei Unterstützung durch die Politik.

Emirates-Gewinn fällt

Emirates und Co. haben eine Achillesferse: Sie brauchen den Zugang zu anderen Märkten mehr als andere Airlines. Denn in den Emiraten selbst leben nicht ansatzweise so viele Menschen, um die gewaltigen Flotten zu füllen. Da der Weg zu den externen Märkten zunehmend schwieriger wird, geraten die Golf-Airlines unter Druck.

So konnte Emirates seinen Umsatz im abgelaufenen Fiskaljahr (zu Ende März) zwar um sechs Prozent auf umgerechnet 22,6 Milliarden Euro steigern. Das operative Ergebnis brach aber um gut 35 Prozent auf 610 Millionen Euro ein.

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Deshalb hat die Airline damit begonnen, die Strategie zu überdenken. Geplante Airbus-A380-Bestellungen wurden gestoppt, stattdessen will man das Langstreckennetz mit kleinerem Gerät wie der Boeing 777 bearbeiten, um flexibler zu sein. Und die Airline bleibt am etablierten Flughafen Dubai International Airport. Schon der ist mit 88 Millionen Passagieren pro Jahr nicht klein.

Ohne Emirates ist Dubai World Central allerdings völlig überdimensioniert. Das hat man auch in Dubai erkannt. Seit 2010 können dort Frachtjets landen, seit 2013 auch Passagier-Flugzeuge. Dennoch steuern bisher nur elf Airlines das neue Drehkreuz an. Im vergangenen Jahr flogen dort nur 900.000 Passagiere.

Das ist auch eine Folge der Krise in der Golfregion. Eine der Haupteinahmequellen schwächelt: der Tourismus. Die Preise für Hotelübernachtungen sind eingebrochen. Im zweiten Quartal war die Belegungsrate in Dubais Hotels mit nur noch 67,1 Prozent so niedrig wie seit der Weltfinanzkrise 2009 nicht. Pro Zimmer wird so wenig erlöst wie seit 2003 nicht mehr.

Hotel-, Immobilien- und Handels-Großunternehmer Khalaf Ahmad Al Habtoor, der in Dubai neben einem Polo-Resort und eigenen Hotels auch Hotels weltbekannter Marken wie Waldorf Astoria, Hilton, Intercontinental, Ritz-Carlton und St. Regis managt, hat bereits gefordert, „keine weiteren Hotels mehr zu bauen“. Aber gerade im Vorfeld der Expo-2020, der erstmals in einem arabischen Land durchgeführten Weltausstellung mit erwarteten 25 Millionen Besuchern, sind zahlreiche Hotels, darunter auch viele Luxusherbergen im Bau.

Dabei sind die Immobilienpreise seit 2014 um fast ein Drittel gefallen. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Um gegenzusteuern, hat Dubais Emir, Scheich Mohammed bin Rashid Al-Maktoum, am Montag per Twitter das Einsetzen eines Komitees angekündigt.

Geleitet von seinem Sohn und Stellvertreter Scheich Maktoum bin Mohammed sowie unterstützt von Vertretern führender Immobilienkonzerne soll das Gremium die bisherigen großen Angebotsüberhänge reduzieren. Künftig sollen Angebot und Nachfrage besser aufeinander abgestimmt werden. Dazu sollen sich die quasi staatlichen und die privaten Immobilienentwickler absprechen.

Ob das reicht, ist allerdings offen. Denn die Region hat vor allem ein Problem: die geopolitische Situation. Die hat den Emiraten im Juli einen schweren Rückschlag eingebrockt. Die britische Reederei P&O Cruises sagte alle Kreuzfahrten im Persischen Golf für die kommende Wintersaison 2019/20 ab.

Celebrity Cruises, eine Tochter des Kreuzfahrt-Riesen Royal Caribbean Cruises, strich zudem Dubai für 2020 aus dem Programm. Wegen „der Unsicherheit in der Region mussten wir diese schwierige Entscheidung treffen“, begründete P&O-Chef Paul Ludlow die Entscheidung.

Seitdem hat sich die Situation eher noch verschärft. „Touristen an Bord eines Kreuzfahrtschiffes werden ja wohl schlecht in Begleitung einer Marinefregatte herumgefahren werden können“, sagte ein Diplomat mit Verweis auf die Diskussion um US- und europäische Militärmissionen im Persischen Golf. Am Golf von Hormus wurden mehrfach Öltanker attackiert und ein britischer Tanker von den iranischen Revolutionsgarden gekapert.

Bisher war es der Vorteil Dubais, dass die Wirtschaft weniger als die anderer Länder in der Region an der labilen Ölpreis-Konjunktur hängt. Stattdessen setzte Dubai auf Tourismus und exzessives Shopping. Das rächt sich nun in einer Region, die zum politischen Pulverfass geworden ist.

Sollte es tatsächlich zu Kämpfen am Golf kommen, dürften in Dubai der Tourismus und die Immobilienwirtschaft endgültig einbrechen. Plötzlich wäre Dubai nicht mehr der sichere Hafen der Region.

Für viele Manager in der Glitzermetropole am Golf steht fest: Das „Übermorgen-Emirat“ mit dem höchsten Wolkenkratzer der Welt, der weltgrößten Langstrecken-Airline und seinen atemberaubenden Entertainmentparks ist „das erste Opfer eines Großkonflikts in der Region“.

Mehr: Dubai mit seiner Diversifizierung vieles richtig gemacht. Jetzt schlägt jedoch das jahrelange Säbelrasseln zurück, meint Handelsblatt-Korrespondent Mathias Brüggmann.

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