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Luftfahrtbranche Preisdruck, teures Kerosin, Konjunkturschwäche – Airlines droht ein bitteres Jahr

Der Preiskampf in der Luftfahrtbranche geht weiter. Die Lage in Europa wird auch für größere Anbieter bedrohlich. Sogar Billigairlines leiden.
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Lufthansa, Ryanair, IAG: Den Airlines droht ein bitteres Jahr Quelle: Photo by Leio McLaren (@leiomclaren) on Unsplash
Trübe Aussichten für die Flugzeugbranche

Die Airlines unterbieten sich bei Ticketpreisen. Deren Stabilisierung ist nicht in Sicht.

(Foto: Photo by Leio McLaren (@leiomclaren) on Unsplash)

FrankfurtKlein beigeben – das kommt für Michael O’Leary nicht infrage. Der Chef der irischen Billigairline Ryanair kennt nur einen Weg: Wachstum. „Wir werden den Fuß auf dem Pedal halten“, sagte O’Leary vor wenigen Tagen. Es ist eine Ankündigung, die Luftfahrtmanager in Europa aufhorchen lassen dürfte. Denn damit ist klar: Die erhoffte Stabilisierung der Ticketpreise oder gar ein leichter Anstieg rückt vorerst in weite Ferne.

Auch die Tatsache, dass Ryanair selbst den Preiskampf spürt, bringt O’Leary nicht von seinem Kurs ab. Um 39 Prozent auf 885 Millionen Euro war der Gewinn der Airline im Fiskaljahr 2018/2019 (bis Ende März) eingebrochen. Doch dem Ryanair-Chef ist das egal. „Wird es schmerzhaft sein für ein oder zwei Jahre? Ja. Aber wird es auch mehr Wettbewerb aus dem Markt drängen? Ja, das wird es.“

O’Leary’s Kampfansage ist wohl zugleich eine Antwort auf einen Rüffel seines Kollegen Carsten Spohr. Der Lufthansa-Chef hatte am Rande der Hauptversammlung vor einigen Wochen die Preispolitik von Wettbewerbern kritisiert. „Tickets für unter zehn Euro sind aus meiner Sicht unverantwortlich. Ökonomisch unverantwortlich, ökologisch unverantwortlich und auch politisch unverantwortlich.“

Doch die Kritik verpufft offensichtlich. Der Preiskampf in der Luftfahrt wird weitergehen. Weltweit stehen die sogenannten Durchschnittserlöse unter Druck. Der Weltluftfahrtverband IATA beziffert im jüngsten „Airlines Financial Monitor“ den Rückgang für den Monat Februar gegenüber dem Vergleichsmonat im Vorjahr auf satte sieben Prozent.

Auch Billig-Airlines leiden

Besonders heftig ist der Preisverfall in Europa. Das spiegelt sich in den Finanzberichten zum Jahresauftakt. So flog die Lufthansa im ersten Quartal mit einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von minus 336 Millionen Euro tief in die roten Zahlen. Ein Jahr zuvor gab es noch ein Plus von 52 Millionen Euro. Das bereinigte operative Ergebnis des britisch-spanischen Rivalen IAG (British Airways, Iberia, Vueling, Aer Lingus) brach in den ersten drei Monaten des Jahres um 60 Prozent auf 135 Millionen Euro ein.

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Längst leiden auch die Billiganbieter. Am Freitag enttäuschte die ungarische Wizz Air mit ihrem Ausblick, die Aktie verlor deutlich. Easyjet wiederum musste im ersten Halbjahr des versetzten Geschäftsjahres (bis Ende März) mit umgerechnet minus 250 Millionen Euro einen viermal höheren Verlust verkraften als im Vorjahreszeitraum. Bei Norwegian, Pionier für Billig-Langstreckenflüge, betrug der Verlust im ersten Quartal umgerechnet 155 Millionen Euro, nach minus 4,8 Millionen Euro im ersten Quartal 2018.

Durch die Bank geben die Airlinemanager die gleichen Gründe für den bescheidenen Jahresauftakt an: steigende Kerosinpreise und Überkapazitäten – ein toxisches Gemisch, das die Ticketpreise in den Keller drückt. Unterschiedlich wird dagegen die Situation im weiteren Jahresverlauf beurteilt. Lufthansa und IAG erwarten wieder steigende Ticketpreise und verweisen dabei auf entsprechende Vorausbuchungen für die kommenden Monate. Die Low-Cost-Airlines wie Ryanair und Easyjet prognostizieren dagegen einen anhaltend hohen Preisdruck, den sie aber teilweise selbst weitertreiben.

Dieses gefährliche Gemisch dürfte bald um eine weitere Zutat reicher sein: eine schwächelnde Nachfrage. Die Wirtschaftsdaten in Europa zeigen nach unten. So fiel der Ifo-Geschäftsklimaindex im Mai von 99,2 auf 97,9 Punkte. Sprich: Die befragten 9.000 Führungskräfte beurteilen die Lage deutlich schlechter als noch im April. Die sich zuspitzende geopolitische Lage mit dem drohenden Handelsstreit zwischen den USA und China dürfte die Stimmung künftig weiter belasten.

Sensible Nachfrage

Die Ticketnachfrage reagiert sensibel auf konjunkturelle Schwächen. Gerade die wichtigen und lukrativen Geschäftsreisenden halten sich zurück. Der Weltluftverband Iata spricht mittlerweile von einer „signifikanten Schwäche in Europa“ und liefert eindeutige Zahlen.

So lag die durchschnittliche Ergebnismarge der europäischen Fluggesellschaften mit minus sechs Prozent im ersten Quartal nicht nur deutlich niedriger als im Vorjahresquartal (minus 2,1 Prozent). Es war auch weltweit der mit Abstand schlechteste Wert. Nur Lateinamerika lag mit minus 4,2 Prozent annähernd auf gleichem Niveau. In Nordamerika und in der Region Asien-Pazifik schafften die Airlines Margen von 6,4 oder fünf Prozent.

Operative Schwäche

-6

Prozent

betrug die operative Ergebnismarge der europäischen Airlines im Schnitt im ersten Quartal 2019. Quelle: lata

Daniel Röska von Bernstein Research erwartet wegen der angespannten Situation, dass die Fluggesellschaften den Ausbau ihrer Kapazität im innereuropäischen Verkehr weiter zurückfahren werden. Von einem Angebotswachstum im ersten Quartal von 6,5 Prozent werde sich das Plus auf 4,2 Prozent im dritten Quartal reduzieren. Die entscheidende Frage lautet: Reicht das, um durch den harten und nachfrageschwachen Winter zu kommen?

Denn die sich zuspitzende Situation trifft auf teilweise angeschlagene Airlines. So wird die insolvente italienische Alitalia seit nunmehr zwei Jahren mit Staatshilfe in der Luft gehalten. Norwegian wiederum hat trotz einer Kapitalerhöhung zu Jahresbeginn schwer mit der enormen Schuldenlast zu kämpfen.

Das Risiko steigt, dass nach den Pleiten eher kleinerer Fluggesellschaften wie Germania, Primera oder Small Planet in den zurückliegenden Monaten nun auch größere Anbieter ernsthafte Probleme bekommen. Denn wenn es ganz unglücklich für die Branche läuft, kommt bald noch eine Baustelle hinzu. Die Europawahl hat das Thema Klimaschutz auf die politische Agenda gedrückt. Neue Belastungen drohen – etwa in Form einer CO2-Steuer.

Mehr: Lufthansa treibt energisch die Digitalisierung voran. Warum das bei den Kunden sorgt das für wachsenden Frust sorgt.

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