Mietportale Das Vermitteln von Ferienwohnungen wird zum Milliardengeschäft

Der Markt der Ferienhaus-Vermietungen in Deutschland wächst rasant. Der Boom hat inzwischen einen regelrechten Häuserkampf entfacht.
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Die Terrorangst befeuert den Boom der Ferienhausbranche. Quelle: Imago
Villa in Kampen, Schleswig Holstein

Die Terrorangst befeuert den Boom der Ferienhausbranche.

(Foto: Imago)

Der Schein der kuscheligen Holzhäuschen und romantischen Fincas trügt. Geht es um die Vermietung von Feriendomizilen, hat sich der augenscheinlich banale Vermittlungsservice längst zu einem Geschäft milliardenschwerer Anbieter entwickelt.

Erst Mitte Mai dieses Jahres ging der dänische Ferienhaus-Spezialist Novasol für 1,3 Milliarden Dollar an eine Tochter der Finanzfirma Platinum Equity. Der hohe Kaufpreis an den Verkäufer Wyndham spiegelte wider, welches Imperium sich hinter dem Kataloganbieter verbarg: ein internationaler Wohnungsvermittler, der mit 110.000 Einheiten an 600 Ferienorten antritt.

Wie prächtig Novasol verdient, verrieten die Geschäftsberichte des einstigen Eigentümers vor der Übergabe. Mit 16 Prozent Gewinnmarge hatte sich das Unternehmen im Reich des Hotelkonzerns Wyndham zur Perle entwickelt.

Die Terrorangst befeuert den Boom der Ferienhausbranche. Sie hält viele Erholungssuchende von Reisen in bestimmte Länder ab. Bombenattentate in der Türkei, Ägypten und Tunesien, aber auch Terroranschläge in europäischen Städten wie Paris und Nizza bremsten in den vergangenen Jahren die Touristenströme dorthin.

Davon profitierten Urlaubsdomizile an Nord- und Ostsee oder im Bayerischen Wald. Dort werden Urlaubsunterkünfte von Privatvermietern beliebter, zumal sie dank professioneller Portale inzwischen leicht zu buchen sind.

Markt wächst rasant

Rund drei Milliarden Euro Vermietungsumsatz, so das Statistische Bundesamt, kommen pro Jahr in Deutschland zusammen. Und der Markt wächst gewaltig – laut Deutschem Ferienhausverband zuletzt um 13 Prozent. Was vor fünf Jahren mehrheitlich als alternative Urlaubsform belächelt wurde, zählt längst zum Mainstream. Für 23 Prozent der Urlaubsübernachtungen, ermittelte GfK, wählten die Deutschen 2017 eine Ferienwohnung.

„Der Markt entwickelt sich so rasant“, erzählt Novasols scheidender Chef Bernd Muckenschnabel, „weil die niedrigen Zinsen viele Privatanleger zu Investitionen ermutigen.“ Aufstrebendste Destination sei Kroatien, inzwischen die Nummer zwei nach Deutschland. Gerade für Familien mit Kindern bilden die Unterkünfte eine günstige Alternative zu den Bettenburgen rund ums Mittelmeer oder am Atlantik.

2017 lagen die Mieten für das gebuchte Ferienhaus in den Sommerferien für eine Woche bei 987 Euro, was etwa 140 Euro pro Objekt und Tag entspricht.

Der Boom aber hat einen Häuserkampf entfacht, in den sich Großkonzerne wie Expedia, Tui oder HRS eingeschaltet haben. Sie alle offerieren inzwischen Buchungsportale für Ferienwohnungen, und das weltweit.

So startete, um sich einen Anteil auf dem lukrativen Markt zu sichern, Tui-Deutschland-Chef Sebastian Ebel 2016 das Portal „Tuivillas.com“, das in 15 Sprachen die Ferienhausangebote des Touristikkonzerns bündelt. Über 300.000 Häuser und Appartements sind dort europaweit zu finden.

Auch Hotelvermittler HRS will mitmischen

Auch Hotelvermittler HRS, der die Ferienhausportale Holiday Insider und Wild East erwarb, versucht sich in dem aussichtsreichen Geschäftsfeld. Nach eigenen Angaben offeriert er 500.000 Unterkünfte in Deutschland und Europa.

Zudem trimmt der Ferienhausvermittler Fewo-Direkt, der zusammen mit dem texanischen Eigentümer Home-Away Ende 2015 für 3,9 Milliarden Dollar an den US-Konzern Expedia ging, sein Geschäftsmodell mit Macht auf Rendite. War Fewo früher ein Annoncenblatt im Internet, mausert sich das Portal zum Vermittler.

Anstelle eines 299 Euro teuren Jahresinserats kann sich der Hauseigentümer nun auch für umsatzabhängige Gebühren entscheiden. Die Provision von acht Prozent beinhaltet ein Haftungsversprechen: Die „Mit-Vertrauen-buchen-Garantie“ entschädigt Urlauber bei bösen Überraschungen.

Was viele dabei freilich übersehen: Wer den vorgeschriebenen Buchungsweg verlässt und Opfer von Betrügern wird, geht am Ende leer aus.

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