Haus mit Meerblick

Die Masche mit der Vermietung vorgetäuschter Urlaubsunterkünfte boomt.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Mietportale Die Masche der Ferienhaus-Betrüger – Worauf Urlauber achten sollten

Im Internet machen Betrüger Jagd auf Mieter von Ferienhäusern. Auch Kunden renommierter Portale wie Fewo-direkt sind vor Angriffen nicht gefeit.
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DüsseldorfDie Offerte der Ferienhausvermittlung Fewo-direkt versprach ein Urlaubsschnäppchen. Die Traumimmobilie im Nordosten der französischen Île d’Oléron lockte mit großzügigem Pool, Top-Ausstattung und direkter Strandlage. Kunden hatten das Domizil südlich von La Rochelle in der Vergangenheit meist mit „sehr gut“ bewertet.

Und auch den Preis, den Jürgen Fischer (Name geändert) für seine und eine befreundete Familie zahlen sollte, schien mit 3.500 Euro für zwei Wochen akzeptabel.

Was der verheiratete Vater eines schulpflichtigen Sohnes vor seinem PC kaum ahnte: Obwohl hinter Fewo-direkt der ebenso mächtige wie seriöse US-Konzern Expedia steckt, sollte er am Ende nur um Haaresbreite einem Horrorszenario entgehen.

Heute weiß er: Die Tricks, mit denen sich Betrüger das Internet zunutze machen, werden nicht nur verwegener. Vielen Urlaubsbuchern fallen sie erst auf, wenn sie fernab der Heimat mit Koffern vor der angeblich gemieteten Unterkunft stehen, die längst ein anderer bewohnt. „Auch wir wären die 1.000 Kilometer lange Reise an den Atlantik beinahe umsonst angetreten“, zeigt sich Fischer auch heute noch entsetzt.

Fünf Anzeigen am Tag

Die Masche mit der Vermietung vorgetäuschter Urlaubsunterkünfte boomt. Allein die Polizei auf Mallorca zählt zu diesem Delikt fünf Anzeigen pro Tag, berichtet die spanische Zeitung „Ultima Hora“. Hinzu kommt: Der Diebstahl von Identitäten im Internet, der die Betrugsfälle erst ermöglicht, nimmt rasant zu. Laut Bundeskriminalamt kletterte der Schaden in Deutschland allein 2017 um 25 Prozent auf 71,4 Millionen Euro.

Meist imitieren die Betrüger Seiten von Ferienhausportalen, um bei leichtgläubigen Vermietern persönliche Zugangsdaten abzugreifen. Mit ihnen ergaunern sie sich anschließend Anzahlungen und Kautionen von ahnungslosen Urlaubern.

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„Wir bekommen ständig Betrugsmeldungen rein“, berichtet Tim Breisch vom Verband Deutscher Ferienhausagenturen (VDFA) in Seeheim-Jugenheim. Viele Ganoven hätten schon mit dem schlichten Trick Erfolg, Bilder aus fremden Mietportalen zu kopieren und auf einer selbst erstellten Seite anzubieten. Allein in diesem Sommer zeigte der Verband vier angebliche Ferienhausvermittler an, darunter Letinspain.com und Holidaysonisland.com.

Sie alle boten Unterkünfte als Schnäppchen gegen Vorkasse an und tauchten danach ohne Gegenleistung ab. Die Konten, berichtet ein Experte des Landeskriminalamts NRW, gehören meist per Inserat angeworbenen Studenten oder Rentnern. Im Auftrag der Betrüger richten sie eine Bankverbindung ein, über die erbeutete Summen weitergeleitet werden.

Auch der 48-jährige Fischer bemerkte von dem Betrugsversuch lange nichts. Schon im zurückliegenden Sommer verbrachte er seinen Urlaub in einem Ferienhaus an der französischen Atlantikküste, störungsfrei gebucht über Fewo-direkt. Der Vermieter war freundlich, die Abwicklung unproblematisch und das Haus angenehm.

Zurück aus dem Urlaub, setzte er sich gleich an die Buchung fürs kommende Jahr. Schließlich ist die Auswahl an Ferienhäusern in der Gegend keineswegs üppig, langjährige Urlauber mieten ihre Häuser zudem fast schon im Abonnement. Tatsächlich war ein Haus nach dem anderen in der gewünschten Zeit vergeben, andere schienen überteuert oder schlecht ausgestattet.

Auch für die erwähnte Traumimmobilie, obwohl vom Vermietungsportal als verfügbar gekennzeichnet, kam per E-Mail zunächst eine Absage. Das Haus sei schon vermietet.

Wenige Stunden später jedoch folgte eine frohere Botschaft. Als angebliche Vermieterin meldete sich eine „Eliane“ – dieses Mal statt auf Französisch in perfektem Englisch. Man habe jetzt erst die Planungen für das kommende Jahr aufgenommen und, ja, die Wohnung sei noch frei. Allerdings bat Eliane, ab sofort eine andere E-Mail-Adresse zu verwenden: larotondaholiday@yahoo.com.

Zwar kam Fischer der Gedanke, Eliane versuche auf diese Weise, die Gebühren von Fewo-direkt zu umgehen. Weil sie ihre Unterkunft gleichzeitig aber um 300 Euro ermäßigte, hakte er nicht nach.

Hinzu kam ein verlockendes Angebot. Falls man statt der üblichen 50 Prozent den vollen Mietpreis anzahle, offenbarte Eliane, gebe es einen Rabatt von 15 Prozent. 2.720 Euro für zwei Wochen Luxus? Warum nicht, dachte Fischer.

Gierige Betrüger

Argwohn kam zu diesem Zeitpunkt nicht auf. Obwohl das Gesetz nur 30 Prozent erlaubt, sind höhere Anzahlungen in der Ferienbranche üblich. Zudem kam der Kontakt über Fewo-direkt zustande, und das Haus gab es tatsächlich. Das hatte Fischer per Google Maps gecheckt.

Stutzig wurde er erst, als Eliane dann auch noch eine Kaution von 1400 Euro verlangte, die sofort – also ein Jahr vor Reiseantritt – zu zahlen sei. „Üblich ist eine Barzahlung bei Ankunft“, warnt VDFA-Experte Breisch.

Noch gab Fischer nicht auf und ließ sich den Vertrag zuschicken. Gleichzeitig suchte er im Internet nach der Telefonnummer der Vermieterin. Sie offenbarte im anschließenden Telefonat, von einem Mailverkehr unter ihrem Namen nichts zu wissen. Spätestens da fiel die Entscheidung: Es wird nichts mit der Traumvilla auf der Île d’Oléron.

Urlaub für kleines Geld? So funktioniert die Ferienhaus-Abzocke

Fischer befindet sich in schlechter Gesellschaft. „Die Plattform wird von Betrügern genutzt“, warnte im Februar ein Nutzer des Bewertungsportals „Trustpilot“ vor Ungereimtheiten auf Fewo-direkt. Fast habe er 3700 Dollar verloren, dann aber festgestellt, dass Kautionskonto und Vermieter nicht zusammenpassten.

Schon 2014 überzog eine Welle von Phishing-Attacken die Fewo-Mutterfirma Homeaway in Großbritannien. Auch dort täuschten Betrüger Buchungsanfragen bei Hausvermietern vor – und griffen damit deren Log-in-Daten ab. Mit ihnen schalteten sich die Gangster in die Konversation ein, sobald sich Urlauber über das Portal nach der Unterkunft erkundigten.

Bei Fewo-direkt in Frankfurt sind solche Fälle bekannt. Um Kunden zu beruhigen, bietet die Homeaway-Tochter sogar eine „Mit-Vertrauen-Buchen-Garantie“, die bei Betrug verlorenes Geld ersetzt. Geknüpft ist die jedoch an eine Voraussetzung. „Der gesamte Mailverkehr hat über die Kommunikationskanäle von Fewo-direkt zu laufen“, erläutert eine Sprecherin des Unternehmens, „niemals über private Mailadressen.“ Außerdem: „Beide Parteien müssen sich daran halten, die Rechnung über das Bezahlsystem unseres Portals zu begleichen.“

Um herauszufinden, ob man ihn mit derselben Masche reinzulegen versuchte wie vormals Kunden in Großbritannien, griff Fischer am Ende zu einem Trick. Er habe mit ihrem Schwiegersohn telefoniert, machte er der fragwürdigen Vermieterin weis, und ihm den Vertrag zugemailt.

„Eliane“ geriet daraufhin in Eile. Der Vertrag, obwohl ihn Fischer nie abschickte, sei angekommen, bekundete sie und übermittelte die Kontoverbindung für den gewünschten Zahlungseingang: eine Filiale der ING in Madrid – mit einem bis dahin unbekannten Kontoinhaber.

Nur Fischers letzte Mail blieb unbeantwortet: Darin wollte er von der angeblichen Eliane noch wissen, wie es ihr gelungen sei, den Account der echten Eliane zu hacken.

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