Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Milliardendeal Capgemini wird mit der Altran-Übernahme zum Tech-Spezialisten

Die Franzosen übernehmen mit Altran den weltgrößten Ingenieurdienstleister. So positioniert sich Capgemini als Entwicklungspartner der Industrie.
Kommentieren
In Paris verkündeten sie am Dienstag die Fusionspläne. Quelle: Reuters
Altran-Chef Dominique Cerutti (links) und Capgemini-CEO Paul Hermelin

In Paris verkündeten sie am Dienstag die Fusionspläne.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf, ParisIn Frankreich entsteht ein neuer Großanbieter für Technologieberatung: Der IT-Spezialist Capgemini übernimmt für 3,6 Milliarden Euro den weltgrößten Ingenieurdienstleister Altran. Zusammen wollen sie den führenden Partner für Industriekonzerne in der Produktentwicklung bilden, vor allem bei Digitaltechnologien.

Die Übernahme ist ein Signal dafür, wie sich die Beratungsbranche konsolidiert und wie sich klassische Beratungsunternehmen zu Multidienstleistern wandeln.

Capgemini ist mit 250.000 Mitarbeitern und 13 Milliarden Euro Umsatz noch immer einer der führenden IT-Dienstleister, denen Unternehmen den Betrieb ihrer IT anvertrauen. Doch der Konzern hat in den vergangenen Jahren auch kräftig in Digitaltechnologie und Managementberatung investiert.

Jetzt kommt mit dem Kauf der börsennotierten Altran der nächste Schritt. „Wir werden ein großer Akteur bei intelligenten Industrien“, sagte Capgemini-Chef Paul Hermelin bei der Verkündung.

Altran ist zwar deutlich kleiner als Capgemini, aber als Dienstleister in der industriellen Forschung und Entwicklung wesentlich stärker. Die Franzosen arbeiten für große Unternehmen aus den Branchen Auto, Luftfahrt, Energie und Life-Sciences. Die Firma kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro und eine operative Gewinnspanne von zwölf Prozent.

Die Kunden von Altran haben zwar selbst starke Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Doch angesichts einer „Lawine an technischen Neuerungen“, so Altran-CEO Dominique Cerutti, können sie nicht mehr alles allein stemmen. Sie verlagern Arbeiten nach außen.

Dabei geht es nicht mehr nur darum, kurzfristige Engpässe in der eigenen Produktentwicklung durch Externe zu beenden. Die Dienstleister nehmen heute vielmehr von Beginn an eine tragende Rolle in dem Prozess von der Idee bis zur technischen Umsetzung ein.

Deutlichen Schub bekommt dieser Trend durch die Digitalisierung: Weil Industrieunternehmen Neuerungen immer schneller marktreif machen müssen und dafür nicht genügend qualifiziertes Personal haben, brauchen sie die Zusammenarbeit mit den Dienstleistern.

Das gilt vor allem für die Automobilindustrie, die rund 60 Prozent des Deutschlandgeschäfts von Altran ausmacht. Für Volkswagen etwa entwickeln die Franzosen Produkte für den Fahrzeugbau und das autonome Fahren. Allein am VW-Heimatstandort Wolfsburg beschäftigt Altran auf einem eigenen Campus heute 600 Mitarbeiter, die Zahl soll binnen fünf Jahren verdoppelt werden.

Altran fehlte die Software-Kompetenz

Eine enge Partnerschaft hat Altran zudem mit dem Flugzeugbauer Airbus an den französischen und deutschen Standorten. Die Firma war maßgeblich an der Entwicklung und Erstellung des Großraumflugzeugs A380 beteiligt. Jüngst entwickelte sie miteinander vernetzte Roboter für den Flugzeugbau und Digitalsysteme für den Kabinenbetrieb.

Als globales Unternehmen hätte Altran im Prinzip eigenständig bleiben können. Doch der Firma fehlt es an Kompetenz in der Software. Die soll nun Capgemini einbringen. Hermelin erläuterte die künftige Zusammenarbeit am Beispiel des verbundenen Autos. „Wir kümmern uns um die Cloud und um Kommunikation zwischen den Autos, Altran sitzt im Auto drin, vom Design bis zu den verschiedenen Systemen.“

Ingenieurdienstleister agieren meist im Hintergrund, sind aber in den vergangenen Jahren zu bedeutenden Partnern von Industrieunternehmen in der Entwicklung neuer Produkte und Technologien geworden. Die Investmentbank Bryan Garnier erwartet, dass der Markt bis 2022 im Schnitt um neun Prozent auf ein Volumen von 240 Milliarden Euro wachsen wird.

Neben Marktführer Altran gehören zu den größten Anbietern die ebenfalls französischen Konkurrenten Alten Group und Segula Technologies. Führender deutscher Ingenieurdienstleister ist die Stuttgarter Bertrandt AG, die auf einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro kommt. Bertrandt ist enger Entwicklungspartner der Porsche AG, die 28 Prozent der Anteile hält.

Capgemini will die Übernahme bar bezahlen und bietet den Altran-Aktionären einen Aufschlag von einem Drittel auf den Durchschnittskurs der letzten drei Monate. Die Franzosen wollen mit dem Kauf dem Wett‧bewerber Accenture auf den Fersen bleiben, der neben dem IT-Outsourcing ebenfalls ein enger Partner von Industriekunden bei der Entwicklung von Digitaltechnologie ist. Ob der Name Altran erhalten bleibt, ist offen.

Die innerfranzösische Übernahme folgt einem strategischen Schwenk vieler großer Beratungen: Statt nur Empfehlungen abzugeben, investieren sie stark in die praktische Umsetzung der Konzepte bis hin zu Produktideen und -design. Den Beratungshäusern geht es darum, im Rennen um den besten Berater für die digitale Transformation als Sieger hervorzugehen.

Mehr: Auch die Beraterbranche wird vom digitalen Wandel umgewälzt. Wie findet man als Unternehmer eine Consulting, die zukunftsfähig ist? Eine Checkliste.

Startseite

Mehr zu: Milliardendeal - Capgemini wird mit der Altran-Übernahme zum Tech-Spezialisten

0 Kommentare zu "Milliardendeal: Capgemini wird mit der Altran-Übernahme zum Tech-Spezialisten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote