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Musik-Streaming

Wer einen günstigen Family-Abo nutzt, sollte ehrlich sein. Denn Spotify kann notfalls alle Accounts mit falscher Adresse sperren.

(Foto: dpa)

Musik-Streamingdienst Darf ich einen Spotify Family-Account mit Freunden teilen?

Spotify Premium kostet 9,99 Euro pro Monat. Vielen Nutzern ist das zu teuer, sie teilen sich ein Family-Abo mit Freunden. Aber ist das legal? Wir fragen einen Anwalt.
28.10.2019 - 10:56 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 28. Oktober 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Rund 248 Millionen Menschen nutzen regelmäßig Spotify. Damit ist das Start-up aus Schweden der größte Musik-Streamingdienst der Welt. Trotzdem machte Spotify lange nur Verluste. Doch damit ist jetzt erstmal Schluss.
Aktuell haben rund 113 Millionen Nutzer einen Premium-Zugang, der regulär 9,99 Euro im Monat kostet. Dafür läuft dann keine Werbung und man kann Lieder auch herunterladen und offline hören. Mit den Premium-Kunden macht Spotify nach jüngsten Zahlen mehr als 90 Prozent seines Umsatzes – und verdient damit inzwischen auch Geld.

Spotify: 241 Millionen Euro Gewinn im dritten Quartal 2019

In den Monaten Juli bis September hat der Streamingdienst rund 241 Millionen Euro Gewinn gemacht. Von April bis Juni hatte das Start-up noch einen Verlust von 76 Millionen Euro ausgewiesen. Und auch in der meisten Zeit davor schrieb Spotify rote Zahlen. Ein Grund: Das Unternehmen gibt sehr viel Geld aus, um noch größer zu werden. Ein anderer: Die Kunden tricksen.

Spotify Abos im Vergleich

Viele nutzen einen Premium-Zugang, zahlen aber deutlich weniger als vorgesehen. Sie haben einen Family-Account mit bis zu sechs Zugängen angelegt, verwenden den aber nicht etwa mit der Familie, sondern mit Freunden und teilen sich die Kosten.

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Standort erkennen

    Das spart bis zu 75 Prozent – ist aber nicht erlaubt. Alle Kontoinhaber, die das Family-Abo nutzen möchten, müssen dieselbe Adresse haben. Und nicht nur das. Denn seit Mitte September hat Spotify seine Nutzungsbedingungen weiter verschärft. So hieß es früher: „Alle Kontoinhaber müssen dieselbe Adresse haben, um den Family Plan Angebot nutzen zu können.

    Doch nun steht in den Bedingungen: „Um das Premium Family-Abo nutzen zu dürfen, müssen der Hauptnutzer und die bis zu fünf Inhaber von Unterkonten Familienmitglieder sein, die ihren Wohnsitz an derselben Adresse haben.

    Außerdem behalte sich Spotify vor, die Wohnadresse „von Zeit zu Zeit“ zu verifizieren. Nutzer sollen ihre Anschrift mithilfe der automatischen Adressensuche von Google Maps eingeben.

    Doch welche Folgen riskieren die Nutzer, wenn sie sich trotz der strengeren Vorschriften wagen, gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen? Christian Triebe muss es wissen. Er ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht sowie für gewerblichen Rechtsschutz bei der Wirtschaftskanzlei GvW Graf von Westphalen. Das Interview:

    Christian Triebe, ist es wirklich illegal, wenn ich den Spotify Family-Account mit Freunden teile und nicht mit Familie oder Mitbewohnern?
    Wer den Familien-Account eröffnet, akzeptiert automatisch die Nutzungsbedingungen von Spotify. Schon wenn er versucht, seine Freunde mit anderen Adressen als der eigenen anzumelden, wird das mit dem Hinweis unterbunden, dass alle Account-Nutzer dieselbe Adresse haben müssen. Viele umgehen das offenbar und lügen dann.

    Kann die Adress-Trickserei denn auffliegen?
    Ja, im Vergleich zu anderen Streaming-Anbietern ist Spotify ziemlich engagiert dabei, mögliche Fake-Familien aufzuspüren. Nach den im September 2019 geänderten Nutzungsbedingungen für Spotify Premium Family kann man von Zeit zu Zeit um die erneute Angabe der Wohnadresse gebeten werden, wobei die automatische Adressensuche von Google Maps verwendet werden soll. Dies würde theoretisch die Möglichkeit eröffnen, per GPS den Standort des Nutzers zu ermitteln.

    Netflix scheint da entspannter zu sein. Warum?
    Spotify hat Verträge mit zahlreichen Plattenfirmen. Wenn diese Labels Wind davon bekommen, dass Nutzer ihre Musik illegal zu günstigen Preisen hören, kann ich mir vorstellen, dass sie Druck auf Spotify ausüben werden. Netflix produziert den Großteil seiner Inhalte selbst, das ist eine andere Situation.

    Spotify Umsätze

    Den meisten Spotify-Nutzern ist das aber egal. Sie teilen sich trotzdem den Familien-Zugang. Was kann ihnen passieren?
    Spotify kann den Account mit der falschen Adresse sperren – oder sogar alle Konten des Familien-Abos.

    Das heißt, wenn ich Hauptnutzer bin und meine Adresse richtig ist, kann ich trotzdem gesperrt werden – obwohl es ja mein Bekannter ist, der mit seiner Anschrift gelogen hat?
    Ja. Derjenige, der das Familien-Abo abgeschlossen hat, ist vorrangig verantwortlich für die Einhaltung der Vertragsbedingungen. Theoretisch kann Spotify sogar den Nutzer für Neuanmeldungen sperren. Als Hauptverwalter eines Family-Accounts würde ich mir also die Nutzungsbedingungen besonders gut durchlesen. Und wenn ein Freund fragt, ob er den Account auch nutzen darf, würde ich ihm besser absagen.

    Ein gesperrter Spotify-Account ist ärgerlich. Aber mehr kann mir nicht passieren?
    Ich verletze einen Vertrag. Das ist rechtswidrig und theoretisch kann Spotify Schadensersatz fordern. Das kann teuer werden und schnell mehrere Hundert Euro kosten. Außerdem kommt die Frage auf, ob der User gleichzeitig eine – unter Umständen sogar strafbare –Urheberrechtsverletzung begangen hat.

    Wie bitte?
    Wer einen Song streamt, lädt einen Teil eines urheberrechtlich geschützten Werkes auf sein Endgerät und speichert es vorübergehend. Das gilt schon als Vervielfältigung. Nun ist diese Vervielfältigung für den Privatgebrauch in einigen Fällen zulässig – etwa, wenn jemand sich in der Bibliothek Seiten aus einem Buch kopiert, die er für eine Seminararbeit benötigt.

    Hat Spotify denn schon mal gegen einen Nutzer geklagt, der den Family-Account mit Freunden teilt?
    Bisher ist mir noch kein Fall bekannt, in dem Spotify Klage erhoben hätte. In der Vergangenheit gab es aber schon einige Gerichtsentscheidungen, bei denen das Urheberrecht maßgeblich war.

    Was für Entscheidungen waren das?
    Vielleicht kennt jemand noch den File-Sharing-Anbieter Napster. Das war eine Art Musiktauschplattform, auf der Nutzer urheberrechtlich geschützte Songs ausgetauscht haben. Die Musikindustrie hat gegen Napster geklagt und gewonnen. Napster in seiner ursprünglichen Form wurde abgeschaltet.

    Spotify ist aber keine File-Sharing-Plattform, sondern ein Streaming-Anbieter.
    Wer einen Familien-Account eröffnet und seine Freunde ihn mitnutzen lässt, stellt natürlich nicht wie beim File-Sharing direkt Musik-Dateien als Download zur Verfügung. Eine Urheberrechtsverletzung kann aber trotzdem vorliegen. Und auf jeden Fall hat der Nutzer die Vertragsbedingungen nicht eingehalten, die Spotify vorgegeben hat. Ich würde es an seiner Stelle nicht darauf anlegen wollen.

    Christian Triebe, vielen Dank für das Gespräch.

    Hinweis: In einer früheren Version des Artikels war von den neuen Nutzungsbedingungen noch nicht die Rede. Zur Umstellung Mitte September 2019 haben wir den Artikel mithilfe des Anwalts aktualisiert, Ende Oktober haben wir die neuen Quartalszahlen ergänzt.

    Mehr: Amazon, Microsoft und Spotify: Diese Unternehmen haben sich mit ihrem Abosystem zu den wertvollsten Marken der Welt entwickelt

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