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Nach Finanzspritze Warum WeWork noch lange nicht gerettet ist

Der Bürovermieter hat eine bevorstehende Pleite abgewendet, doch auf dem Unternehmen lasten hohe Schulden und Mietverpflichtungen. Der Weg in die Gewinnzone wird schwer.
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WeWork ist noch rund knapp sechs Milliarden Dollar wert. Quelle: Reuters
WeWork

WeWork ist noch rund knapp sechs Milliarden Dollar wert.

(Foto: Reuters)

New York Die Erleichterung hielt nicht lange an. Eine Finanzspritze von Großinvestor Softbank hat zwar die bevorstehende Pleite bei WeWork abgewendet. Der japanische Technologiekonzern steckt noch einmal gut acht Milliarden Dollar in den krisengeschüttelten Bürovermieter und beschleunigt ein bereits zugesagtes Investment in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar, das eigentlich erst für das kommende Jahr vorgesehen war.

Die Bewertung des Unternehmens hat Softbank drastisch nach unten korrigiert. WeWork ist noch rund knapp sechs Milliarden Dollar wert, mit Schulden sind es neun Milliarden Dollar. Im Januar lag die Bewertung, dank eines erneutes Investments durch Softbank, bei 47 Milliarden Dollar.

Der Großteil der Finanzspritze besteht aus der Ausgabe von neuen Anleihen. Drei Milliarden Dollar will Softbank zudem dafür verwenden, bestehenden Aktionären Anteile abzukaufen. Eine Milliarde davon soll an Mitgründer Adam Neumann gehen, der zudem einen Kredit von 500 Millionen Dollar und eine 185 Millionen Dollar schwere Beratungsgebühr erhält und im Gegenzug seine Stimmrechte an den Verwaltungsrat abgibt.

Doch das ist nur der erste Schritt in einer großen, riskanten Restrukturierung. WeWork plant einem Bericht der „Financial Times“ zufolge, rund 4000 Stellen zu streichen, 30 Prozent der Belegschaft. Zudem muss sich das Start-up nicht nur auf das Kerngeschäft konzentrieren, sondern auf die ausgelasteten und profitablen Gebäude.

„Die Welt hat sich verändert. Wachstumsstories verkaufen sich nicht mehr. Wir müssen ein Unternehmen aufbauen, das Kunden glücklich macht aber auch Geld verdient“, stellte Marcello Claure am Mittwoch bei einem Treffen mit den Mitarbeitern klar.

Claure ist der frühere Chef des Mobilfunk-Anbieters Sprint. Der gebürtige Bolivianer trägt künftig den Titel „Executive Chairman“ bei WeWork. Er wird eng mit den beiden Chefs Artie Minson und Sebastian Gunningham zusammenarbeiten, hat aber als mächtiger Chef des Verwaltungsrates im Zweifel das letzte Wort.

Töchterunternehmen und Beteiligungen sollen abgestoßen werden. Die Privatschule WeGrow hat bereits angekündet, nach dem derzeitigen Schuljahr zu schließen.

Doch der Weg in die Gewinnzone wird nicht einfach werden. WeWorks Geschäftsmodell ist so aufgebaut, dass das Unternehmen langfristige Mietverträge eingeht – im Schnitt liegen diese bei 15 Jahren – und dann Teile der Gebäude in kurzfristigen Mietverträgen an Einzelpersonen, Start-ups und große Unternehmen weitervermietet.

Im Schnitt mieten die WeWork-Kunden für 15 Monate, wie aus dem nun zurückgezogenen Börsenprospekt hervorging. Die Kündigungsfrist liege oft nur bei einem Monat. WeWorks langfristige Mietverpflichtungen lagen im Sommer bei 47 Milliarden Dollar.

Geplatzter Börsengang und Unsicherheit über künftige Strategie lasten auf dem Image

WeWork hat lange Zeit nur auf Wachstum gesetzt und oft deutlich höhere Mieten gezahlt als die Konkurrenz, um Deals mit Immobilienbesitzern abzuschließen. Zudem sind die Kosten für den Umbau der Gebäude bei WeWork deutlich höher als bei anderen Konkurrenten. Von Januar bis Juni machte das Unternehmen 900 Millionen Dollar Verlust. Im vergangenen Jahr waren es 1,8 Milliarden Dollar.

Das Unternehmen ist so strukturiert, dass viele Mitverträge in Zweckgesellschaften ausgelagert wurden. Sollte eine Zweckgesellschaft die Miete nicht zahlen können, dann hat der Vermieter keinen Zugriff auf das Vermögen des Unternehmens. Einige Vermieter haben sich daher jedoch Sicherheiten und Garantien geben lassen. Doch sollte es tatsächlich zu Zahlungsausfällen in einer Zweckgesellschaft kommen, würde das auch bei anderen Vermietern für Unruhe sogen.

Der geplatzte Börsengang und die Unsicherheit über die künftige Strategie lasten auf dem Image von WeWork. Gründer und Vorstandschef Adam Neumann musste Ende September seinen Posten abgeben, nachdem er unter anderem wegen seines ausschweifenden Lebensstils in die Kritik gekommen war.

Der 40-Jährige besaß einen Maybach und ließ sich den Chauffeur vom Unternehmen bezahlen. Das Unternehmen schaffte ihm einen Privatjet an. Immer wieder kamen Berichte über ausschweifende Partys mit teurem Tequila an die Öffentlichkeit. Und WeWork hat längst überall auf der Welt Konkurrenten, die zum Teil bessere Geschäftsmodelle haben als der Marktführer.

In den USA sind mehr als 220 Vermieter Verträge mit dem New Yorker Unternehmen eingegangen, in Großbritannien sind es mehr als 50, wie aus einer Studie der Analysefirma CoStar hervor geht. In Manhattan und London ist WeWork mittlerweile der größte Mieter von Büroflächen. Einem Bericht des Finanzdienstleisters Bloomberg zufolge haben Immobilieneigentümer in New York und London, den größten Märkten des Unternehmens, bei Konkurrenten nachgefragt, ob diese WeWorks Mietverträge übernehmen wollen.

Details zu einem Turnaround-Plan nannte Claure am Mittwoch nicht. Doch die Zeit drängt. WeWork könnte schon in zehn Monaten erneut das Geld ausgehen, wenn nicht schnell Kostensparmaßnahmen greifen, glaubt Loren Trimble, Chefin der Beratungsfirma AArete. Sie geht davon aus, dass WeWork 1,09 Dollar ausgeben muss, um einen Dollar an Umsatz zu generieren.

Die Anleihebesitzer sind dem neuen Finanzierungspaket mit Skepsis begegnet. Es beinhaltet 1,1 Milliarden Dollar an besicherte Anleihen die im Falle einer Insolvenz zuerst bedient werden. 2,2 Milliarden Dollar kommen an unbesicherten Anleihen dazu, was das Kreditrisiko insgesamt erhöht.

Softbank war dabei jedoch darauf bedacht, keine Änderung der Beteiligungsverhältnisse herbeizuführen, was den Anleihebesitzern erlaubt hätte, ihre Papiere zu einem Aufschlag zurückgeben zu können. Softbank hält nun 80 Prozent der Anteile, jedoch nicht die Mehrheit der Stimmrechte, stellte der Konzern klar.

WeWork hat Hochzinsanleihen im Wert von 669 Millionen Dollar ausstehen, die 2025 zurückgezahlt werden müssen. Der Kurs war in den vergangenen Wochen bereits eingebrochen und gab am Mittwoch und Donnerstag noch einmal deutlich nach, auf knapp 85 Cent je Dollar.

Claure versicherte seinen Mitarbeitern am Mittwoch unterdessen, dass das Risiko für eine Insolvenz bei „null“ liege. Softbank habe schließlich bereits 18,5 Milliarden Dollar in WeWork gesteckt. „Um das ins Verhältnis zu setzen: Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt des Landes aus dem ich stamme, das elf Millionen Einwohner hat.“

Mehr: Gründer Adam Neumann verkaufte mit WeWork einst auch ein Gemeinschaftsgefühl. Inzwischen ist davon nicht mehr viel zu spüren.

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1 Kommentar zu "Nach Finanzspritze: Warum WeWork noch lange nicht gerettet ist"

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  • Unfassbar, dass es Leute gibt, die sowas finanzieren. Letztlich tut WeWork nix anderes als Büroflächen zu mieten und teuer verkaufen. Das müssten Analysten aber bei der Untersuchung des Geschäftsmodells recht schnell durchschaut haben. Und das langfristige Mieten und kurzfristige Vermieten geht mit extrem hoher Unsicherheit der eingehenden Zahlungsströme einher. Auch das ist dann leicht zu erkennen.

    Warum so ein bewährtes Geschäftsmodell so hochgehyped wurde, ist mir vollkommen unklar. Ich prognostiziere mal, dass der Laden in nem Jahr tot ist und die Anteilseigner massive Verluste erleiden werden. Leid tut es mir da wesentlich um die Mitarbeiter.

    Und warum der Softbank-Gründer Neumann noch ne Milliarde + 500 Mio. Kredit gibt, ist mir auch schleierhaft.