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Nadiem Makarim Go-Jek-Gründer begeistert junge Indonesier – und hat einen engen Draht zum Staatschef

Nadiem Makarim hat mit dem Taxidienst das erste Einhorn Indonesiens aufgebaut. Im Wahlkampf wirbt er offensiv für Indonesiens Staatschef Widodo.
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Der Gründer hat einen Harvard-Abschluss und Rocket-Internet-Erfahrung. Quelle: Reuters
Nadiem Makarim

Der Gründer hat einen Harvard-Abschluss und Rocket-Internet-Erfahrung.

(Foto: Reuters)

BangkokWenn sich Indonesiens Staatschef Joko Widodo mit dem bekanntesten Start-up-Unternehmer des Landes trifft, dann weiß er, was ihn erwartet: jede Menge überschwängliches Lob. So war es auch vergangene Woche, nur wenige Tage vor der Wahl am kommenden Mittwoch.

Widodo erschien zu einer Gala-Veranstaltung von Nadiem Makarims Start-up Go-Jek. Im Publikum saßen Hunderte der insgesamt rund zwei Millionen Fahrer, die für den Kurier- und Taxidienst – Ride-Hailing genannt – unterwegs sind. „Wir sind Präsident Joko Widodo und der Regierung sehr dankbar“, sagte Nadiem über den Staatschef. Widodo habe die Digitalisierung und das Wachstum Indonesiens beschleunigt. Der Politiker revanchierte sich voller Herzlichkeit.

Keine Frage, die beiden verstehen sich – und sie profitieren voneinander. Während der 34-Jährige Unternehmer einen direkten Draht zum mächtigsten Mann des Landes hat, sonnt sich der Politiker im Image des Gründers. Nadiem ist die personifizierte Zukunftsvision für das ganze Land: jung, digital und aufstrebend.

Anders als in Europa sind junge Menschen in Indonesien eine wichtige Wählergruppe, mehr als die Hälfte der Indonesier ist unter 40. Und diese schauen zum Jungunternehmer auf, denn er begann bescheiden. „Eine Garage wäre schöner gewesen als unser Büro“, erinnerte sich der Gründer einmal in einem Interview. Sein Unternehmen Go-Jek startete in einem winzigen Raum eines heruntergekommenen Hauses in Jakarta.

Go-Jek ist mittlerweile eine der bekanntesten Apps Asiens. Dabei war das Start-up in seiner Frühphase nur ein Callcenter. Per Telefon nahmen die Angestellten damals Bestellungen entgegen und schickten die Mopedfahrer für Kurierdienste durch die indonesische Hauptstadt. Das bescheidene Kapital hatten Nadiem und seine zwei Mitgründer von ihren Familien geliehen. Es reichte nicht einmal für die Entwicklung einer Software.

Mittlerweile haben seine Kapitalgeber ein anderes Kaliber: Bei der jüngsten Finanzierungsrunde im Januar steckten laut Medienberichten unter anderem die Internetkonzerne Google und Tencent sowie der japanische Mischkonzern Mitsubishi mehr als eine Milliarde US-Dollar in das Unternehmen, eine weitere Milliarde soll in einer zweiten Phase der Finanzierungsrunde folgen.

Insgesamt wird das erste Einhorn Indonesiens heute nun mit rund zehn Milliarden US-Dollar bewertet. Das Unternehmen wird inzwischen als marktbeherrschend angesehen. In Indonesiens Hauptstadt Jakarta sind die Jacken der Fahrer der Motorradtaxen im Go-Jeck -typischen Grün nicht zu übersehen. Die Nutzer ordern nicht nur Taxen oder Motorradkuriere. Auch wer eine Pizza oder eine Massage bestellt, der macht das meistens über Go-Jek. Eigentlich muss man dank der App das Haus überhaupt nicht mehr verlassen. In der stau-geplagten und heißen Megastadt ist das ein sehr verlockendes Angebot.

Einer der einflussreichsten Gründer Asiens

In wenigen Jahren ist Nadiem damit zum Herrscher über ein gewaltiges Reich geworden. Wie viele Anteile Nadiem noch an dem Unternehmen hält, ist nicht klar, aber er und sein Gründungsteam hätten noch immer die Entscheidungsgewalt. Als das Interesse an Go-Jek wuchs, wurde er Vollzeitunternehmer.

Wer Nadiem auf Konferenzen trifft, hat dabei nicht den Eindruck, vielleicht einem der einflussreichsten Gründer Asiens zu begegnen. Auf Business-Kongressen trägt der in Singapur geborene Indonesier in der Regel nur Jeans und ein schwarzes T-Shirt mit dem Go-Jek-Logo.

Besprechungen hält er gerne in Sitzecken ab, viele Reporter hat er im Raucherbereich der hallenartigen Firmenzentrale empfangen. Er selbst setzt sich täglich noch mehrmals auf ein Go-Jek-Bike, wenn er sich in Jakarta bewegt. Ein eigenes Auto hat er nicht. Der zähe Verkehr ist ihm viel zu langsam.

Das frisch eingesammelte Kapital braucht Nadiem für die internationale Expansion. Go-Jek ist mittlerweile nicht nur in Indonesien aktiv, sondern breitet sich in ganz Südostasien aus. Schon heute ist der Service in mehr als 204 Städten verfügbar. Mittlerweile gibt es Ableger der App auch in Singapur, Thailand und Vietnam.

Auch auf den Philippinen versucht Nadiem Fuß zu fassen. Dort muss er aber noch regulatorische Hürden überwinden. Vor allem aber trifft Nadiem im restlichen Südostasien auf die andere Super-App der Region: das singapurische Start-up Grab.

Der Konkurrent hat zuletzt auch mehrere Finanzierungsrunden erfolgreich abgeschlossen und wird ebenfalls mit rund zehn Milliarden US-Dollar bewertet. Zu seinen Investoren zählen unter anderem der japanische Telekommunikationskonzern Softbank, der Autobauer Toyota und der chinesische digitale Fahrdienstleister Didi Chuxing.

 Grab ist kampferprobt: Im vergangenen Jahr schluckte das Unternehmen das regionale Südostasien-Geschäft des US-Konkurrenten Uber. Gegründet haben es zwei alte Bekannte von Nadiem: Anthony Tan und Tan Hooi Ling. Alle drei kennen sich vom Studium in Harvard.

Tan sei zu dieser Zeit einer seiner besten Freunde gewesen, sagte Nadiem in einem TV-Interview. Schon damals hätten beide über mögliche Start-ups in ihrer Heimatregion diskutiert. Eigentlich hatten sie geplant, dass sich der eine auf Motorräder, der andere auf Taxen spezialisieren würde. Doch der Nichtangriffspakt ist mittlerweile aufgekündigt. Trotzdem wollten sie weiter Freunde bleiben, heißt es.

Go-Jek verbrennt noch viel Geld

Beide Unternehmen verbrennen derzeit noch viel Geld, sie versuchen mit Kundenrabatten und guten Konditionen für ihre Fahrer Marktanteile zu gewinnen. Zudem muss Nadiem sich sorgen, dass die neue Regierung – trotz der guten Kontakte – Mindesttarife für die Fahrer durchsetzen will.

Nadiem lobt sich oft dafür, die Beschäftigungsmöglichkeiten für Millionen verbessert zu haben. Dass viele umgerechnet nur ein paar Euro pro Tag verdienen, verschweigt er. Immer wieder gehen Fahrer auf die Straße und protestieren für bessere Bedingungen.

Auch in Singapur muss er neu denken. So urteilt die malaysische Bank CIMB: „Wir glauben, dass Go-Jeks Anreize noch nicht attraktiv genug sind für Fahrer, die regulär acht bis zehn Stunden arbeiten wollen.“ Nadiem lässt sich davon nicht abschrecken, sein Credo ist Versuch und Irrtum. „Weiß ich genau, was ich tue? Meistens“, sagt er. Er vertraut auf eine genaue Datenanalyse. „Im Tech-Sektor musst du einfach höllenmäßig hyper-experimentieren, bis du weißt, was du machst.“

Dass er ein Gespür für Märkte hat, bewies er bereits in den Semesterferien, damals recherchierte er bei Kaffee und Zigaretten bei den zahlreichen Motorradtaxifahrern in Jakarta und überlegte, wie er deren Angebot verbessern könnte. Nach seinem Harvard-Abschluss führte er das junge Unternehmen aber bis 2014 nur in Teilzeit.

Wie viele junge Gründer hatte er bei Rocket Internet angeheuert. Die Samwers machten ihn unter anderem zum Geschäftsführer ihres Online-Modehandels Zalora und dem digitalen Marktplatz Lazada, der mittlerweile zu Alibaba gehört. Die Zeit bei der deutschen Start-up-Schmiede sei für ihn prägend gewesen, sagt Nadiem. „Ich konnte mit jeder Menge Geld spielen und die besten Leute einstellen. Ich habe außerdem gelernt, wie man skaliert.“

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