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Nicolas Brusson Wie der Blablacar-Chef den Marktführer Flixbus angreifen will

Nicolas Brusson gehört zum Gründertrio von Blablacar. Seit er der Chef ist, wird das Mitfahrunternehmen professioneller geführt – und greift nun Flixbus an.
13.11.2018 - 18:09 Uhr Kommentieren
Vor drei Jahren übernahmen er und seine Mitgründer von Blablacar auch den Betreiber der Mitfahrzentrale. Quelle: DENIS/REA/laif
Nicolas Brusson

Vor drei Jahren übernahmen er und seine Mitgründer von Blablacar auch den Betreiber der Mitfahrzentrale.

(Foto: DENIS/REA/laif)

Paris Mit seinem schmalen Gesicht und der Intellektuellenbrille hat Nicolas Brusson mehr von einem Professor einer Universität wie Science Po als von einem zielstrebigen Unternehmer. Doch als der erweist er sich mit der jüngsten Entscheidung, der französischen Bahngesellschaft SNCF ihren Busdienst Ouibus abzukaufen und damit den auch in Frankreich erfolgreichen Marktführer Flixbus anzugreifen.

Seit zwölf Jahren führt das Gründertrio Frédéric Mazella, Francis Nappez und Nicolas Brusson die als Mitfahrdienst gestartete Blablacar. Mittlerweile ist das mit mehr als einer Milliarde Euro bewertete Unternehmen in 22 Ländern unterwegs und zählt mehr als 50 Millionen Kunden. In Deutschland hatte Blablacar 2015 die Mitfahrzentrale übernommen.

Doch in den vorangegangenen Jahren gab es einen Durchhänger: Die Dynamik erschöpfte sich, ein Ende der Verluste war nicht in Sicht. Einige Führungskräfte verließen das Unternehmen. „Ende 2016 haben wir gesehen, dass wir durchgreifende Entscheidungen brauchten: Was geht, was geht nicht?“, schaut er im Gespräch mit dem Handelsblatt zurück. Man zog sich aus einigen Ländern zurück oder fror die Aktivitäten ein.

Die nicht mehr so ganz junge Firma musste erwachsene Firmenstrukturen einführen: „Vorher haben wir drei alle Entscheidungen gemeinsam getroffen, seit Ende 2016 gibt es einen CEO mit seiner Mannschaft“, erläutert Brusson. Und der Chef ist er. Mazella hat sich auf die Führung des Verwaltungsrats zurückgezogen, Nappez kümmert sich weiter schwerpunktmäßig um die technische Entwicklung.

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    Aber das ändere nichts an einer Tatsache: „Wir sind eine Dreier-Ehe“, schmunzelt Brusson. Auch weiterhin werde man fundamentale Entscheidungen gemeinsam treffen. Selbst wenn die Gründer nicht mehr die Mehrheit des Kapitals haben, das sie sich mit mehreren Fonds und seit Neuestem auch mit der SNCF teilen, ohne sie geht auch künftig nichts. „Wichtige Entscheidungen können nur mit der Mehrheit der Gründer getroffen werden“, stellt der CEO klar.

    Die Neuorientierung hat sich gelohnt. In diesem Jahr wird Blablacar zum ersten Mal die Gewinnschwelle überschreiten. Gerade haben die Franzosen eine neue Finanzierungsrunde über 100 Millionen Euro abgeschlossen, in deren Zuge die SNCF eine Minderheitsbeteiligung übernommen hat.

    Wie viel das genau ist, nennt Brusson genauso wenig wie die Summe, die sie für Ouibus auf den Tisch gelegt haben. Brusson sagt aber klar, dass „mittelfristig das Ziel besteht, an die Börse zu gehen“. Im Jahr 2020 werde man sehen, „wo wir stehen, und dann entscheiden, wie es weitergeht“. Die Orientierung auf langfristige Ziele müsse man deshalb nicht aufgeben. Man könne börsennotiert sein, ohne in Kurzfristdenken zu verfallen.

    Wie wird die Allianz mit der SNCF laufen? Deren Reise-Site „OUI.sncf“ ist die größte E-Commerce-Plattform Frankreichs. Sie wird künftig auch Buchungen für Blablacar und für deren Busse führen. Wird Blablacar nicht auf Sicht von dem Bahngiganten erdrückt werden?

    Brusson, mit der Kraft von gleich drei Hochschuldiplomen und der Erfahrung aus zehn Jahren im Silicon Valley und in Londoner Venture-Capital-Firmen gestählt, ist kurz irritiert, schüttelt aber den Kopf: „Wir werden nicht von denen verschlungen, die sind so groß, weil die Leute dort Zugtickets kaufen, aber wir haben das Wissen und den Algorithmus für kombinierten Verkehr von Autos und Bussen.“

    Darin sieht Brusson auch den Vorteil gegenüber Flixbus. Blablacar biete einerseits die sehr weit getriebene „Feinkörnigkeit“, sprich: Mitfahren quasi von Tür zu Tür, auf kurzen oder längeren Strecken. Immer mehr werde der Zwang zum Energiesparen und zur Emissionsminderung den Druck verstärken, Autos besser als nur individuell zu nutzen. Eine neue Software ermöglicht es jetzt, auch unterwegs noch weitere Passagiere aufzunehmen.

    Nun komme für die langen Distanzen und den internationalen Verkehr das Vehikel Bus hinzu: „Das ist die ideale Ergänzung.“ Mobilität ohne Unterbrechung, der Traum aller Dienstleister, die in die Zukunft blicken – Blablacar sieht ihn für sich selbst ein gutes Stück näherrücken.

    Ouibus: 35 Millionen Euro Verlust

    Der 41-Jährige redet nicht darum herum: Die internationale Expansion sieht er als Voraussetzung für den Erfolg. Auf die habe Ouibus zu lange verzichtet. Zusammen mit dem anfangs verfehlten Geschäftsmodell, alle Busse selbst zu besitzen und Fahrer selbst anzustellen, habe das zu hohen Verlusten geführt.

    Im vergangenen Jahr erlöste Ouibus rund 55 Millionen Euro, fuhr damit aber einen Verlust von 35 Millionen Euro ein. Durch die Kombination von Auto und Bus will Blablacar eine weit höhere Auslastung der Busse erreichen, als die SNCF es je geschafft hat. Die Idee dazu, dass man neben Privatautos auch noch einen weiteren Verkehrsträger brauche, verdankt Blablacar den streikfreudigen französischen Gewerkschaften.

    Mit großen Augen verfolgten Brusson und seine Kollegen, wie während des Streiks gegen die Reform der Bahn zu Anfang des Jahres zehntausend Franzosen in die quietschgrünen Flixbusse auswichen. Sie spürten, dass ihnen etwas fehlte. Eine ähnliche Erfahrung habe man in Russland gemacht, auch dort benötige man Busse als Kombination mit der Mitfahrgelegenheit.

    Von der Gründung bis in das beschleunigte Wachstum in der Führung eines Unternehmens zu bleiben, das ist nicht unbedingt die Regel bei Start-ups. Oft scheitern sie in der Expansionsphase. Brusson glaubt, dass er und seine Mitgründer es geschafft haben, weil sie sich sehr lange kennen. Mazella habe er bereits auf der Business-School INSEAD kennen gelernt. Wie dieser stammt er nicht aus einer Unternehmerfamilie. Sein Vater war Lehrer, seine Mutter Ärztin.

    Brusson selbst habe die Führung eines Unternehmens aus verschiedenen Perspektiven erlebt: als Gründer und Direktor im Silicon Valley, als Business Angel, also Finanzier junger Unternehmen, und als Manager von Fonds. Diese Rundumsicht und die internationale Erfahrung helfe sehr.

    Brusson nennt einen weiteren wichtigen Faktor: „Wir haben früh gelernt, dass wir nicht alles alleine machen können.“ Die Gründer hätten erkannt, wie wichtig es sei, sich mit den richtigen Leuten zu umgeben. Dennoch: Als Trio wollen sie weiter zusammenbleiben.

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