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Roland Berger

„Jedes Geschäft ist 50 Prozent Hirn und 50 Prozent Bauch.“

(Foto: Getty Images)

NS-Vergangenheit Georg Bergers Roland Berger Stiftung sagt Vergabe des Menschenrechtspreises ab

Die Zweifel an der Rolle Georg Bergers im Dritten Reich haben Konsequenzen: Die Roland Berger Stiftung sagt die Verleihung des Preises für Menschenwürde ab.
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Berlin, Düsseldorf Die Roland Berger Stiftung hat am Samstag die für Montag angekündigte Verleihung des Preises für Menschenwürde abgesagt. Damit reagierte die Stiftung des Unternehmensberaters Roland Berger auf Veröffentlichungen des Handelsblatts.

Das Handelsblatt hatte aufgedeckt, dass der Vater von Roland Berger kein Opfer der Nazis war, wie dieser über viele Jahre hinweg behauptet hatte, sondern Profiteur des NS-Regimes. Daraufhin hatten zwei der drei ausgewählten Preisträger eine Annahme des Preises abgesagt.

„Mit Traurigkeit und Enttäuschung habe ich zur Kenntnis genommen, dass der polnische Menschenrechtsbeauftragte Adam Bodnar und das von ihm geleitete Büro den von mir gestifteten Preis nicht annehmen möchten. Ebenso das Netzwerk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, das eine entsprechende Presseerklärung veröffentlichte“, teilte Roland Berger am Samstagabend mit. „Ich respektiere diese Entscheidungen und sage die Veranstaltung für Montag ab, um weiteren Schaden von meiner Stiftung abzuwenden und den Geist der Auszeichnung für kommende Preisträger zu wahren“, so Berger.

Der Preis für Menschenwürde der Roland Berger Stiftung hätte ursprünglich im Rahmen einer Festveranstaltung im Jüdischen Museum in Berlin am Montag verliehen werden sollen. Angesichts des „Medienumfelds“ habe er sich nun dazu entschlossen, „die Verleihung auf das kommende Jahr zu verschieben“.

Die Verschiebung der Veranstaltung solle hinter den Zeitpunkt der Veröffentlichung einer von Berger beauftragten umfassenden historischen Untersuchung der Rolle seines Vaters in der Zeit des Nationalsozialismus erfolgen. Dabei gehe es um die lückenlose Aufklärung von Vorwürfen im Handelsblatt, denen zufolge Roland Berger das Bild seines 1977 verstorbenen Vaters Georg Berger zu unkritisch und unvollständig gezeichnet habe, teilte die Stiftung mit.

Berger weise diesen Vorwurf zurück, sei aber bereit, das Bild seines Vaters zu revidieren, sollten die historischen Untersuchungen ergeben, dass Georg Berger ein Profiteur des NS-Regimes gewesen sei. Mit der wissenschaftlichen Untersuchung habe Berger die Historiker Michael Wolffsohn und Sönke Neitzel beauftragt. Deren Bericht solle voraussichtlich Ende des Jahres vorliegen und veröffentlicht werden.

Die Stiftung teilte außerdem mit, dass die Handelsblatt-Berichterstattung über die Vergangenheit von Bergers Vater Georg „offenbar auch die Preisträger verunsichert“ habe. „Um weitere Unannehmlichkeiten für Preisträger und Freunde des Preises zu vermeiden“ werde die Preisverleihung am Montag abgesagt.

Der polnische Bürgerrechtler Adam Bodnar hatte zuvor dem Handelsblatt mitgeteilt, dass er nicht zur Verleihung des Preises nach Berlin kommen werde. „Im Zusammenhang mit in der deutschen Presse bekannt gewordenen Informationen und Zweifeln bezüglich der Rolle von Georg Berger während des Dritten Reiches ist Herr Bodnar derzeit nicht in der Lage, den Roland Berger Preis entgegenzunehmen“, sagte eine Sprecherin dem Handelsblatt. Bodnar veröffentlichte ein entsprechendes Statement auf der offiziellen Homepage des Bürgerrechtsbeauftragten der Republik Polen.

Der Bürgerrechtler sollte gemeinsam mit zwei weiteren Preisträgern am Montagabend von der Roland Berger Stiftung ausgezeichnet werden. Auf dem Programm stand auch eine Rede von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Der Preis ist insgesamt mit einer Million Euro dotiert. Bodnar verzichtet also auf ein erhebliches Preisgeld.

Adam Bodnar ist in Polen ein hoch angesehener Mann. Seit 2015 ist der von den polnischen Sozialdemokraten vorgeschlagene Verfassungsrechtler Beauftragter für Bürgerrechte in Polen. Der 42-Jährige gilt wegen seiner Verortung als Atheist im streng katholischen Polen und seinem Eintreten für eingetragene Lebenspartnerschaften für Homosexuelle als linksliberal.

Homosexuelle werden von der regierenden nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) sowie vor allem von der gerade erstmals in das polnische Parlament gewählten rechtsextremen Partei Konfederacja angefeindet, Gay-Paraden werden von Hooligans und Skinheads angegriffen. Der Bürgerrechtsbeauftragte ist eine Ombudsperson der polnischen Politik zum Schutz der Bürger vor rechtswidrigem staatlichen Handeln und zum Schutz der Menschenrechte.

Auch das Netzwerk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage hatte auf Anfrage des Handelsblatts mitgeteilt, den Preis nicht entgegennehmen zu wollen.

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