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Hotel-Legende Sacher in Wien

Auch die Hotellerie in Österreich ist stark betroffen.

(Foto: Imago)

Österreich Superreiche statt Massentouristen – Wien sucht sich seine Besucher aus

Wien will weg vom Massengeschäft – und setzt voll auf kauffreudige Kundschaft aus Asien und den USA.
28.07.2018 - 17:29 Uhr Kommentieren

Wien Menschentrauben schieben sich bei tropischen Temperaturen durch das Goldene Quartier im Herzen von Wien. Vor den Flaggschiffläden von Chanel, Louis Vuitton, Cartier und anderen internationalen Luxusmarken wimmelt es von Touristen. Russische, arabische oder chinesische Wortfetzen füllen die Gassen der Donaumetropole.

Wien versucht, dem global grassierenden Phänomen „Overtourism“ einen Riegel vorzuschieben. Die österreichischen Tourismusmanager wollen im Gegensatz zu überlaufenen Städten wie Barcelona verhindern, dass ihnen die Massen die Stadt kaputt machen. Sie steuern um und wollen verstärkt superreiche Gäste in die zweitgrößte Stadt des deutschsprachigen Raums locken.

„Wir setzen auf den Luxusgast“, sagt Norbert Kettner, Chef des Wien-Tourismus. Daher kooperieren die Wiener gezielt mit Kreditkartenunternehmen und Family Offices unter anderen in Russland, USA, Deutschland und Großbritannien. Sie suchen den Kontakt zu privaten Vermögensverwaltern sowie Luxus-Reiseagenten.

„Über eigene Formate für Luxusanbieter erreichen wir jene Zielgruppe, die uns bei breit angelegten Marketingaktionen durch das Netz schlüpft“, erläutert Kettner, der seit elf Jahren die Tourismusstrategie der österreichischen Hauptstadt verantwortet.

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    Unermüdlich tourt der Manager rund um die Welt, um die Reichen und Superreichen nach Wien zu locken. In den kommenden Wochen steht daher die Virtuoso Travel Week in Las Vegas genauso auf seinem Plan wie der International Luxury Travel Market in Cannes. Zehn Millionen Euro werden für den Reklamefeldzug in den nächsten sechs Monaten ausgegeben werden.

    Wien ist bei wohlhabenden Touristen zunehmend angesagt. Voller Stolz präsentiert Kettner in der angesagten Onyx-Bar mit Blick auf den Stephansdom die neuesten Zahlen. Der Übernachtungsumsatz mit Gästen aus China schnellte im ersten Halbjahr um neun Prozent in die Höhe.

    Im gleichen Zeitraum gaben die Russen sogar zwölf Prozent mehr aus. Am stärksten wuchs die Zahl der Gäste aus Saudi-Arabien – nicht zuletzt dank einer Direktverbindung nach Riad. Der umsatzstärkste Markt mit einem Plus von drei Prozent in den ersten sechs Monaten bleibt aber Deutschland.

    Experten loben die Strategie

    Laut der Studie ITB World Travel Trends Report liegt der Anteil der Luxusreisen am Tourismusmarkt bei nur sieben Prozent, aber der globale Umsatzanteil beträgt stolze 20 Prozent. „Statistisch gesehen geben Luxusreisende sechsmal mehr aus und reisen fast doppelt so oft wie der Durchschnitt“, weiß Kettner.

    Experten loben die Luxus-Strategie. „Wien hat eine sehr gute Chance, sich auch in diesem Segment zu positionieren“, sagt Vladimir Preveden, Tourismusexperte der Unternehmensberatung Roland Berger, auf Anfrage. Eine positive internationale Wahrnehmung zu Österreich und Wien, gute Erreichbarkeit im Herzen Europas, höchste Lebensqualität und eine niedrige Tourismusdichte im Vergleich zu anderen europäischen Städten sprechen für Wien.“ Ein zunehmend wichtiges Argument sei auch die hohe Sicherheit im Vergleich zu London und Paris.

    Doch rigide Ladenöffnungszeiten erschweren den Konsumrausch wohlhabender Touristen. Am Samstag schließen sämtliche Läden in Österreich um 18 Uhr. Eine Öffnung der Shops am Sonntag ist am Widerstand der rot-grünen Landesregierung gescheitert.

    Einer, der mehr Flexibilität fordert, ist Matthias Winkler, Chef und Miteigentümer des legendären Fünf-Sterne-Hotels Sacher. „Unkompliziert und kundenorientiert muss Wien sein. Insbesondere Luxusgäste wollen nicht hören und lesen, was nicht geht, sondern umgekehrt: was möglich ist“, sagte der Familienunternehmer, der mit seiner Frau Alexandra die Luxusherberge führt, dem Handelsblatt.

    „Wien kann auf nahezu unendlich viele Schätze aller Art, aller Epochen, aller Klassen zurückgreifen, und wir Hoteliers kümmern uns immer öfter um den individuellen Erlebnisplan unserer Gäste: vom Weingarten zum Naschmarkt, von der Albertina zur Straßenkunst, vom Haubenrestaurant zum Würstelstand.“

    Ähnlich wie Winkler lobt auch Tourismusberater Preveden die Authentizität. „Wien ist eine erfrischende Alternative zu den gesetzten Luxus-Destinationen und vermittelt zusätzlich zu den genannten Faktoren noch Charme und Authentizität. Diese beiden Faktoren sind im Luxussegment etwa in Metropolen in Asien sowie im Mittleren Osten schon weitgehend verloren gegangen“, sagt der Roland-Berger-Berater.

    Image als Stadt der Kunst und der Musik

    Während in anderen Tourismusdestinationen wie Mallorca der Unmut über den Massentourismus bedrohliche Ausmaße angenommen hat, gibt es in Wien eine hohe Akzeptanz der Reisenden. Kontinuierlich wird über Umfragen die Haltung der Einheimischen gegenüber Touristen überprüft. Das Ergebnis: 96 Prozent haben kein Problem mit den Besuchern.

    „Wir haben aktuell kein Overtourism-Problem in Wien“, frohlockt Tourismus-Chef Kettner auf Nachfrage. Die Wiener wissen den wirtschaftlichen Beitrag der Touristen zum Wohlstand der schnell wachsenden Stadt zu schätzen. Was sie stört, sind alltägliche Widrigkeiten wie kitschig kostümierte Kartenverkäufer auf den Straßen, rücksichtslose Rikscha-Fahrer oder hässliche Souvenirläden in der Altstadt.

    96 Prozent der Bewohner haben kein Problem mit den Besuchern. Quelle: Imago
    Reisegruppe in der Wiener Innenstadt

    96 Prozent der Bewohner haben kein Problem mit den Besuchern.

    (Foto: Imago)

    Wiens Image als Stadt der Kunst und der Musik soll als Plattform dienen, verstärkt wohlhabende Touristen anzulegen. Der wachsende Kunsthandel in der Donaumetropole spielt dabei eine Schlüsselrolle. Nach einem von der Schweizer Bank UBS und der Art Basel veröffentlichen Studie „Art Market Report 2017“ besitzt Österreich einen Marktanteil von einem Prozent am weltweiten Umsatz bei Kunstaktionen von 28,5 Milliarden Dollar.

    „Wien hat sich als Drehscheibe des globalen Kunsthandels etabliert“, ist sich Tourismusmanager Kettner sicher. In Wien ist das Dorotheum, eines der größten Auktionshäuser Europas, seit 1707 zuhause. „Es zählt meist nur noch das Beste, Kompromisse sind nicht mehr gut genug“, berichtet Sacher-Chef Winkler von seinen wohlhabenden Gästen.

    Ob die Jagd nach den reichen und superreichen Touristen für Wien aufgeht, ist allerdings unkalkulierbar. Der Interessenskonflikt zwischen den USA und Europa sowie China sowie eine mögliche Abkühlung der Weltkonjunktur könnten die ehrgeizigen Pläne schnell zerstören. Dann wäre die knapp zwei Millionen Einwohner große Metropole doch wieder auf die Bustouristen aus Deutschland und Osteuropa angewiesen.

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