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Paketshop von Hermes

„Auf solche Details achten die Kunden oft nicht.“ (Foto: Imago Images)

Onlinehandel Paketshop als Nebenverdienst: „Der Frust der Kunden lädt sich bei mir ab.“

Du bestellst viel online, bist aber nur selten zu Hause? Zum Glück gibt es an jeder Ecke kleine Läden, die deine Sendungen für dich aufbewahren. Aber wie geht es eigentlich den Betreibern: Lohnt sich ein Paketshop?
  • Lara Jäkel
10.03.2020 - 12:37 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 10. März 2020 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Dutzende Fahrräder, Helme in verschiedenen Farben und Formen, dazu eine große Auswahl an Zubehör – eigentlich ist der Fahrradladen in Berlin-Pankow ein klassischer Fachhandel. Doch eine blaue Fahne mit weißer Schrift an der Tür verrät: Hier kannst du auch Pakete aufgeben oder abholen.

DHL, Hermes, DPD: Lohnt sich ein Paketshop als Nebenverdienst?

Der Berliner Fahrradladen ist einer von deutschlandweit rund 16.000 Hermes-Paketshops. Statt an deine eigene Adresse kannst du deine Online-Bestellungen dorthin schicken lassen und innerhalb von zehn Tagen zu den normalen Öffnungszeiten abholen. Auch Konkurrenten wie DHL (Deutsche Post) oder DPD lassen inzwischen Tausende solcher Annahme- und Abgabestellen in Kiosken, Wäschereien oder kleinen Fachgeschäften betreiben.

„Dadurch können wir viele Pakete gleichzeitig zustellen und unnötige Fahrten vermeiden“, erklärt eine Sprecherin von Hermes auf Anfrage. Das spare nicht nur Zeit und Geld, sondern sei auch umweltfreundlicher. So entstehe rund ein Viertel weniger Kohlendioxid (CO2), wenn ein Paket an eine Sammelstelle statt an die Haustür geliefert wird.

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    Auch für die Einzelhändler lohne sich die Zusammenarbeit mit den Zulieferern, verspricht Hermes auf seiner Webseite. Denn das bringe zusätzliche Einnahmen und locke die bestehenden Kunden öfter in den Laden. Aber stimmt das wirklich? Lohnt sich das Geschäft für die Paketshop-Betreiber?

    Der Inhaber des Berliner Fahrradladens, der seinen Namen nicht in einem Artikel lesen will, sagt: ja. Seit zehn Jahren betreibt er seinen Fachhandel in Pankow, seit fünf Jahren ist er als Paketshop Partner von Hermes. Pro Tag kommen laut des Inhabers zwischen 20 und 30 Pakete im Laden an.

    Hermes Logistik: 15.000 Paketshops in Deutschland

    „Das kann ich gut nebenbei machen und es bringt mir einen sicheren Nebenverdienst“, sagt der 54-Jährige. Vor allem durch die steigenden Mieten könne man sich nicht mehr aussuchen, womit man sein Geld verdient. Und: Auch die Lieferungen des Fahrradladens könne er einfach dem Paketboten mitgeben und sich so den Weg zur Post sparen.

    Vor rund 20 Jahren hat Hermes testweise die ersten Paketshops im Einzelhandel eröffnet. Inzwischen gibt es laut des Logistik-Konzerns bundesweit 15.000 Partner-Läden. Und deren Leistungen sind offenbar gefragt, wie der Bundesverband Paket- und Expresslogistik meldet.  Demnach wird aktuell etwa jedes zehnte Paket an einen Paketshop geliefert – Tendenz steigend. Vor allem in Städten sei der Anteil bereits deutlich höher.

    Ein Grund dafür: Der Onlinehandel boomt. Das zeigt sich auch in den neuen Geschäftszahlen von Deutsche Post DHL, die der Konzern an diesem Dienstag vorgelegt hat. Umsatz und Gewinn erreichten neue Rekordwerte – auch, weil die Zahl der versendeten Pakete immer weiter steigt. Allein die Post stellte 2019 in Deutschland rund 1,6 Milliarden Pakete zu, mehr als je zuvor.

    Insgesamt wurden im vergangenen Jahr laut Bundesverband Paket und Expresslogistik deutschlandweit mehr als 3,5 Milliarden Pakete versendet, also fast 10 Millionen pro Tag. Im Jahr 2000 waren es noch etwa halb so viele. Eigentlich müssten die Zusteller darum immer mehr Fahrer einstellen. Mit den Paketshops sparen sich DHL, Hermes und Co. das teilweise.

    „Finanziell lohnt sich ein Paketshop für den Betreiber nicht.“

    In den nächsten Jahren sollen noch mehrere Tausend weitere Annahme- und Abgabestellen eröffnet werden, sagt die Hermes-Sprecherin. Besonders wichtig seien dabei die Lage und die Öffnungszeiten der Läden: Je länger ein Paketshop geöffnet hat und je schneller er mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist, desto besser.

    Levent Yildirim ist deutlich weniger euphorisch. Er betreibt in seinem Spätkauf in Berlin-Prenzlauer Berg seit zwei Jahren einen Paketshop für die DHL und sagt: „Finanziell lohnt sich das für die Läden nicht wirklich.“

    Je nach Größe der Lieferungen erhalte er einen bestimmten Betrag ausgezahlt, erklärt er, durchschnittlich seien es etwa 50 Cent pro Paket. Die Einnahmen aus dem Paketshop reichten am Ende des Monats nicht einmal für den Lohn des Mitarbeiters, den er dafür eingestellt hat.

    Um Pakete annehmen und ausgeben zu dürfen, müssen die Läden einige Verpflichtungen erfüllen: Jeder Paketshop braucht eine Lizenz und darf nur mit einem einzigen Logistikunternehmen zusammenarbeiten. Vor einem Urlaub muss der Zulieferer rechtzeitig Bescheid bekommen, damit keine Sendungen ins Leere laufen oder Kunden vor verschlossener Tür stehen.

    Pakete abholen im Paketshop: Ausweis vorzeigen ist Pflicht

    Als sein Vater krank wurde und er den Laden kurzfristig für zwei Wochen schließen musste, habe es deswegen Probleme gegeben, erinnert sich der Betreiber des „Spätis“. Doch die Zusammenarbeit mit der Post helfe ihm trotzdem: Durch den Paketshop kämen jeden Monat mehr als 1000 Kunden zusätzlich in den Laden, einige davon seien Stammkunden geworden.

    Auch der Inhaber des Fahrradladens schätzt die zusätzliche Werbung für sein Geschäft durch den Paketshop, wie er sagt. Andererseits ärgere er sich auch oft über die Kunden: „Manche laden ihren Frust bei mir ab, wenn ein Paket nicht rechtzeitig kommt oder ich es nicht rausgeben darf, weil sie keinen Ausweis dabeihaben.“

    Genau wie an einem Postschalter können Kunden ihre Pakete nur mitnehmen, wenn sie einen Ausweis vorzeigen. Wer für jemand anderen eine Lieferung abholt, braucht eine Vollmacht. „Auf solche Details achten die Kunden oft nicht“, berichtet der Fahrradhändler. „Aber ich kann da keine Ausnahmen machen – wenn ein Paket nicht beim richtigen Empfänger landet, muss ich selbst dafür aufkommen.“

    Mehr: Duisburg ist die neue „Pakethauptstadt“ Deutschlands

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