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Optiker Mister Spex setzt auf Filialen – und will damit den Online-Handel antreiben

Der einstige Online-Optiker will bald über 100 eigene Läden in Deutschland betreiben. Damit zielt man auf den großen Konkurrenten Fielmann.
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Mister Spex hatte sich bereits früh mit selbstständigen Optikern zusammengetan, die Sehtestes und Anproben übernommen haben.
Filiale

Mister Spex hatte sich bereits früh mit selbstständigen Optikern zusammengetan, die Sehtestes und Anproben übernommen haben.

Hamburg Eine Diskussion spaltet seit einem Jahrzehnt die Optikerbranche: Lassen sich Brillen vernünftig online verkaufen? Die Antwort, die sich abzeichnet, lautet: Jein.

Denn der stärkste deutsche Onlineoptiker, Mister Spex, wird endgültig zum Filialisten. Für das Vorhaben, quer durch Deutschland Läden zu eröffnen, hat der Berliner Versender seine bislang größte Finanzierungsrunde abgeschlossen: 65 Millionen Euro seien dabei zusammengekommen, sagte Gründer Dirk Graber.

Am Onlineshop will er festhalten, es geht ihm um eine geschickte Verknüpfung von Internet und Läden. Die Finanzspritze hat somit das Potenzial, die Branche zu verändern. Klar wird: Reine Onlinemodelle stoßen an ihre Grenzen. Um Läden erweitert, fordern sie jedoch mit neuer Kraft die großen Filialisten Apollo Optik und Fielmann heraus, die bislang im Netz zögerlich agieren.

Für Mister Spex ist das eine Strategiewende: Nach der Gründung 2007 versuchten die Onlinepioniere neun Jahre lang, ohne eigene Filialen auszukommen. Vor drei Jahren testeten die Berliner den ersten eigenen Laden, inzwischen sind es elf. Jetzt soll es schnell gehen: Noch in diesem Jahr sollen acht weitere Filialen eröffnen. Ende kommenden Jahres sollen es schon 40 Läden in stark frequentierten Lagen sein. Die Zielmarke für die Jahre darauf liegt bei einer dreistelligen Zahl.

Das Kalkül ist einfach: Die Hürde, gänzlich ohne Beratung eine Brille mit Sehstärke oder gar eine renditeträchtigere komplexere Gleitsichtbrille online zu kaufen, ist für viele Menschen hoch. Laut dem Optikerverband ZVA wird nur jede zwölfte Brille im Netz gekauft. Daher haben sich die großen Wachstumserwartungen für alle Onlineoptiker als trügerisch erwiesen. Mister Spex hat sich daher früh mit selbstständigen Optikern verbündet, die Sehtestes und Anproben übernommen haben – und so Konkurrenten wie Brille24 auf Distanz gehalten.

Filialen sollen Onlinegeschäft antreiben

Mit den eigenen Filialen kann das Unternehmen seine Marke deutlich stärker in der realen Welt verankern. „Wir haben eine bundesweit bereits sehr starke und bekannte Marke aufgebaut. Eine lokale Präsenz hebelt den Markenwert direkt ohne große weitere Marketing-Aufwendungen“, sagte der 42-jährige Graber.

Die Filialen sollen das Versandgeschäft nicht ersetzen, sondern noch antreiben: Neue Kunden sollen vor allem beim Erstkauf oder bei Stärkenänderungen in die Filiale kommen – und zwischendurch immer mal wieder modische Brillen über ihr Kundenkonto im Netz kaufen.

„Ich glaube nicht, dass wir dafür das Filialnetz ähnlich flächendeckend ausbauen müssen wie traditionelle Anbieter“, sagte Graber. Marktführer Fielmann hat allein in Deutschland 600 Niederlassungen und verkauft nach eigener Darstellung hierzulande jede zweite Brille. Der junge Vorstandschef Marc Fielmann, der den Chefposten von Vater Günther Fielmann übernommen hat, will die Digitalisierung beschleunigen, verkauft aber lediglich Kontaktlinsen online.

Rivalen nähern sich an

Gerade hat Fielmann groß angekündigt, Termine für Sehtests künftig im Netz zu vergeben. Bislang treibt die Hamburger Firma in ihrer Entwicklungsabteilung eher technische Innovationen wie schnellere digitale Sehtests und Anproben per Augmented Reality voran. Die Brille aus dem Netz hält Marc Fielmann wie sein Vater für ein „Zufallsprodukt“. Mit der stationären Offensive von Mister Spex könnte er unter Druck geraten, diese Strategie zu ändern.

In jedem Fall nähern sich die Geschäftsmodelle einander an: Der Onlineoptiker Brille24 wurde Anfang des Jahres an den Optikkonzern Essilor-Luxottica verkauft, der vor allem mit stationären Optikern zusammenarbeitet. Und Mister-Spex-Geschäftsführer Mirko Caspar strebt an, künftig die Hälfte des Umsatzes in den Filialen zu machen. Das würde weiteres deutliches Wachstum bedeuten.

2018 steigerte Mister Spex den Umsatz um 18 Prozent auf 123 Millionen Euro. Das Unternehmen habe erstmals einen Gewinn geschrieben – vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen, sagte Caspar. Der Beweis, dass das Geschäftsmodell profitabel sein kann, ist für potenzielle Investoren wichtig.

Durch die Finanzierungsrunde sei das Geld für künftiges Wachstum zunächst vorhanden, sagte Gründer Graber. Ursprüngliche Pläne, Mister Spex rasch an einen großen Branchenspieler zu verkaufen oder an die Börse zu bringen, sind vom Tisch.

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Zusätzlich bekommt Graber durch das Investment Know-how für die Offline-Expansion: Hauptgeldgeber ist der 82-jährige Hamburger Immobilienunternehmer Albert Büll. „Angesichts unserer langjährigen Erfahrung im Bereich der gewerblichen Immobilien werden wir das Management bei der Expansion mit den eigenen Stores aktiv unterstützen“, teilte Büll mit. Sein Unternehmen B&L entwickelt Projekte wie den Kö-Bogen II in Düsseldorf, das Hafenpark-Quartier neben der EZB in Frankfurt oder das World Trade Center Dresden. Sein Family Office bekommt bei Mister Spex einen Platz im Beirat.

Größter Anteilseigner wird Büll mit seinen 14 Prozent nicht: Das ist Scottish Equity Partners mit 20 Prozent, darauf folgt Goldman Sachs mit 17 Prozent. Weitere Investoren wie Grazia Equity und Intershop-Gründer Stephan Schambach ziehen bei der Finanzierung mit. Einige Geldgeber aus der Anfangszeit seien allerdings ausgestiegen, sagte Graber. Sie erhalten rund zehn der 65 Millionen Euro.

Mit dem Geld will Graber zudem die Expansion nach Skandinavien beschleunigen. Mister Spex ist in zehn Ländern vertreten, in denen künftig auch Filialen denkbar sind.

Mehr: Mit den Filialen will Mister Spex auch der Optiker-Kette Fielmann Konkurrenz machen. Doch noch kann Fielmann sein Wachstum steigern.

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