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Partnerland Malaysia „Wir haben keine Homosexuellen“ – Tourismus-Messe ITB startet mit Eklat

Das Partnerland Malaysia steht wegen Diskriminierung von Juden und Homosexuellen in der Kritik. Zum Auftakt der ITB legt der Tourismusminister nach.
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Das Partnerland der ITB, das in Berlin mit Dutzenden bunt verkleideten Folkloristen wirbt, gerät wegen Diskriminierungen seit Monaten in die Schlagzeilen. Quelle: dpa
Tourismusminister Datuk Mohamaddin bin Ketapi auf der ITB

Das Partnerland der ITB, das in Berlin mit Dutzenden bunt verkleideten Folkloristen wirbt, gerät wegen Diskriminierungen seit Monaten in die Schlagzeilen.

(Foto: dpa)

BerlinDie weltgrößte Tourismusmesse ITB ist in Berlin mit einem Eklat gestartet. Ob es für Juden und Homosexuelle sicher sei, in das diesjährige Partnerland Malaysia zu reisen, wollten Journalisten zur Eröffnung von dessen Tourismusminister wissen.

Doch seine Exzellenz Datuk Mohammaddin bin Ketapi, der zuvor minutenlang über die Schönheit und Willkommenskultur seines Landes geschwärmt hatte, machte dicht. Für derartige Fragen sei er nicht nach Berlin gereist, zeigte sich der ITB-Sponsor beleidigt. „Dazu sage ich nichts.“

Doch es kam noch schlimmer. Als Pressevertreter nachhakten, verspielte der malaysische Regierungsvertreter die restliche Sympathie für sein Heimatland, das in diesem Jahr wohl Millionenbeträge für die exklusive ITB-Werbung ausgeben dürfte. „Wir haben keine Homosexuellen“, sagte der Minister für Tourismus, Kunst und Kultur.

Das südostasiatische Reiseland, das in Berlin mit Dutzenden bunt verkleideten Folkloristen wirbt, gerät wegen solcher Diskriminierungen seit Monaten in die Schlagzeilen. Erst Mitte Januar weigerte sich Malaysias Premier Mahathir Mohamad, israelische Sportler ins Land zu lassen.

Juden beschimpfte der 93-jährige Staatschef als „hakennasig“ und attestierte ihnen einen „instinktiven Sinn für Geld“. Mahathir, der seit langem durch Verschwörungstheorien über das „Weltjudentum“ auffällt, ließ sogar Stephen Spielbergs Holocaust-Drama „Schindlers Liste“ im Land verbieten.

Nicht besser sieht es mit der Akzeptanz von Homosexuellen in Malaysia aus. 2018 verurteilte dort ein Scharia-Gericht zwei lesbische Frauen zu Peitschenhieben. Zudem drohen Homosexuellen Haftstrafen bis zu 20 Jahren.

Die regierungsseitig verordnete Homophobie geht so weit, dass die führende Tageszeitung „Sinar Harian“ im vergangenen Jahr eine Liste veröffentlichte, mit deren Hilfe Bürger Schwule und Lesben erkennen sollen. Homosexuelle Männer, so die Zeitung, gingen häufiger als andere in Fitness-Studios, trügen meist eng anliegende Markenkleidung und seien an gepflegten Bärten zu erkennen.

Berlins Messechef Christian Göke bemühte sich nach den Ausführungen seines ITB-Sponsors um Schadensbegrenzung. „Wir schaffen mit der Messe Kommunikationsmöglichkeiten“, wehrte er sich gegen den Vorwurf, ein fragwürdiges Partnerland in die Bundeshauptstadt geholt zu haben. Doch auch Göke räumte ein: „Das bedeutet auch die Verpflichtung, sich solchen Fragen zu stellen.“

Konzerne spüren Zurückhaltung der Kunden

Ebenso herrscht in Deutschlands Tourismusindustrie, das wurde zu Messeeröffnung deutlich, derzeit nicht überall eitel Sonnenschein. Zwar gilt die Türkei mit einem Buchungsplus von 58 Prozent als Comeback-Destination des Jahres. Und auch Ägypten, Tunesien, Bulgarien und Marokko verzeichnen im derzeit laufenden Buchungsgeschäft Zuwächse. Unter dem Strich aber ist die Stimmung verhalten.

„Für den Sommer 2019 liegen wir aktuell zwei Prozent unter Vorjahr“, sagte Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV). Insbesondere Deutschlands Hauptreiseland Spanien leide unter einer schwachen Nachfrage.

Tourismuskonzerne wie Tui und Thomas Cook bekamen die Buchungszurückhaltung bereits schmerzhaft zu spüren. Im laufenden Jahr werde man wohl nur einen Ertrag auf Vorjahresniveau erzielen, räumt Tui-Chef Fritz Joussen vor wenigen Tagen ein. Geplant war zuvor ein Plus von zehn Prozent.

Verfolger Thomas Cook, der bereits 2018 rote Zahlen schrieb, denkt darüber hinaus über einen Verkauf seiner Airlines nach. Mit der überraschenden Maßnahme will er sich von den überbordenden Schulden befreien.

Aufgeben wollen die Touristiker das laufende Jahr aber noch nicht. „Es gibt zwar konjunkturelle Unwägbarkeiten“, sagte Michael Frenzel vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft, „dennoch rechnen wir auch 2019 mit einem Umsatzplus von 1,5 bis zwei Prozent.“

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