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Pflegebranche Familie Mulliez übernimmt Pflegeanbieter Dorea – Chef Axel Hölzer bleibt an Bord

Der Manager hat das Unternehmen auf einen Expansionskurs gelenkt. Hölzer soll den auch unter Führung der französischen Unternehmerfamilie fortsetzen.
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Für Hölzer ist mit dem Exit von Quadriga Capital bei Dorea nicht Schluss. Quelle: Hocke+Partner KommunikationZukunft
Dorea-Chef Axel Hölzer

Für Hölzer ist mit dem Exit von Quadriga Capital bei Dorea nicht Schluss.

(Foto: Hocke+Partner KommunikationZukunft)

FrankfurtVon null unter die Top 15 hat es Axel Hölzer mit Dorea in weniger als drei Jahren geschafft. Ausgestattet mit der Kapitalkraft von Haupteigner Quadriga Capital und seinem Know-how aus mehr als zwei Jahrzehnten im Management von Seniorenheimbetreibern, wurde ein neuer Pflegeanbieter in Deutschland aufgebaut.

Der Betriebswirt, der viele Jahre die Marseille-Kliniken AG und später den Wettbewerber Cura führte, kaufte gemeinsam mit Mehrheitsgesellschafter Quadriga Capital seit 2015 insgesamt 58 Einrichtungen und sieben ambulante Pflegedienste zusammen. Eine Wachstumsgeschichte, die unlängst die französische Unternehmerfamilie Mulliez angezogen hat.

Der verschwiegene multimilliardenschwere Clan, zu dem unter anderem die Supermarktkette Auchan und der Sportfilialist Decathlon gehören, ist über seine Investmentfirma auch in der Pflegebranche aktiv und betreibt mit Group Maisons de Famille insgesamt 84 Einrichtungen in Frankreich, Italien und Spanien. Kommt die Zustimmung der Kartellbehörden, wird Deutschland die vierte und größte Landesgesellschaft.

Für Hölzer ist mit dem Exit von Quadriga Capital bei Dorea nicht Schluss, auch unter dem neuen Eigner wird der Manager mit einem Minderheitsanteil weiter an Dorea beteiligt sein. Denn die Chemie stimmt zwischen den beiden Parteien, oder wie es Quadriga-Capital-Partner Alexander Friedrich in den Verkaufsverhandlungen beobachtet hat: Die äußerst vertrauensvollen Gespräche hätten gezeigt, dass beide Unternehmen „die gleichen fürsorglichen Wertmaßstäbe“ anlegen.

Dass Hölzer die französischen Gepflogenheiten gut kennt, weil er mit einer Französin verheiratet ist, dürfte bei der Zusammenarbeit mit den neuen Besitzern hilfreich sein. Das Pflegeunternehmen Group Maisons de Famille will qualitativ hochwertige Dienstleistungen erbringen und sich nach den Worten seines Vorstandsvorsitzenden Philippe Tapié zu „einem Vorbild in der Pflegebranche entwickeln“.

Das passt zu den Ambitionen von Axel Hölzer, der mit Dorea an den Standorten jeweils „regionaler Pflegechampion“ werden will. Auch den Anspruch, eine familiäre Atmosphäre zu bieten, verbindet Minderheitsgesellschafter Hölzer mit dem neuen Mehrheitseigner. Der 55-Jährige spricht gern von der „Dorea-Familie“, die Bewohner, Mitarbeiter und auch die Angehörigen umfassen soll.

Viele der Häuser, die Dorea in den vergangenen Jahren erworben hat, waren Familienbetriebe, deren Besitzer eine Nachfolgelösung suchten. Die ersten Kick-off-Meetings mit den Führungskräften von Group Maisons de Famille sind gelaufen. Die Franzosen haben ihre Strategie vorgestellt: Sie wollen keinen einheitlichen europäischen Pflegekonzern aufbauen, sondern die Einrichtungen in ihrem spezifischen Länderauftritt belassen.

Personal als knappste Ressource

„Pflege ist ein regionales Geschäft, Service und Betreuung lassen sich am besten dezentral organisieren“, sagt auch Hölzer. Das ergibt Sinn, denn die Gepflogenheiten sind unterschiedlich: So dominieren in Spanien beispielsweise Zweibettzimmer, die in Deutschland verpönt sind. Was den Manager stört, ist, dass speziell in Deutschland viele Gesetze und Regelungen die Branche vor immer neue Herausforderungen stellen.

„Da wünsche ich mir mehr Pragmatismus“, sagt er. So schreiben etwa Landesgesetze in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg Quoten für Einbettzimmer vor. Und Hölzer fragt: „Wo bleiben bei einer Einbettzimmerquote von 100 Prozent, wie in Nordrhein-Westfalen gefordert, denn die Angebote für die Ehepaare, die zusammenleben wollen?“ Die Politik erzwinge faktisch die Beschleunigung der Konsolidierung.

„Die Anbieter müssen wegen der wirtschaftlichen Zwänge größere Einheiten bilden.“ Mehr Qualität in der Pflege zu erreichen, das heißt für Hölzer vor allem mehr Personal. Und da diese Ressource in der Branche bekanntermaßen sehr knapp ist, hat sich der Manager einiges einfallen lassen, um Personal anzuziehen – eine flexiblere Dienstplanung etwa, zusätzliche Urlaubstage und ein steigendes Fixgehalt für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit.

Außerdem werden die Führungskräfte jeder Einrichtung gezielt zu einem wertschätzenden und motivierenden Umgang mit den Mitarbeitern geschult. „Wir brauchen gut motivierte Bestandsmitarbeiter. Pflegefachkräfte verlassen ein Unternehmen in der Regel nicht, weil sie den Beruf an sich nicht mehr ausüben wollen, sondern weil sie sich von ihrem Chef nicht gut geführt fühlen und die Arbeitszeiten nicht mit dem Privatleben vereinbar sind“, weiß der Manager.

Gerade hat Dorea eine Art internes Facebook gestartet, in dem die Mitarbeiter sich austauschen können und auch Dienstplanänderungen online angezeigt werden. Doch trotz aller Maßnahmen kann auch Dorea nicht immer alle Pflegeplätze belegen, weil Personal fehlt.

Jährlich 1.500 Betten geplant

Für die nächsten Jahre hat sich Hölzer vorgenommen, durch Zukäufe weiterhin um 1.500 bis 1.600 Betten pro Jahr zu wachsen und auch im ambulanten Bereich um jährlich 600 bis 800 neue Patienten zuzulegen. Ziel ist es, an den Standorten ein integriertes Angebot vorzuhalten, von der ambulanten Versorgung über die stationäre Pflege bis hin zu Spezialdiensten und Intensivpflege etwa von Demenzerkrankten oder solchen Patienten, die beatmet werden müssen.

Mit einem Umsatz von 200 Millionen Euro und mittlerweile 4.100 Mitarbeitern dürfte sich Dorea am Ende dieses Jahres einen Platz unter den Top-Ten-Anbietern der rund 30 Milliarden schweren, aber sehr zersplitterten Branche gesichert haben. Allerdings kostet der Wachstumskurs Geld.

Laut Hartmut Schmidt, Inhaber des Beratungsunternehmens HPS Research, wird der neue Dorea-Eigentümer zusätzliche Mittel für Investitionen in die Häuser und die Finanzierung der Zukäufe bereitstellen müssen. „Die Kaufpreise für die übernommenen Einrichtungen dürften vermutlich hoch gewesen sein“, sagt Schmidt.

Die zuletzt veröffentlichten Zahlen aus dem Geschäftsjahr 2016 zeigen laut Schmidt zwar einen deutlichen Margenanstieg, aber eben auch hohe Abschreibungen auf Firmenwerte und Kundenstämme. Das sei aber auch nur eine Momentaufnahme, denn seit Ende 2016 hat sich die Zahl der Betten bei Dorea mehr als verdoppelt. Mit der Mulliez-Familie hat Dorea immerhin einen potenten Investor im Hintergrund.

Das Vermögen des Clans wird auf 40 Milliarden Euro geschätzt. Hölzer erwartet, dass er die Dorea-Philosophie auch in der viel größeren Organisation von Group Maisons de Famille weiterentwickeln kann. Eine erste Idee, die er von den Franzosen übernehmen möchte, hatte er schnell gefunden: „Die Bar im Pflegeheim, an der die Bewohner sich abends treffen und ein Glas Tee, Sekt oder Bier trinken können, wäre ein echte Bereicherung auch für unsere Häuser“, sagt er.

Familienfeeling ist angesagt, bloß keine Krankenhausatmosphäre.

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