Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Samed Qoshja

Der Krankenpfleger füllt am Charité-Campus Benjamin Franklin Unterlagen aus.

(Foto: dpa)

Pfleger dringend gesucht Wie Kliniken ausländische Kräfte umwerben

Pflegeberufe sind für junge Deutsche unattraktiv. Tausende Fachkräfte fehlen bundesweit. Können ausländische Kollegen die Lücke füllen?
Kommentieren

BerlinSein Arbeitgeber hatte vorgesorgt: Als Samed Qoshja im Januar 2017 in Berlin ankam, wurde er am Flughafen abgeholt, ein bezahlbares Appartement war bezugsbereit. Der damals 23-Jährige musste nur noch den Mietvertrag unterschreiben und hatte wenig später den ersten Arbeitstag. Für Behördengänge und weitere Fragen bekam er Helfer.

Dabei ist Qoshja kein hoch bezahlter Manager - es sind Pflegekräfte, denen die Charité in Berlin solche Starthilfe gibt. Qoshja war einer der ersten von inzwischen Dutzenden, die Europas größte Universitätsklinik gezielt in Albanien angeworben hat. In dem früher kommunistischen Land gibt es etwas, wovon Deutschland derzeit nur träumen kann: Pfleger-Überschuss.

Qoshja sagt, er habe den Wechsel nach Berlin früh in seinem Berufsleben als Herausforderung gesehen. „Ich wollte gucken, wie das ist. Ich bin noch jung.“ Zehn Monate lernte er intensiv Deutsch, bevor es losging, auch eine Fachprüfung stand an. Heute anwerben, morgen pflegen - ganz so leicht ist es jedoch nicht.

Der albanische Krankenpfleger bereitet in der Neurochirurgie der Charité eine Infusion vor. Quelle: dpa
Samed Qoshja

Der albanische Krankenpfleger bereitet in der Neurochirurgie der Charité eine Infusion vor.

(Foto: dpa)

In der ersten Zeit seien zwei Welten aufeinandergeprallt, sagt Qoshjas Vorgesetzte auf der neurochirurgischen Station am Klinikum Benjamin-Franklin. Heute lässt der humorvolle Ton unter den Kollegen ihn wie ein Musterbeispiel für gelungene Integration wirken. Wer von den Hürden der Vergangenheit hört, ahnt, dass es anders hätte kommen können.

Die Uni-Klinik mit 4500 Pflegekräften begann 2016, im Ausland Verstärkung zu suchen - unter Zugzwang. Die Gewerkschaft Verdi hatte die Charité mit einen Tarifvertrag zur Einstellung zusätzlicher Pfleger gedrängt. „Ganz sicher war die Anpassung des Personals an den Bedarf und weniger ans Budget nochmal treibende Kraft dahinter, dass wir in die Akquise gegangen sind“, sagt Pflegedirektorin Judith Heepe. Das Thema treibe aber viele Kliniken schon länger um. Alle haben Probleme, vakante Stellen nachzubesetzen.

Auf 100 offene Fachkraft-Stellen kommen in Berlin 81 arbeitslose Pfleger, im Bundesschnitt sieht es noch düsterer aus. Laut Verdi ist die Hauptstadt 3000 Pflegestellen von „gesunden Krankenhäusern“ entfernt. Obwohl die Charité auch die Bemühungen um Nachwuchs verstärkt, etwa mit einem Pflege-Studiengang ab 2020, und mehr für Bestandsbeschäftigte tun will, war klar, dass sich der akute Bedarf nicht aus eigener Kraft decken lässt.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Pflegekräfte aus Albanien und Mexiko
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Pfleger dringend gesucht - Wie Kliniken ausländische Kräfte umwerben

0 Kommentare zu "Pfleger dringend gesucht: Wie Kliniken ausländische Kräfte umwerben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.