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Privatwohnungsvermittler Exklusive Zahlen: So viele Wohnungen werden über Airbnb in deutschen Großstädten vermietet

Der Konzern wehrt sich gegen Vorwurf, die Wohnungsnot in deutschen Städten zu verschärfen – und kontert mit einer wissenschaftlichen Studie zum hiesigen Vermietungsgeschäft.
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In der Hauptstadt gibt es 2.600 Wohnungen, die mehr als 137 Tage im Jahr über Airbnb vermietet werden. Quelle: EyeEm/Getty Images
Berlin

In der Hauptstadt gibt es 2.600 Wohnungen, die mehr als 137 Tage im Jahr über Airbnb vermietet werden.

(Foto: EyeEm/Getty Images)

Düsseldorf Bislang waren diese Zahlen ein streng gehütetes Geschäftsgeheimnis. Doch inmitten der hitzig geführten Debatte über die Zweckentfremdung von Wohnraum in Großstädten geht der US-Wohnungsvermittler Airbnb in die Offensive. Erstmals gewährt das Unternehmen einen Blick in die Daten seines Vermietungsgeschäfts – und zwar für die Großstädte Berlin, Hamburg, München und Dortmund.

Erfasst hat die Daten das Berliner Wirtschafts- und Sozialforschungsinstitut Empirica. Die von Airbnb in Auftrag gegebene Studie liegt dem Handelsblatt exklusiv vor. Darin sind unter anderem auch Angaben zum Anteil der Vermieter, die aus der Überlassung augenscheinlich ein professionelles Geschäft machen.

Laut Erhebung gibt es in Berlin 2600 Komplettwohnungen, die mehr als 137 Tage über Airbnb vermietet werden und damit als Renditeobjekt eingestuft werden können.

Diese „Zweckentfremdung“, heißt es bei Empirica, entspreche 2,3 Prozent der 114.799 Wohneinheiten, die zwischen 2007 und 2017 in der Hauptstadt zu wenig gebaut wurden. In München trägt Airbnb demnach 2,1 Prozent zum Mangel bei, in Hamburg 4,4 Prozent.

Bislang beruhte die öffentliche Debatte lediglich auf Schätzungen und Vermutungen über das Vermittlungsgeschäft der Wohnungsbörse aus San Francisco. Das 2008 von Brian Chesky, Joe Gebbia und Nathan Blecharczyk gegründete Start-up, das 2010 seine erste Auslandsniederlassung in Hamburg eröffnete, publizierte aus dem deutschen Anbieterkreis bislang nur eine schlichte Gesamtzahl. Danach standen Kurzzeit-Mietern hierzulande Anfang 2019 rund 160.000 Unterkünfte auf der Plattform zur Verfügung.

Darüber, was das für die Metropolen bedeutet, schlägt der Streit mancherorts hohe Wellen – obwohl verlässliche Zahlen bislang fehlten. In Städten wie Berlin, München und Hamburg werfen Lokalpolitiker dem mit 31 Milliarden Dollar bewerteten Start-up vor, den Wohnraum der eigenen Bevölkerung durch die online gehandelte Kurzvermietung massiv zu verknappen. Verwaltungen kontern deshalb zunehmend mit strengen Verordnungen, um die übermäßige Umwandlung von Wohnraum in Touristenunterkünfte zu unterbinden.

Airbnb-Hochburg Berlin

Metropolen wie Berlin und Hamburg beispielsweise bestimmten, dass sämtliche Unterkünfte registriert sein müssen und Vermietungen ganzer Wohnungen ab dem ersten Tag genehmigungspflichtig sind. Mit solchen Maßnahmen schaffte es der Berliner Senat nach eigenen Angaben, seit 2014 rund 9500 Home-Sharing-Unterkünfte dem allgemeinen Wohnungsmarkt wieder zuzuführen, etwa 4500 davon seien Ferienwohnungen gewesen.

Bei Verstößen drohen Berlin oder Hamburg mit Bußgeldern bis zu einer halben Million Euro. Bis zum 31. März 2019 flossen dadurch Mehreinnahmen von exakt 4.539.840 Euro in die klamme Hauptstadtkasse.

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Sie könnte sich weiter füllen. Denn nach eigenen Angaben ist die Zahl der Airbnb-Unterkünfte sogar noch größer, als es die veröffentlichten Schätzungen behaupteten. Nach eigener Auskunft vermittelt Airbnb in Berlin derzeit 13.045 komplette Wohnungen, in Hamburg sind es 5883, München kommt auf 6016 und Dortmund auf 185. Hinzu kommen in den jeweiligen Städten etwa noch einmal genauso viele Gästezimmer mit Couch.

Angesichts von deutschlandweit gerade einmal 26.000 Sozialwohnungen, die 2017 fertiggestellt wurden, erscheinen die Zahlen beachtlich. Doch nach den Berechnungen von Empirica werden längst nicht alle Airbnb-Wohnungen als gewerbliche Einnahmequelle genutzt – und damit dem regulären Wohnungsmarkt entzogen.

Ab 137 Airbnb-Tagen locken Gewinne

Laut den Daten, die Empirica aus der Konzernzentrale in San Francisco erhielt, gehen 55 Prozent (Berlin) bis 64 Prozent (München) der Komplettwohnungen weniger als 30 Tage pro Jahr in die Vermietung. Nur elf Prozent der Berliner Airbnb-Wohnungen waren zuletzt mehr als ein halbes Jahr an Fremde vergeben, was einer Zahl von 1668 Einheiten entspricht. In Hamburg und München berichtet Airbnb von jeweils nur 357.

Wirtschaftlich lohnend, so errechnete Empirica, seien Wohnungs-Untervermietungen in der Hauptstadt allerdings schon früher. Da die durchschnittliche Miete einer Airbnb-Wohnung bei 83 Euro liege, fand das auf Städtebau spezialisierte Institut heraus, sei das Geschäft ab 137 Airbnb-Vermietungstagen pro Jahr finanziell interessant.

Diesen „rentablen Schwellenwert“ erreichten zuletzt 2600 der Airbnb-Anbieter in Berlin, wie die Datenanalyse ergab. Für Hamburg schätzt Empirica den Wert auf 700 bis 750 Wohneinheiten, Bayerns Hauptstadt München, wo vor allem das Oktoberfest stets für einen kurzzeitigen Anstieg der Airbnb-Vermietungen sorgt, kommt demnach auf 550 bis 600 professionell untervermietete Komplettwohnungen. Dabei dürfte der reine Home-Sharing-Anteil sogar noch geringer sein, denn auch manche Boutique-Hotels und Longstay-Hotels annoncieren ihre Angebote auf Airbnb.

Wie sich der Markteintritt von Airbnb auf die Mietentwicklung ausgewirkt hat
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