Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Prüfkonzern Dammbruch in Brasilien: Tüv-Süd-Chef Axel Stepken schaltet in den Krisenmodus

In das verheerende Unglück in Südamerika ist auch der deutsche Prüfkonzern verwickelt. Für den Tüv und seinen Chef geht es um die Reputation.
Kommentieren
Der Ingenieur leitet seit 2007 den Tüv Süd. Quelle: imago/argum
Axel Stepken

Der Ingenieur leitet seit 2007 den Tüv Süd.

(Foto: imago/argum)

Salvador, MünchenEs ist der Albtraum jedes Prüfingenieurs. Ein entgleister Zug, ein explodierter Kessel oder eben ein gebrochener Damm, den das eigene Unternehmen noch vor wenigen Monaten für sicher befunden hat. Und genau diesen Albtraum durchlebt jetzt der Tüv Süd und sein Vorstandschef Axel Stepken.

Der verheerende Dammbruch im fernen Brasilien mit bislang 58 Toten und 300 Vermissten ist auch für den deutschen Prüfkonzern, wenn auch auf ganz anderer Ebene, ein Unglücksfall. Denn die Münchener haben das Bauwerk des Bergbaukonzerns Vale gleich zweimal im vergangenen Jahr überprüft.

Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Routinekontrolle vom 18. Juni gab es eine weitere Sicherheitsüberprüfung am 26. September. Aufgrund der laufenden Ermittlungen könne man keine weiteren Auskünfte geben, erklärte der Tüv Süd am Montag auf Anfrage. „Wir werden die Ermittlungen vollumfänglich unterstützen und den Ermittlungsbehörden alle benötigten Unterlagen zur Verfügung stellen.“

Damit ist klar: Stepken hat die Zentrale von Deutschlands größtem Prüfkonzern auf Krisenmodus geschaltet. Der sonst so versierte und eloquente Vordenker in Sachen Digitalisierung und Datensicherheit weiß, dass jetzt jedes Wort in der Öffentlichkeit eines zu viel sein kann.

Sollte das Unternehmen eine Mitschuld an der Katastrophe treffen, dann drohen dem Tüv Süd nicht nur horrende Schadensersatzforderungen. Auch die Reputation der Marke Tüv steht auf dem Spiel.

Tatsächlich ist das Vertrauen in die Institution Tüv Stepkens wichtigstes Kapital. Das hat der gebürtige Essener genutzt, als er 2007 den Prüfkonzern mit seinen heute 24.000 Beschäftigten im Münchener Westend übernommen hat.

Damals lockerte die EU die letzten Gebiets- und Branchenmonopole im milliardenschweren Prüfgeschäft, und die honorigen, aber bisweilen behäbigen Tüv-Gesellschaften mit ihren undurchsichtigen Eigentümerstrukturen sahen sich neuem Wettbewerb ausgesetzt.

Diversifikation und Globalisierung lautete Stepkens Antwort: Der Tüv prüft weltweit die Sicherheit von Achterberbahnen, zertifiziert Chemiefabriken und überprüft die Hygiene von Großküchen und Krankenhäusern.

Das Tüv-Siegel ist mittlerweile auch eine Marke, mit der sich trefflich Geschäfte machen lässt. Mit der Expansion in neue Branchen und Weltregionen hat Stepken den Umsatz des Tüv Süd in seiner Amtszeit auf 2,4 Milliarden Euro verdoppelt.

Bei einigen Geschäften verlor Stepken bisweilen den Überblick. 2011 nutzten die Anlegerbetrüger von S&K ein vom Tüv Süd erstelltes Audit und warben mit dem blauen Siegel Kundengelder ein. Nachdem der Skandal aufflog, kündigte Stepken an, keine Finanzprodukte mehr zu zertifizieren.

Umso dramatischer ist die Katastrophe in Brasilien. Statik, Bausicherheit und Risikoabschätzung sind eigentlich Königsdisziplinen der deutschen Prüferzunft, kein Nebengeschäft. Und genau da steht nun der Vorwurf der Schlamperei im Raum.

Fabio Schvartsman, Präsident des Bergbaukonzerns Vale, machte gleich nach dem Unglück am Freitagnachmittag die deutschen Prüfer verantwortlich. Der Staudamm sei doch erst im September vom Tüv Süd als stabil und sicher befunden worden.

Noch im Dezember wurde über die Verlängerung der Betriebslizenz und eine Ausweitung des Abbaus zwischen den Behörden heftig diskutiert. Dabei habe der Vertreter der Umweltbehörde Ibama gegen die Betriebslizenz gestimmt. Im Protokoll der Sitzung ist dokumentiert, dass er vor dem hohen Risiko eines erneuten Dammbruchs und einer Kettenreaktion warnte – genauso wie sie jetzt stattgefunden hat.

Noch ist völlig offen, inwieweit die deutschen Prüfer eine Mitschuld an der Katastrophe haben. Stepken braucht nun Fakten und juristischen Rat. Am Ende könnte aber die Einsicht stehen, dass sich der Tüv Süd in Brasilien übernommen hat. Bis dahin ist nur eines klar: Stepken und seine Prüfer stehen selbst auf dem Prüfstand.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Prüfkonzern - Dammbruch in Brasilien: Tüv-Süd-Chef Axel Stepken schaltet in den Krisenmodus

0 Kommentare zu "Prüfkonzern: Dammbruch in Brasilien: Tüv-Süd-Chef Axel Stepken schaltet in den Krisenmodus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%