PwC, EY, KPMG, Deloitte Wirtschaftsprüfer feiern ein Rekordjahr – doch ein Wandel steht bevor

Der Boom der deutschen Industrie beschert Prüfungsunternehmen ein Rekordjahr. Doch der Branche steht ein Wandel bevor, bei dem nicht alle Anbieter mithalten werden.
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Die Prüfungsgesellschaft gehört zu den Big Four, die 2017 ein Rekordjahr hingelegt haben. Quelle: Reuters
PWC

Die Prüfungsgesellschaft gehört zu den Big Four, die 2017 ein Rekordjahr hingelegt haben.

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DüsseldorfFür die deutschen Wirtschaftsprüfer war 2017 ein Rekordjahr: Der Branchenumsatz stieg um 7,4 Prozent auf rund 14,5 Milliarden Euro. Dabei haben sich die Gewichte weiter zu den großen Anbietern verschoben.

Auf die vier führenden Anbieter PWC, EY, KPMG und Deloitte entfiel im vergangenen Jahr ein Marktanteil von 48 Prozent, nach 46 Prozent im Vorjahr. Das zeigt eine am Montag vorgestellte Studie der Marktforschungsgesellschaft Lünendonk.

Die Big Four eilen mit Siebenmeilenstiefeln voran“, sagte Jörg Hossenfelder, geschäftsführender Gesellschafter von Lünendonk. So erzielten Deloitte und EY zweistellige Zuwächse. Aber auch die direkten Verfolger legten zu: BDO, Rödl, Ebner Stolz, Baker Tilly, Mazars und Warth & Klein Grant Thornton kamen auf ein Wachstum zwischen fünf und neun Prozent.

Die großen Anbieter profitierten vor allem vom Ausbau ihres Beratungsgeschäfts: Sie stärken ihre Divisionen für die klassische Managementberatung und setzen auf prüfungsnahe Dienste für ihre Kunden, wie etwa Systeme zur Risikosteuerung und zur besseren Compliance.

Die „Big Four“ profitierten unter anderem von ihrer internationalen Präsenz. Das gilt für die Beratungsprojekte ebenso wie für die Bilanztestate, die auch wegen regulatorischer Vorgaben überall die gleiche Qualität haben müssen.

Prüfungsunternehmen, die nur lose in einem internationalen Netzwerk verbunden sind, kämen deswegen unter Druck, beobachtet Martin Plendl, Deutschlandchef von Deloitte. „Die Kunden verlangen nach internationalen Plattformen für die Abschlussprüfung und die Steuerberatung“, pflichtet Christoph Regierer, Geschäftsführender Partner von Mazars, bei.

Die mittelgroßen Anbieter versuchen mit einer prüfungsnahen Beratung und ihren Steuer- und Rechtsabteilungen dagegenzuhalten. In diesen beiden Segmenten wollen sie in den kommenden Jahren am stärksten investieren, ergab die Umfrage von Lünendonk. „Wir werden in diesen Segmenten weiter zukaufen“, sagt etwa Joachim Riese, Vorstandschef von Warth & Klein Grant Thornton.

Der Grund ist klar: Die Beratungsangebote legen bei den Prüfern deutlich schneller zu und sind lukrativer. In der klassischen Abschlussprüfung wachsen viele Anbieter nur im kleinen Stil oder gar nicht mehr – hier wird das Geschäft durch die gesetzliche vorgeschriebene Rotation bei den Kunden nur umverteilt.

Branchenwettbewerb wird härter

Aber egal ob groß oder klein – der Branche steht ein tiefgreifender Wandel bevor. Die Digitalisierung verändert die Gesetzmäßigkeiten bei den Wirtschaftsprüfern. Sie sitzen auf einer Fülle von Daten, die sie für neue Dienstleistungen aufbereiten wollen.

Auch die Abschlussprüfung selbst verändert sich rasant: Roboter übernehmen beispielsweise einfache Aufgaben. Wo bisher nur per Stichprobe geprüft wurde, ist dank neuer IT eine Vollprüfung möglich.

Sowohl die Digitalisierung als auch die Internationalität des Geschäfts verlangen den Prüfungsunternehmen allerdings hohe Investitionen ab – und das werden nach Meinung vieler Manager aus der Branche nicht alle Anbieter stemmen können. „Unser Wachstum kommt auch durch die Umverteilung von kleineren zu den größeren Anbietern“, sagt Martin Wambach, Geschäftsführender Partner von Rödl & Partner.

Marktforscher Lünendonk geht davon aus, dass sich die Branche in den nächsten Jahren weiter konzentrieren wird. Für 2018 erwarten die 25 größten Prüfer in Deutschland ein Wachstum von durchschnittlich fast zehn Prozent, in den Jahren danach werde sich die Dynamik etwas abschwächen, heißt es in der Studie.

Entscheidend im Wettbewerb ist für alle Anbieter, ob sie genügend hochqualifizierten Nachwuchs finden und halten können. Dabei verändert sich das Berufsbild: Der klassische Wirtschaftsprüfer wird mehr und mehr zum Projektmanager, der ein Team von Spezialisten aus IT und Prüfung führen muss und der sich auf Datenanalyse versteht.

„Wir brauchen Mitarbeiter, die das große Ganze in der Wirtschaftsprüfung sehen und beherrschen“, sagt Andrea Bruckner, Vorstandsmitglied von BDO. Die aber müssen sich die Prüfer mit intensiver Weiterbildung selbst heranzüchten – ebenfalls ein teures und unsicheres Unterfangen: Denn viele der hochqualifizierten Mitarbeiter werden nach ein paar Jahren bei den Prüfungsunternehmen von der Industrie abgeworben.

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