Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Raumpflege Helpling im Test: Saubere Wohnung, schmutziger Preis

Fast drei Millionen Haushalte in Deutschland beschäftigen Putzhilfen schwarz. Das Unternehmen Helpling bietet eine Alternative per App. Unser Autor hat das Geschäftsmodell gecheckt.
  • Wilhelm Pischke
16.07.2019 - 11:46 Uhr Kommentieren
Reinigungskraft von Helpling
Reinigungskraft von Helpling

Bis auf eine kleine Handtasche hat sie nichts bei sich. (Symbolfoto: Imago)

Dieser Artikel ist am 16. Juli 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Pünktlich um 8 Uhr morgens klingelt es an der Tür. Ich mache auf und bin gespannt auf die Fremde, die sich heute für mindestens zweieinhalb Stunden in meiner Wohnung aufhalten wird. Selin (Name geändert) quält sich die Treppen bis in den 5. Stock hinauf. Sie ist 51 Jahre alt und soll heute bei mir putzen.

Helpling im Test: Meine Erfahrungen mit der Putzfrau vom Online-Vermittler

Bis auf eine kleine Handtasche hat sie nichts bei sich. Womit sie denn heute putzen wolle, frage ich. „Na, Sie haben doch hoffentlich Putzzeug in ihrer Wohnung“, entgegnet sie fast schon vorwurfsvoll. Glücklicherweise findet sich in der Abstellkammer ein ganzes Arsenal an Lappen, Reinigungsmittel und Kalklösern. Ich erkläre Selin, was sie alles saubermachen soll. Dann läuft die Zeit. Die Putzfrau beginnt mit unserer WG-Küche. Ich ziehe mich auf mein Zimmer zurück. Welch ein Luxus!

Selin ist heute bei mir, weil ich das Angebot eines Online-Vermittlers teste: Helpling. Das Geschäftsmodell ist relativ simpel. Über die Webseite oder die App kannst du nach Putzkräften in deiner Nähe suchen und einen Termin ausmachen. Helpling stellt den Kontakt zwischen dir und der Putzhilfe her. Findet der Termin wie geplant statt, bekommt das Unternehmen einen Teil des Preises als Vermittlungsgebühr.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Gegründet wurde Helpling 2014 von Rocket Internet. Das ist ein großes Unternehmen, das Firmengründern Geld gibt und dafür einen Teil der Firma haben will. Rocket Internet hofft, dass aus dem Start-up ein erfolgreiches Unternehmen wird. Wenn das gelingt, steigt der Wert der Firmenanteile und Rocket Internet macht Gewinn.

    Das Geschäft von Helpling ist für Rocket Internet vielversprechend. Denn viele Haushalte wollen eine Putzhilfe. Die meisten beschäftigen aber Leute, die nirgendwo angemeldet sind. Diese Schwarzarbeit ist verboten und kann bestraft werden. Wer Reinigungskräfte nicht beim Finanzamt anmeldet, dem drohen Bußgelder bis zu 5000 Euro.

    Fast 90 Prozent der Haushalte in Deutschland, die eine Hilfskraft beschäftigen, melden das nicht an. Das berichtet das Institut der deutschen Wirtschaft in einer Studie, die Mitte Juli erschienen ist. Geht man von rund 41 Millionen Haushalten insgesamt aus, beschäftigten im Jahr 2017 über 3,3 Millionen Haushalte gelegentlich oder regelmäßig eine Hilfe – und knapp 2,9 Millionen davon lassen schwarz putzen. Was die Studie außerdem verrät: Neun von zehn der angemeldeten Haushaltshilfen sind weiblich, 23 Prozent sind Ausländer. Und mehr als 60 Prozent der Hilfen sind über 50 Jahre alt. Somit ist meine Reinigungskraft Selin voll im Durchschnitt.

    Helpling-Geschäftsmodell: Putzhilfen ohne Schwarzarbeit

    Helpling will das Geschäft mit den Haushaltshilfen legal machen und damit Geld verdienen. Noch klappt das allerdings nicht. Seit der Gründung macht das Unternehmen Verlust, von einst 360 Mitarbeitern sind aktuell noch 150 übrig. Beobachter sagen, man müsse „schon sehr viel Fantasie haben“, um aus Helpling noch einen Erfolg machen zu wollen. Ich will verstehen, woran das liegt und mache den Test.

    Unsere Wohnung ist wie gemacht dafür. Die WG sieht nach dem Wochenende wie eine echte Putz-Herausforderung aus: Auf dem Herd haben sich Rückstände alter Mahlzeiten eingebrannt. Den Wasserhahn mit seinen Kalkflecken kriege ich im Leben nicht sauber und die Pfandflaschen stapeln sich bis unter die Decke.

    Die Anmeldung ist einfach. Ich gebe in der App meine E-Mail-Adresse und meinen Wohnort an, damit Helpling Putzkräfte in meiner Nähe finden kann. Der Vermittler schlägt mir zwölf Putzkräfte vor, die in einer niedlichen Aufmachung als kleine Avatare auf meinem Bildschirm erscheinen. Zu sehen sind neben dem Namen der Preis pro Stunde, die Zahl der bisher ausgeführten Reinigungen und die Bewertung vorheriger Kunden.

    Der Preis pro Stunde variiert zwischen 16,30 Euro und 23,50 Euro. Seit einiger Zeit können die Putzkräfte ihre Preise selbst setzen. Vorher gab es Vorwürfe, Helpling würde seine Putzkräfte schlecht bezahlen. Ich vergleiche die Preise mit anderen Anbietern: Bei Ebay-Kleinanzeigen bewegen sich die meisten Putzangebote zwischen zehn und zwölf Euro. Helpling-Konkurrent „Happy Maids“ nimmt 29 Euro pro Stunde. Gewerbliche Anbieter liegen bei etwa 35 Euro.

    Helpling-Preis: einmalige Reinigung vs wöchentliche Reinigung

    Bei Helpling unterscheidet sich der Preis je nachdem, ob man eine einmalige Reinigung oder eine wöchentliche Reinigung wünscht. Für die einmalige Reinigung berechnet das Start-up einen Aufschlag. Ich frage bei der Pressestelle nach, wie hoch der Aufschlag ist. Antwort:

    „Bei einer einmaligen Reinigung liegt die Provision bei 32 Prozent des Stundenpreises, bei einer regelmäßigen Reinigung bei 25 Prozent.“

    Mir erscheint das extrem hoch für eine Servicegebühr. Zum Vergleich: Bringdienst-Vermittler wie Lieferando oder Foodora nehmen bis zu 15 Prozent Provision von den Restaurants.

    Helpling erklärt auf Nachfrage, die Provision werde „für die Haftpflichtversicherung, für den Betrieb und die Weiterentwicklung der Internetplattform, für den Kundenservice sowie für das Marketing zur Gewinnung neuer Kunden eingesetzt.“ Im Klartext: Das Unternehmen sichert sich und die Putzkraft gegen Schäden bei der Reinigung ab. Der Rest geht an Helpling.

    Als nächstes muss ich mich für eine Putzkraft entscheiden. Von den zwölf angezeigten Reinigungshilfen haben einige noch keine Bewertung. Die meisten weisen gute Bewertungen mit mindestens 4 von 5 Sternen auf. Etwas misstrauisch bin ich schon und wähle daher eine Anbieterin, die bereits viele Aufträge angenommen und eine gute Bewertung hat.

    Helpling kündigen: „Es war schwierig, aus einem längeren Vertrag herauszukommen.“

    Schließlich will ich nicht erleben, was zahlreiche Kunden auf der Facebook-Seite von Helpling berichten: Putzkräfte sagen kurzfristig ab und sie putzen nicht gründlich. Lisa (Name geändert) weiß, woran das liegen kann. Sie hat vor einiger Zeit bei Helpling gearbeitet:

    „Die Prüfung der Putzkräfte ist nicht so gründlich, wie Helpling vorgibt. Außerdem hatte ich viel mit Leuten zu tun, bei denen nicht ordentlich geputzt wurde und die den Service betrügerisch fanden. Einige Aufträge wurden zum Beispiel immer weiter verlängert und es war schwierig, aus einem längeren Vertrag herauszukommen, auch wenn es berechtigte Gründe gab.“

    Auch dazu bitte ich die Pressestelle von Helpling um eine Stellungnahme. Schriftlich bekomme ich als Antwort:

    „Jede Reinigungskraft muss zu Beginn die Daten ihres Personalausweises hinterlegen. Im Anschluss führen wir einen kurzen Reinigungstest durch. Bei diesem können wir schnell und effektiv feststellen, ob jemand ausreichend Kenntnisse und Fähigkeiten im Reinigen besitzt.“

    Helpling räumt ein, dass viele Putzkräfte kurzfristig absagen. Durch „persönliche Umstände“ könne es immer wieder dazu kommen, dass sowohl die Putzkraft als auch der Kunde kurzfristig abspringen. In solchen Fällen biete der Vermittler Ersatztermine an.

    Das alles hat vor allem einen Grund: Die Putzkräfte sind selbstständig. Das heißt, sie sind nicht bei Helpling angestellt. So spart sich Helpling zum Beispiel Beiträge für die Sozialversicherungen. Nachteil für die Kunden: Die Putzkräfte können frei entscheiden, ob sie Aufträge annehmen und zu welchen Bedingungen – und sie können eben kurzfristig absagen.

    Helpling im Test: Eine Putzfrau zu beschäftigen, ist eine neue Erfahrung für mich

    Selin sagt nicht ab. Für mich ist es eine völlig neue Erfahrung. Bisher habe ich meine Wohnung immer selbst geputzt. Selin wirbelt durch die Wohnung. Sie wischt, schrubbt, verrückt Tische, schmeißt altes Obst weg und räumt sogar noch den Geschirrspüler aus. Nach zweieinhalb Stunden ruft sie mich in die Küche.

    Verschwitzt und offensichtlich außer Atem hat sie ganze Arbeit geleistet. Bad, Küche und Flur sehen aus wie gebohnert. Der Boden glänzt, der Spiegel sieht aus wie neu und die Wohnung riecht auch noch wie frisch geputzt. In einem solchen Zustand habe ich die Bude zuletzt beim Einzug erlebt. Ich bin sehr zufrieden – doch es wartet noch eine Überraschung.

    Ich bitte Selin um eine Rechnung. Sie weiß anscheinend selbst nicht, wie groß der Gesamtbetrag ist und schreibt mir daher ihren Verdienst auf: 32 Euro. Der Preis, den ich an Helpling zahle: 51,50 Euro. Das erstaunt mich. Das Start-up nimmt fast 20 Euro für die Vermittlung, das entspricht 38 Prozent. Auf Nachfrage erklärt Helpling den hohen Anteil damit, dass davon noch Steuern abzuführen sind.

    Helpling will sein Geschäft in den kommenden Jahren ausweiten. Möbelaufbau, Malerarbeiten und Entrümpelungen sind nur ein paar mögliche neue Angebote. Nach den Verlustjahren will das Unternehmen endlich Gewinn machen. Ob das im Jahr 2018 schon klappt? Bei dieser Frage bleibt die Pressestelle vage. Es wird wohl knapp werden.

    Für mich steht nach meinem Test fest: Die Idee, Putzkräfte auf legale Weise zu vermitteln und vor der Schwarzarbeit zu bewahren, ist gut. Das Problem ist aber: Schwarzarbeit lohnt sich für viele Putzkräfte finanziell mehr und wird selten entdeckt. So wird es für Helpling schwer, sich dauerhaft am Markt zu halten.

    Startseite
    0 Kommentare zu "Raumpflege: Helpling im Test: Saubere Wohnung, schmutziger Preis"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%