Reisebranche Neuseeland reagiert mit hohen Gebühren auf die Touristenflut

Das Traumland am Ende der Welt ist ein Opfer seines Erfolgs: Neuseeland verlangt von den Touristen immer höhere Gebühren.
Kommentieren
Millionen Besucher reisen jedes Jahr in das kleine Land. Quelle: Imago
Chinesische Touristen in Neuseeland

Millionen Besucher reisen jedes Jahr in das kleine Land.

(Foto: Imago)

WellingtonDie Tourismusindustrie in Neuseeland ist wenig begeistert: Nur Tage nach Bekanntgabe einer massiven Gebührenerhöhung für Wanderer erschreckte die Regierung am Freitag Neuseeland-Touristen mit Plänen für die Einführung einer Besuchergebühr. Internationale Gäste sollen bei Einreise bis zu 35 neuseeländischen Dollar, umgerechnet 21 Euro, zahlen.

Ein Reiseveranstalter in der Hauptstadt Wellington verglich die Steuer am Freitag mit dem „Schlachten der besten Milchkuh im Stall“. Tourismus ist neben der Milchindustrie das wichtigste Exportprodukt des Inselstaates. Der Sektor hat wesentlich zum guten Wirtschaftsverlauf beigetragen, den Neuseeland genießt.

Die Steuer, die gleichzeitig mit den Visagebühren erhoben wird, gilt für alle ausländischen Gäste, mit Ausnahme von Besuchern aus Australien und dem Pazifikraum. Tourismusminister Kelvin Davis wies am Freitag die Kritik zurück „Es ist nur fair, dass die Besucher einen kleinen Beitrag leisten, damit wir die Infrastruktur bauen können, die sie brauchen, und um die Natur schützen“.

Auch der Kontakt mit „100 Prozent Natur“, wie der seit Jahren erfolgreiche Werbespruch der neuseeländischen Tourismusbehörde lautet, soll künftig teurer werden. Wer Neuseeland mit Rucksack und Bergschuhen erwandern will, wird zur Kasse gebeten. Gäste aus Übersee, die über 18 Jahre alt sind und etwa den bekannten Milford Track abwandern wollen, müssen ab Oktober 140 neuseeländische Dollar (84 Euro) auf den Tisch legen– pro Nacht in einer Nationalpark-Hütte. Das ist doppelt so viel wie bisher – Camping ist nicht erlaubt.

Mit künftig 75 Dollar pro Nacht geradezu ein Schnäppchen ist der Abel-Tasman-Küstentrek im Norden der Insel, einer von insgesamt neun spektakulären Wanderungen im sogenannten „Great Walks“-Angebot der neuseeländischen Nationalparkbehörde DOC.

Die Gebührenerhöhung wird vorerst als Versuch durchgeführt, kontrolliert von Beamten, die an strategischen Punkten darauf achten, dass die Wanderer auch wirklich bezahlt haben. Schon alleine in den sieben Monaten, die der Versuch dauern wird, rechnet die Behörde mit zusätzlichen Einnahmen von 2,9 Millionen Dollar. Geld, das dringend gebraucht werde, sagt Umweltministerin Eugenie Sage. Der Unterhalt der Wanderwege und Hütten auf den neun Routen koste pro Jahr fast 3,8 Millionen Dollar.

Neuseeländische Staatsbürger sind von der Erhöhung nicht betroffen. Die im letzten Jahr gewählte Premierministerin Jacinda Ardern hatte bereits im September eine protektionistischere Politik angekündigt. Die Wirtschaft Neuseelands müsse wieder „vermehrt für Neuseeländer arbeiten“. So soll auch Ausländern der Kauf bestehender Immobilien verboten werden.

Auch in Neuseeland sind die Gäste nicht überall willkommen. Quelle: Urs Wälterlin
Wanderer in Neuseeland

Auch in Neuseeland sind die Gäste nicht überall willkommen.

(Foto: Urs Wälterlin)

Touristisch ist Neuseeland ist ein Opfer seines eigenen Erfolgs. 3,8 Millionen Besucher reisten im Jahr bis April in das Land, 30 Prozent mehr als 2015. Das ist eine kaum zu bewältigende Zahl in einem Land mit nur gerade 4,5 Millionen Einwohnern. Unter dem Phänomen „Overtourism“ leiden bereits andere beliebte Reiseziele wie Mallorca, Barcelona oder Thailand.

Auch in Neuseeland sind die Gäste nicht überall willkommen. Herden von sogenannten „wilden Campern“ – meist jungen Reisenden in alten Kleinbussen – verunreinigen mit Abfall und Fäkalien nicht nur inoffizielle Campingplätze am Straßenrand, sondern auch Privatland, auf dem sie ohne Bewilligung übernachten. Verschiedene Lokalbehörden haben Verbote oder strikte Vorschriften zur Nutzung ihres Bodens erlassen.

Besonders hoch ist der Besucherdruck in den Nationalparks. 1,75 Millionen Touristen reisen während ihres Neuseeland-Urlaubs in eines der vielen Naturgebiete. So verwandeln sich Routen wie der Milford-Track und das Tongarioro Crossing im Schatten der Berge aus „Herr der Ringe“ in Spitzenzeiten zu eigentlichen „Wander-Autobahnen“, wo Naturfreunde manchmal anstehen müssen, um einen Pfad beschreiten zu dürfen.

Umweltministerin Sage hofft, dass die höheren Gebühren für die bekanntesten Orte internationale Touristen künftig dazu verleiten werden, „in Zukunft auf die bisher weniger besuchten Wege zu gehen“.

Startseite

0 Kommentare zu "Reisebranche: Neuseeland reagiert mit hohen Gebühren auf die Touristenflut"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%