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Reisekonzern in der Krise Kapitalerhöhung geplant: Tui bittet Aktionäre zur Kasse

Tui will sich mit frischem Kapital durch die Coronakrise retten. Ein russischer Großaktionär soll 300 Millionen Euro zuschießen. Das könnte Folgen für das Fluggeschäft des Konzerns haben.
16.09.2020 - 15:21 Uhr Kommentieren
 Tui-Chef Fritz Joussen will über 700 Millionen Euro bei Aktionären einsammeln Quelle: Reuters
Tui-Flugzeuge

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie ringt der Konzern aus Hannover um die Existenz.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf In seinem Bemühen, Europas größten Reisekonzern finanziell über Wasser zu halten, bittet Tui-Chef Fritz Joussen nun voraussichtlich auch die Aktionäre zur Kasse. Schon in den kommenden Wochen, so erfuhr das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen, plant der an Londons Börse gelistete Urlaubsveranstalter eine Kapitalerhöhung zwischen 0,7 und einer Milliarde Euro. Bis spätestens Ende September will Joussen dazu die Konditionen festzurren.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie ringt der Konzern aus Hannover um die Existenz. Zwischen April und Juni brach der Umsatz um 98,5 Prozent ein, was Tui einen Quartalsverlust von 1,45 Milliarden Euro bescherte. Zusammen mit den beiden Vorquartalen verlor Tui in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres fast zwei Milliarden Euro Cash aus dem operativen Geschäft.

Besserung ist vorerst kaum in Sicht. Zwar konnten Mitte Juni die ersten 55 der 411 konzerneigenen Hotels wieder ihre Tore öffnen, was rund 15 Prozent der Übernachtungskapazitäten entsprach. Mitten im anlaufenden Sommergeschäft traf die Reisewarnung für Spanien den Konzern erneut.

Hinzu kam, dass alle 18 Kreuzfahrtschiffe der konzerneigenen Reedereien Hapag-Lloyd Cruises, Tui Cruises und Marella über Monate in den Häfen blieben. Die inzwischen wieder zaghaft aufgenommenen Kreuzfahrten dürften nach Expertenmeinung wegen der massiven Einschränkungen an Bord kaum Gewinne abwerfen.

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    Entsprechend intensiv müht sich Joussen seit Monaten, Tui vor einer Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Gleich zweimal bat er die staatseigene KfW Bank um Hilfe, die ihm daraufhin insgesamt 2,85 Milliarden Euro als Darlehen aushändigte. Weitere 150 Millionen Euro stellte außerdem der staatliche Rettungsfonds WSF in Form einer Wandelanleihe zur Verfügung, die mit neun Prozent verzinst werden muss.

    Anders als bei Europas drittgrößtem Reiseveranstalter FTI aus München, wo der rettende Staatskredit an einen finanziellen Beitrag der Gesellschafter geknüpft war, blieben die Anteilseigner von Tui bislang außen vor. Das aber soll sich nun mit dem Einverständnis des russischen Großaktionärs Alexej Mordaschow ändern, der mit einem Anteil von 24,9 Prozent die Liste der Anteilseigner anführt.

    Seine zypriotische Zwischenholding Unifirm Limited, an der er seit einem Jahr auch einige seiner Söhne beteiligt hat, will sich nach Auskunft von Verhandlungsteilnehmern an der geplanten Kapitalerhöhung beteiligen – mit nötigenfalls bis zu 300 Millionen Euro.

    Ein Sprecher von Tui sagte auf Anfrage, Marktspekulationen kommentiere der Konzern grundsätzlich nicht. Mordaschow ließ die Anfrage unbeantwortet.

    Das Ansinnen des russischen Oligarchen scheint allerdings nicht konfliktfrei. Denn müsste er seine Zusage aufgrund einer schwachen Nachfrage nach Tui-Aktien vollständig einlösen, klettert Mordaschows Tui-Beteiligung knapp über die Schwelle von 30 Prozent. Ein verpflichtendes Kaufangebot an alle übrigen Tui-Aktionäre würde damit fällig, was ihn nach heutigem Stand noch einmal bis zu 1,6 Milliarden Euro kosten könnte.

    Der Geldbetrag wäre für den 54-jährigen Stahlmagnaten, dessen Vermögen das russische Wirtschaftsblatt „RBC“ auf 19 Milliarden Dollar schätzt, womöglich noch das geringere Problem. Kompliziert aber würde es, sobald Mordaschow die Anteilsschwelle von 50 Prozent bei Tui überschreitet.

    Die Start- und Landerechte von Tuifly und ihren Schwesterairlines sind daran gebunden, dass sich die Fluggesellschaften mehrheitlich im Besitz von EU-Anteilseignern befinden. Mordaschows Unifirm jedoch wird laut Tui-Geschäftsbericht mehrheitlich von einer Holding mit Sitz in der russischen Föderation beherrscht.

    Wie Mordaschow eine riskante Pflichtofferte umgehen könnte

    Die riskante Pflichtofferte könnte Mordaschow allerdings mit rechtlichem Geschick umgehen. Dazu müsste er deutlich machen, dass die Kapitalerhöhung zwingend für Tuis Sanierung vonnöten ist. Ob sich die Wertpapieraufseher der Bafin auf eine solche Argumentation einließen, wollte eine Sprecherin der Behörde auf Anfrage nicht kommentieren.

    Schon seit 2007 ist Mordaschow an Tui beteiligt. Seither baute er seinen Anteil am Konzern von drei auf knapp unter 25 Prozent aus, an der russischen und ukrainischen Landesgesellschaft von Tui hält er seit Oktober 2018 sogar 90 Prozent der Geschäftsanteile.

    Sein eigentliches Vermögen stammt hingegen aus dem Stahlkonzern Sewerstal, der sich mehrheitlich in Mordaschows Besitz befindet. Dort, im nordwestrussischen Tscherepowez, hatte der Sohn eines Stahlarbeiters seine Karriere vor 32 Jahren als Ökonom begonnen. In den 90er-Jahren, als die Hütte zur Privatisierung stand, erwarb Mordaschow durch den Aufkauf von Mitarbeiteraktien die Mehrheit der Stimmrechte. Ein augenscheinlich lohnendes Geschäft: Selbst im ersten Halbjahr 2020, das durch die Corona-Pandemie gekennzeichnet war, verdiente Serwerstal noch eine Milliarde Dollar vor Steuern.

    Die nun geplante Kapitalerhöhung dürfte auch die übrigen Aktionäre von Tui, darunter die ägyptische Milliardärsfamilie El Chiaty (vormals Besitzerin des Steigenberger-Konzerns) und die spanische Hoteliersfamilie Riu, kaum überraschen.

    Schon bei der Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen hatte Tui-Chef Joussen die Anteilseigner auf eine solche Maßnahme vorbereitet. „Wir müssen an der Bilanz etwas machen“, erklärte er Mitte August in einer Telefonkonferenz. Möglich sei „zum Beispiel“ eine Kapitalerhöhung.

    Mehr: Tui erreicht Tiefpunkt – Milliardenverlust und Umsatzeinbruch von 98 Prozent

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