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Reisekonzern Staatshilfe wird aufgestockt: Tui erhält 1,2 Milliarden Euro

Tui verbrennt laut Analysten rund 500 Millionen Euro im Monat. Nun wird ein bereits bestehender KfW-Kredit aufgestockt. Die Aktie legt kräftig zu.
12.08.2020 Update: 12.08.2020 - 16:10 Uhr Kommentieren
Tui hatte bereits ein erstes Hilfsdarlehen über 1,8 Milliarden Euro zugesprochen bekommen. Quelle: dpa
Ferienflieger Tuifly

Tui hatte bereits ein erstes Hilfsdarlehen über 1,8 Milliarden Euro zugesprochen bekommen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Tui-Konzern in Hannover erhält Rettung in höchster Not: Wie Europas größter Reisekonzern am Mittwoch bekannt gab, springt ihm der Staat erneut mit einem Milliardenkredit zur Seite. Die Spekulationen über ein Aus, vor dem Ratingagenturen wie Standard & Poor's und Moody's für die kommenden Monate warnten, dürften damit vorerst beendet sein. Die Anleger reagierten erfreut: Die Tui-Aktie notierte am Mittwochnachmittag zeitweise mehr als zehn Prozent im Plus.

Um 1,05 Milliarden Euro werde der Staat die bereits bestehende KfW-Kreditlinie erweitern, teilte Tui mit. Bereits im April hatte der Reisekonzern von der staatseigenen Förderbank einen Kredit von 1,8 Milliarden Euro bewilligt bekommen, dem am Ende auch die Banken zustimmten.

Dass diese Summe kaum reichen würde, hatte Konzernchef Fritz Joussen bereits bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen vor drei Monaten angedeutet. Man werde sich um weitere Finanzquellen bemühen, hatte er damals gesagt. In Berliner Regierungskreisen hatten Meldungen die Runde gemacht, wonach Tui dort um weitere Hilfen in Höhe von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro verhandele. Eine offizielle Bestätigung gab es allerdings nicht.

Wie groß die Finanznot ist, zeigt der rasante Abfluss der Finanzmittel: Ein Großteil der Kreuzfahrtflotte, die aus 15 Schiffen der Reedereien Tui Cruises, Hapag-Lloyd Cruises und Marella besteht, ist beschäftigungslos. Konzernairlines wie Tuifly blieben wegen des Lockdowns lange Zeit fast ungenutzt, eigene Hotelketten wie Riu, Robinson oder Tui Blu klagen über Urlaubermangel.

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    Ende März wies Tui pro forma eine Liquidität von 3,1 Milliarden Euro aus, nachdem die staatseigene Förderbank KfW einen Rettungskredit in Höhe von 1,8 Milliarden Euro zugesagt hatte. Zwei Wochen später, am 10. April, waren davon gerade noch 2,1 Milliarden Euro übrig. Glaubt man den Analysten von Credit Sights, die von einer monatlichen Cash-Burn-Rate des Reisekonzerns von rund 500 Millionen Euro ausgehen, hätte Tui schon bald ein erhebliches Liquiditätsproblem bekommen.

    Tui selbst wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren. Ein Sprecher verwies aber darauf, dass durch das aktuelle Urlaubsgeschäft wieder mehr Einnahmen ins Geschäft kämen als zwischen März und Juni.

    Staat könnte zum Miteigentümer von Tui werden

    Ein Liquiditätsproblem scheint nun aber vorerst gebannt. Doch anders als beim ersten Kredit haben sich die Bedingungen deutlich erweitert: Die Inanspruchnahme steht unter dem Vorbehalt, dass Tui eine Wandelanleihe in Höhe von 150 Millionen Euro an den staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) begibt, die mit 9,5 Prozent verzinst ist. Wie der Konzern mitteilt, beträgt ihre Laufzeit zunächst sechs Jahre.

    Grafik

    Danach könnte der Staat zum Miteigentümer von Tui werden. Zwar hat der Reisekonzern ein Rückzahlungsrecht, sobald der Kredit in Höhe von 1,05 Milliarden Euro ebenfalls getilgt ist. Kommt es jedoch nicht dazu, erhält der Staat einen Anteil von bis zu neun Prozent am Unternehmen.

    Der Wandlungspreis je Aktie soll in einem solchen Fall auf 60 Prozent des durchschnittlichen Börsenkurses vor der Wandlung festgelegt werden, nicht aber unter 2,56 Euro. Die Tui würde die Wandelanleihe unter Ausschluss von Bezugsrechten begeben und dafür einen bestehenden Kapitalvorratsbeschluss nutzen.

    Hinzu kommt für Tui noch eine weitere Hürde. Die Gläubiger einer im Oktober 2021 fälligen Anleihe müssen auf eine mit dem Konzern vereinbarte Verschuldungs-Obergrenze verzichten. Beide Bedingungen wie auch weitere formelle Voraussetzungen müssen laut Tui bis zum 30. September 2020 erfüllt sein.

    Schon das im April gesicherte KfW-Darlehen hatte dem Konzern erste Pflichten auferlegt: So darf Tui während der Laufzeit keine Dividenden zahlen und es gelten Einschränkungen für Aktienrückkäufe. Nun sieht die Stabilisierungsmaßnahme weitere Beschränkungen vor, etwa bei Investitionen in andere Unternehmen und bei der Vergütung der Vorstandsmitglieder, solange der WSF investiert bleibt.

    Konzernchef Fritz Joussen zeigte sich am Mittwoch erleichtert: „Das zusätzliche Stabilisierungspaket erlaubt uns, den Fokus auf das operative Geschäft zu legen und gleichzeitig die Neuausrichtung des Konzerns voranzutreiben“, sagte er. Tui habe zudem „rechtzeitig massive Kostensenkungen eingeleitet und diese schnell und konsequent umgesetzt“.

    Das hatte ihm zuletzt allerdings auch Kritik eingebracht. Denn obwohl der Staat dem an der Londoner Börse notierten Konzern mit Milliardensummen aushilft, beschloss Joussen den Abbau von 8000 Stellen. Dabei hatte Tui noch gut einen Monat vor dem Antrag auf Staatshilfe seinen Aktionären – darunter den Milliardärsfamilien Riu, El Chaty und Mordaschow – eine üppige Dividende ausgeschüttet.

    Gleichzeitig krempelte Joussen in den vergangenen Wochen seine Konzernstrategie um. Statt der „Asset-Heavy“-Strategie, die auf eigene Kreuzfahrtschiffe, Hotels und Flugzeuge setzt, soll nach einem umfangreichen Sale-and-Leaseback nun das virtuelle Geschäft ausgebaut werden. Tui stehe vor dem „Wandel zu einem digitalen Unternehmen“, sagte Joussen am Mittwoch.

    Mehr: Hausbanken stimmen 1,8-Milliarden-Euro-Kredit für Tui zu

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