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Reisekonzern Thomas Cook verliert das Vertrauen einer seiner Banken

Der finanziell bedrängte Reisekonzern Thomas Cook muss einen weiteren Rückschlag verkraften. Die Zusammenarbeit mit einer Bank wurde teilweise beendet.
Update: 12.08.2019 - 09:53 Uhr Kommentieren
Thomas Cook verliert das Vertrauen einer seiner Banken Quelle: Stone/Getty Images
Reisekonzern

Zu den Gründen, warum die Zusammenarbeit mit der Bank beendet wurde, wollte sich Thomas Cook nicht äußern.

(Foto: Stone/Getty Images)

Düsseldorf Der angeschlagene Reisekonzern Thomas Cook („Neckermann“, „Öger“, „Condor“) verliert offensichtlich das Vertrauen einer seiner Banken. In einem Schreiben an deutsche Reisebüros teilte er mit, für einen Teil der Buchungen stehe das Sepa-Lastschriftverfahren nun nicht mehr zur Verfügung. „Wir haben die Zusammenarbeit mit der Bank, die die Zahlungsmöglichkeit per Lastschrift angeboten hat, beendet“, schrieb die Thomas-Cook-Deutschlandzentrale in Oberursel an die Vertriebspartner.

Zu den Gründen wollte sich ein Konzernsprecher in London nicht äußern, ebenso wenig zum Namen der Bank. Man arbeite mit dem Institut jedoch auf anderen Gebieten weiter. Vor wenigen Wochen hatte Thomas Cook die Geschäftsbank-Beziehung mit der Commerzbank aufgelöst, seither übernimmt HVB/Unicredit die Aufgaben. Offiziell hieß es zum teilweisen Aus des Lastschriftverfahrens auf Anfrage: „Wir suchen für diese Zahlungsart einen neuen Bankpartner.“

Eine Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Banken erklärte, ohne auf den konkreten Fall einzugehen, eine Bank könne grundsätzlich das Sepa-Lastschriftverfahren kündigen – sobald sich der Firmenkunde nicht mehr an seine Pflichten hält oder dessen Bonität eingebrochen ist.

Den Vorgang werteten Reisebüro-Inhaber, die sich gegenüber dem Handelsblatt äußerten, als ein weiteres Alarmsignal. Der nach Tui weltweit zweitgrößte Ferienveranstalter befindet sich wie schon 2011 erneut in Schieflage. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres verlor Thomas Cook 1,46 Milliarden Pfund (rund 1,57 Milliarden Euro) vor Steuern – und das bei einer Nettoverschuldung von 1,25 Milliarden Pfund.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s senkte die Bonitätsnote auf „CCC+“. Fast jedes dritte Unternehmen, das bislang eine solche Bewertung erhielt, meldete innerhalb der darauffolgenden zwölf Monate Insolvenz an.
Dabei ist das Sepa-Lastschriftverfahren aus Bankensicht Vertrauenssache.

Banken haben Grund zur Vorsicht

Um Reisenden den beliebten Zahlungsweg anbieten zu können, müssen Urlaubsveranstalter mit ihren Geschäftsbanken üblicherweise sogar einen zusätzlichen Kreditrahmen vereinbaren. Die Banken haben Grund zur Vorsicht: Lastschriften können Kunden innerhalb von einer achtwöchigen Frist widerrufen. Weisen sie dem Empfänger Missbrauch nach, ist ein Widerspruch sogar nach 13 Monaten möglich.

Im Fall von Thomas Cook könnte das bedeuten: Bleibt der Reisekonzern seinen Urlaubern Leistungen schuldig, könnten Lastschriftkunden ihr Geld von den Banken binnen einer Frist zurückfordern.

Von der Kündigung des Lastschriftverfahrens betroffen ist die Thomas Cook International AG mit Sitz im Schweizer Pfäffikon. Sie ist im Konzern zuständig für das Angebot von Nur-Hotelbuchungen („Hotelunterkünfte mit eigener Autoanreise“) und Citytrips. „Im Gegensatz zu unseren Pauschalreisen, die weiterhin per Lastschrift beglichen werden können, ist dies nur ein kleiner Teil unseres Geschäfts“, sagte ein Sprecher.

Die angebotenen Reisebausteine aber sind womöglich der Grund für die Vorsicht der Banken. Anders als komplette Reisepakete, die laut Gesetz gegen Insolvenzfolgen versichert sein müssen, sind Einzelleistungen wie reine Hotelbuchungen von dieser Pflicht befreit – und damit aus Sicht der Kunden unversichert.

Um sich aus der finanziellen Klemme zu befreien, präsentierte Vorstandschef Peter Fankhauser letzten Monat einen Rettungsplan. Der chinesische Großaktionär Fosun Tourism (Aktienanteil: 18 Prozent) habe gemeinsam mit kreditgebenden Banken eine Geldspritze über 750 Millionen Pfund (rund 834 Millionen Euro) in Aussicht gestellt, verkündete er. Auch Anleihegläubiger hätten sich bereit erklärt, ihr Fremdkapital in Eigenkapital zu verwandeln, was insgesamt einem Schuldenschnitt von gut 1,6 Milliarden Pfund entspreche. Darüber hinaus bemüht sich der Reisekonzern um eine weitere Finanzspritze über 150 Millionen Pfund. Die Gespräche mit Anlegern seien bereits weit fortgeschritten, teilte Thomas Cook am Montag mit.
Doch die Operation birgt juristische Fallstricke. Verlaufen die fortgeschrittenen Gespräche mit Fosun Tourism wie erhofft, soll der Investor aus Schanghai zwei Drittel bis drei Viertel am Veranstaltergeschäft übernehmen – ohne jedoch beim Gesamtkonzern die 30-Prozent-Anteilsmarke zu überschreiten. Denn dann wäre – sowohl in Deutschland wie auch bei einem britischen Konzern – ein Pflicht-Übernahmeangebot gegenüber den übrigen Aktionären fällig.

Das aber entspräche einem riskanten Unterfangen. Geriete der Konzern mehrheitlich in die Hände von Nicht-EU-Eigentümern, verlöre der Flugbetrieb rund um Condor seine Start- und Landerechte innerhalb der Europäischen Union.

Diese Gefahr will man durch einen Trick umschiffen: Die Veranstaltermarken wie Neckermann oder Öger sollen zuvor von der börsennotierten Plc. in eine separate Gesellschaft überführt werden. Der börsennotierten Dachgesellschaft bliebe allein noch das Fluggeschäft. Auch an ihm werde Fosun beteiligt sein, kündigte der Thomas-Cook-Vorstand an, jedoch mit weniger als 30 Prozent.

Juristische Hängepartie

Der Umbau soll bis zum September stehen, die Zustimmung der Kartellbehörden bis Ende des Jahres. Doch ob der Zeitplan eingehalten wird, ist ungewiss. Klagen mächtiger Aktionäre, etwa beteiligter Investmentfonds wie Blackrock oder Invesco, könnten Fankhausers Pläne noch durchkreuzen.

Dass sie eingereicht werden, steht zu befürchten. Schließlich verloren die Aktienpakete, denen durch den Kapitalschnitt eine Verwässerung der Dividende droht, seit der Fosun-Ankündigung rund 30 Prozent an Wert. Anfragen bei mehreren Fonds blieben dazu bislang unbeantwortet.
Klar ist aber bereits jetzt: Für den Kapitalschnitt wie auch für die Ausgliederung des Veranstaltergeschäfts benötigt Thomas Cook nach britischem Recht die Zustimmung der Hauptversammlung – und zwar mit einer Quote von 75 Prozent.

Wie das Handelsblatt erfuhr, laufen dazu derzeit Verhandlungen sowohl mit Aktionärsgruppen wie auch mit Anleihegläubigern. „Wir streben eine einvernehmliche Lösung an“, sagte ein beteiligter Manager. Das Hauptargument des Reisekonzerns: Sollte Thomas Cook damit wieder wirtschaftlich in die Spur kommen, würden die nun benachteiligten Anteilseigner und Anleihegläubiger von steigenden Kursen profitieren.

Doch selbst wenn die Aktionärsversammlung den vorgelegten Plan kassiert, will die Konzernleitung an ihm festhalten. In Großbritannien erlaubten die Gerichte in Ausnahmefällen auch eine „solvente Restrukturierung“, heißt es bei Thomas Cook – nämlich dann, wenn die ins Schlingern geratenen Firmen eine hohe Bedeutung für Konsumenten besitzen.

Solche Ausnahmegenehmigungen habe es zuletzt beim ins Straucheln geratenen Baukonzern Carillion, der Airline FlyBMI oder dem Warenhaus Debenhams gegeben. Nur: Die Ausnahmegenehmigungen bewahrten keines dieser Unternehmen vor der Insolvenz.

Mehr: Der britische Tui-Rivale steht vor einem Ausweg aus der schweren Krise. Großaktionär Fosun soll die Mehrheit an der Neckermann-Mutter übernehmen.

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