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Reisekonzern Tui beendet Katastrophenjahr mit Rekordverlust

Tui hat im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als drei Milliarden Euro Verlust gemacht. Beim Blick nach vorn gab sich das Management optimistischer.
10.12.2020 Update: 10.12.2020 - 10:54 Uhr Kommentieren
Das Geschäftsjahr 2019/2020 (bis Ende September) war für Tui – wie für so gut wie alle Unternehmen der Branche – geprägt von den Corona-Folgen. Quelle: dpa
Flugzeuge von Tui

Das Geschäftsjahr 2019/2020 (bis Ende September) war für Tui – wie für so gut wie alle Unternehmen der Branche – geprägt von den Corona-Folgen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Tui-Chef Fritz Joussen verschärft sein Sparprogramm: Die Kosten sollen jährlich nicht mehr nur um 300 Millionen Euro, sondern um 400 Millionen Euro sinken, kündigte er am Donnerstagmorgen bei der Vorlage der Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr an. Die volle Höhe der Einsparungen soll allerdings erst 2023 erreicht werden.

Unter anderem soll ab Januar 2021 darüber verhandelt werden, wie und wo in Deutschland 60 der insgesamt 450 Tui-Reisebüros geschlossen werden. Für alle dort Beschäftigten gibt es jedoch bis Ende 2021 einen mit dem Konzernbetriebsrat ausgehandelten Kündigungsschutz.

Ob das für die Rettung des angeschlagenen Reisekonzerns reicht, der während der Corona-Pandemie zeitweise den Betrieb komplett einstellen musste, ist fraglich. Obwohl Tui in den ersten fünf Monaten des jeweils im Oktober beginnenden Geschäftsjahres noch dem üblichen Betrieb nachgehen konnte, stand Ende September ein Betriebsverlust (Ebit) von drei Milliarden Euro in den Büchern. Im Jahr zuvor hatte der Konzern noch 893 Millionen Euro vor Steuern und Zinsen verdient.

Der coronabedingte Geschäftseinbruch erwies sich sogar noch gravierender als erwartet. Mit einem Umsatz von gerade einmal 7,9 Milliarden Euro lag Tui nicht nur 58 Prozent unter Vorjahr, sondern auch deutlich unter den Schätzungen der Analysten, die von 8,7 Milliarden Euro ausgegangen waren.

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    Noch größer fiel die Enttäuschung beim Gewinn pro Aktie aus: Hier verbuchte Europas größter Reisekonzern einen Verlust von 5,45 Euro je Anteilsschein – nach einem angepassten Vorjahresgewinn von 89 Cent je Aktie. Analysten hatten darauf gehofft, dass Tui den Verlust im Krisenjahr auf 3,53 Euro pro Aktie begrenzen kann. Entsprechend fiel der Aktienkurs schon am Donnerstagmorgen um mehr als vier Prozent.

    Konzernchef Joussen übte sich dennoch in Optimismus: „Wir haben das Schlimmste bereits gesehen“, erklärte er in einer Telefonkonferenz. Tui sei nun für eine „zügige und erfolgreiche Wiederaufnahme der Reisetätigkeit“ gerüstet.

    Überbordende Verschuldung

    Doch allein schon die drei Hilfspakete seit März, durch die der Staat 4,3 Milliarden Euro zur Verfügung stellt, haben die Nettoverschuldung steil nach oben getrieben: Mit aktuell 4,56 Milliarden Euro liegt der Konzern bei den Nettoschulden rund 3,6 Milliarden Euro über dem Vorjahr. Für einen großen Teil der Kredite werden Zinsen in Höhe von 9,5 Prozent fällig, was die Aussicht auf künftige Gewinne drastisch schmälert.

    Seine Hoffnung setzt Joussen darauf, dass derzeit immer noch ein kleiner Teil des Reisegeschäfts trotz Pandemie weiterläuft. So bringt Tui Gäste auf die Kanaren, die vom Coronavirus bislang weitgehend verschont geblieben sind. Zudem gibt es weiterhin Kreuzfahrten, auch wenn Gäste dort auf einen Landgang verzichten müssen. „Sobald wir zuletzt Destinationen wieder öffneten“, berichtet der Vorstandschef, „waren sie sofort voll.“ Angesichts der angekündigten Corona-Impfstoffe rechne er bereits 2022, wieder das Niveau von 2019 erreichen zu können.

    Von einem Normalbetrieb ist Tui aktuell weit entfernt. Die Buchungen für den Winter 2020/21 liegen nach Auskunft des Unternehmens 82 Prozent unter Vorjahr. Zwar berichtet Tui, die Sommerbuchungen für 2021 lägen drei Prozent über dem Wert von vor zwei Jahren. Grund dürften jedoch die Umbuchungen sein, die Urlauber für ausgefallene Reisen 2020 akzeptierten. Einen Teil der Preise für diese Reisen haben die Gäste bereits bezahlt, so dass dem Konzern 2021 damit nur relativ überschaubare Einnahmen zufließen werden.

    Sorgen bereitet zudem die schwindende Liquidität: 2,5 Milliarden Euro werde man pro forma zum Stichtag 30. November in der Kasse haben, erklärte Joussen, falls die europäische Wettbewerbskommission und die Tui-Hauptversammlung dem jüngsten Rettungspaket zustimmen – inklusive einer Kapitalerhöhung über 500 Millionen Euro, die für Januar geplant ist.

    Immobilienverkäufe werden geprüft

    Doch lange reichen wird die Summe nicht. Aus den jüngsten Ad-hoc-Meldungen errechnet sich, dass der Hannoveraner Reiseveranstalter zuletzt monatlich rund 400 Millionen Euro Cash verbrannte. Für Dezember kündigte Joussen weitere Cash-Abflüsse zwischen 400 und 450 Millionen Euro an, für das zweite Geschäftsjahresquartal 250 bis 300 Millionen Euro monatlich. In wenigen Monaten dürfte so ein weiteres Rettungspaket benötigt werden, falls sich die Corona-Lage nicht grundlegend verbessert.

    Branchenexperten gehen davon aus, dass Tui zum Verkauf von Ertragsperlen wie Robinson Club gezwungen sein wird, auch wenn Joussen davon ausdrücklich nichts wissen will: „Unsere Club-Brand steht nicht zum Verkauf“, sagte er.

    Auch bei den konzerneigenen Hotels werde es keine Notverkäufe geben. Von einigen Immobilien aber werde man sich gegebenenfalls trennen, um Geld in die Kasse zu bekommen. Geprüft werde zudem ein Teilverkauf der britischen Reedereitochter Marella Cruises, die wie bereits Tui Cruises und Hapag-Lloyd Cruises an ein Joint-Venture gehen könnte.

    Trotz des verschärften Sparprogramms soll es keine weiteren Entlassungen geben, sagte Joussen. Die im April angekündigte Zahl von 8000 Stellenstreichungen habe man bereits annähernd erreicht – vor allem in den Urlaubsgebieten, wo 5000 Jobs wegfielen.

    Zudem gab es eine Schließung von 160 Reisebüros in Großbritannien und eine Sanierung in Frankreich. Verhandelt werde zudem bei Tuifly, wo die Airline-Flotte nach Joussens Plan halbiert werden soll. Vor Ausbruch der Pandemie beschäftigte Tui weltweit rund 70.000 Mitarbeiter, davon 10.400 in Deutschland.

    Schon kurz vor der Vorlage der Jahreszahlen strich die Commerzbank die Kaufempfehlung für die Tui-Aktie. Die zweite Coronawelle habe dem Reiseveranstalter eine volle Breitseite verpasst, urteilte deren Analyst Adrian Pehl.

    Mehr: Mit den Milliardenhilfen für Tui macht der Staat so ziemlich alles falsch

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