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Reisekonzern Tui erreicht Tiefpunkt – Milliardenverlust und Umsatzeinbruch von 98 Prozent

Europas größter Reisekonzern hat im abgelaufenen Quartal täglich 6,6 Millionen Euro verloren. Nur Sparmaßnahmen und der zweite Staatskredit in Milliardenhöhe können Tui über den Winter retten.
13.08.2020 Update: 13.08.2020 - 11:21 Uhr 4 Kommentare
Der Urlaubskonzern verkleinert seine Flotte, muss viele Reisebüros schließen und streicht rund 8000 Stellen. Quelle: dpa
Tui in der Krise

Der Urlaubskonzern verkleinert seine Flotte, muss viele Reisebüros schließen und streicht rund 8000 Stellen.

(Foto: dpa)

Hannover Die Corona-Pandemie beschert dem Hannoveraner Reisekonzern Tui den mit Abstand größten Geschäftseinbruch seiner Unternehmensgeschichte. Wie Konzernchef Fritz Joussen am Donnerstagmorgen mitteilte, brach der Umsatz zwischen April und Juni um 98,5 Prozent ein, was zu einem Quartalsverlust von 1,45 Milliarden Euro führte.

Zusammen mit den zwei Vorquartalen verlor Tui in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres fast zwei Milliarden Euro Cash aus dem operativen Geschäft. Denn zwischen April und Juni, dem dritten Geschäftsjahresquartal, stand der Betrieb nahezu komplett still. Erst ab Mitte Juni gab es die ersten Wiedereröffnungen von insgesamt 55 der insgesamt 411 Hotels, was rund 15 Prozent der Übernachtungskapazitäten entsprach.

Hinzu kam, dass alle 18 Kreuzfahrtschiffe der konzerneigenen Reedereien Hapag-Lloyd Cruises, Tui Cruises und Marella in den Häfen blieben. Auch hier gibt es erst seit Ende Juli zaghafte Versuche, mit kurzen Kreuzfahrten ohne Landgang, dafür aber mit verminderter Passagierzahl, den Betrieb wieder aufzunehmen.

Auch das Neubuchungsgeschäft setzte nahezu aus. Die Buchungszahlen für das Sommerprogramm 2020 liegen um 81 Prozent unter dem Vorjahreswert, berichtete Tui am Donnerstag. Zum selben Zeitpunkt des Vorjahres war es zu 88 Prozent verkauft. Zudem lagen die durchschnittlichen Verkaufspreise zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau.

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    Die Quartalsergebnisse von Tui rangierten damit deutlich unter den ohnehin schon pessimistischen Erwartungen. Statt des berichteten Quartalsumsatzes von 72 Millionen Euro hatten Analysten von Credit Sights zuletzt mit 128 Millionen Euro gerechnet. Auch der Quartalsverlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von rund 1,3 Milliarden fiel deutlich höher aus als erwartet. Credit Sights hatte mit einem Minus von gerade einmal 0,8 Milliarden Euro gerechnet.

    Das gleiche gilt für den Verlust je Aktie, der von Analysten im Durchschnitt mit 1,25 Euro erwartet wurde. Aus den nun vorgelegten Tui-Quartalszahlen errechnet sich ein Minus von 2,47 Euro je Anteilsschein. An der Börse verlor die Tui-Aktie in Frankfurt im frühen Geschäft mehr als vier Prozent.

    Weitere Staatshilfe für Tui

    Rettung verschaffte dem Konzern allein ein 1,8 Milliarden Euro schwerer Kredit der staatseigenen Förderbank KfW im April, der nun noch einmal um 1,05 Milliarden Euro aufgestockt werden soll.

    Zudem will Tui eine Wandelanleihe über 150 Millionen Euro an den staatlichen Rettungsfonds WSF begeben, die eine Laufzeit von sechs Jahren besitzt. Hat Tui bis dahin die Staatskredite nicht getilgt, könnte der Staat durch die Wandlung der Anleihe Miteigentümer des Reisekonzerns werden – mit einem Aktienpaket von dann neun Prozent.

    Zusätzliche Liquidität gab es auch durch den Verkauf der Reederei Hapag-Lloyd Cruises an ein gemeinsames Joint-Venture mit Royal Caribbean Cruise Lines. „Dadurch fließen dem Tui-Konzern zusätzliche 690 Millionen Euro zu“, berichtete Vorstandschef Joussen. Eine Rate über knapp 300 Millionen Euro ging bereits im dritten Quartal ein, der Rest soll im laufenden Quartal folgen.

    „Im dritten Quartal wurden monatlich zwischen 550 und 650 Millionen Euro an Cash verbrannt“, berichtete Joussen. Jeden Tag verlor das Unternehmen damit 6,6 Millionen Euro. Der Schwund leerte die Kasse im Eiltempo. So befanden sich trotz des ersten KfW-Kredits über 1,8 Milliarden Euro und trotz des Hapag-Verkaufserlöses zum 12. August nur noch 1,2 Milliarden Euro in der Kasse.

    Durch die erneute Staatshilfe aber sieht Joussen den Konzern für das nächste Jahr gesichert. Im laufenden Sommerquartal werde voraussichtlich kein Geld verbrannt, kündigte er an. Und auch für die ertragsschwache Zeit danach sei der Kapitalpuffer nun ausreichend. Zudem lägen die Buchungen für den kommenden Sommer 145 Prozent über dem Vorjahr. Seit der Wiederaufnahme der Reiseaktivitäten seien konzernweit 1,7 Millionen Neubuchungen eingegangen.

    Flotte von Tuifly soll schrumpfen

    Zudem setzt Joussen auf drastische Sparmaßnahmen. Bis 2023 will er das Kostenniveau um jährlich 300 Millionen Euro reduzieren, wovon 240 Millionen Euro schon im laufenden Jahr erzielt werden sollen. Die Verwaltungskosten sollen dauerhaft und konzernweit um 30 Prozent reduziert werden.

    8000 der rund 72.000 Stellen im Konzern werden künftig entfallen, die Flotte von Tuifly soll von 39 auf 17 Maschinen schrumpfen, in Großbritannien macht Tui 166 Reisebüros dicht. Auch in Deutschland will Joussen den Vertrieb nach eigenen Worten vorzugsweise ins Internet verlegen, statt den meist selbstständigen Reiseagenturen Provisionen um die zehn Prozent zahlen zu müssen.

    Die Fixkosten habe man schon jetzt auf 235 Millionen Euro pro Monat gesenkt, berichtete Joussen, der diese vor drei Monaten noch mit mehr als 700 Millionen Euro beziffert hatte. Einen Ausblick für das Geschäftsjahr 2020, das im September endet, könne er aufgrund der volatilen Lage dennoch nicht geben, sagte der Vorstandschef in einer Telefonkonferenz.

    Mehr: Staatshilfe wird aufgestockt: Tui erhält 1,2 Milliarden Euro

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    4 Kommentare zu "Reisekonzern: Tui erreicht Tiefpunkt – Milliardenverlust und Umsatzeinbruch von 98 Prozent"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Frage ist recht einfach: müssen Reiseveranstalter so groß sein; mit eigener Flugzeug- und Kreuzfahrtflotte??

    • Seit über 30 Jahren macht TUI/Hapag-Lloyd Pleiteschlagzeilen.
      Wie wäre es ENDLICH mal mit einer Beerdigung?
      Da auch noch Milliarden reinzuballern, damit die Managementcreme des Ladens noch schnell eine Villa im Tessin kaufen kann, finde ich ziemlich daneben.

    • Für diese Art von finanziellen Katastrophen benötigen wir andere Gesetze. Verwerfungen dieser Art sind nicht typisch für das Wirtschaftssystem und wir sollten mit Sonder-Regelungen, gesetzlich abgesichert, dem begegnen können. Das psychologisch negative Klima, das dieser unserer Marktwirtschaft überhaupt nicht gut bekommt, muss beachtet werden. Jetzt sind Juristen und Wirtschaftler gefragt, für künftige Szenarien Lösungen zu finden.

    • ......und wer rettet die kleinen familiengeführten Reisebüros ? Wo wir immer buchen, ist das Reisebüro nach
      fast 60 Jahren in Familienbesitz mit 70 festen, gut ausgebildeten Mitarbeitern in die Insolvenz gegangen,
      leider wird es bestimmt noch weiteren inhabergeführten Reisebüros so ergehen.

      Aber TUi ist eine andere Nummer....den Großen wird das Geld hinterher geworfen. Wie sich diese Entwicklung gesellschaftspolitisch auswirkt wissen wir erst später.

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