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Reisekonzerne Tui schließt Gebot für Condor nicht aus

Konzernchef Fritz Joussen will sich an der Konsolidierung in der Reisebranche beteiligen. Dabei wachsen gerade im eigenen Konzern die Baustellen.
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Tuifly. Kommt es zu einem ungeregelten Austritt Großbritanniens aus der EU, müsste die Tui-Fluggesellschaft um ihre innereuropäischen Startgenehmigungen bangen. Quelle: imago stock&people
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Tuifly. Kommt es zu einem ungeregelten Austritt Großbritanniens aus der EU, müsste die Tui-Fluggesellschaft um ihre innereuropäischen Startgenehmigungen bangen.

(Foto: imago stock&people)

DüsseldorfDem Verkauf des Airline-Geschäfts rund um Condor, den der Tourismuskonzern Thomas Cook vergangenen Donnerstag angekündigt hat, will Wettbewerber Tui nicht desinteressiert zusehen. „Wir sind aktive Beobachter und wollen nichts ausschließen“, sagte Tui-Chef Fritz Joussen am Dienstagmorgen vor Beginn der Hauptversammlung in Hannover.

Man werde aber nur handeln, schränkte Joussen ein, wenn das Angebot Sinn ergebe. Gespräche mit Thomas Cook gebe es dazu noch nicht. Doch den Reisekonzern aus Hannover belasten seit dem zurückliegenden Winterquartal längst auch eigene Baustellen, wie die jüngsten Zahlen zum Betriebsergebnis zeigen.

In der üblicherweise verlustträchtigen Zeit von Oktober bis Dezember verbuchte Tui im Veranstalter- und Airline-Geschäft bereinigt ein Minus von 178 Millionen Euro, das damit um 26,5 Prozent schlechter ausfiel als im Vorjahr. Zwar konnten steigende Ergebnisse im Hotel- und Kreuzfahrtsegment den Einbruch zum Teil ausgleichen. Weil aber im zurückliegenden Quartal Hotelverkäufe fehlten, die im Vorjahreszeitraum noch 38 Millionen Euro in die Kasse gebracht hatten, verdoppelte sich der Konzernbetriebsverlust vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) am Ende auf 84 Millionen Euro.

Bereits am vergangenen Donnerstag hatte Vorstandschef Fritz Joussen die Märkte mit einer Gewinnwarnung schockiert. Anders als im Dezember versprochen, werde es Tui im laufenden Jahr nicht schaffen, beim Betriebsergebnis (Ebita) um zehn Prozent zuzulegen, erklärte er. Nun bleibe es, wie schon 2018, voraussichtlich bei 1,18 Milliarden Euro.

Daher könne Tui das Ziel eines durchschnittlichen jährlichen Zuwachses von zehn Prozent bis zum Geschäftsjahr 2020 nicht mehr aufrecht erhalten. Für den 55-jährigen Vorstandschef in Hannover, der seit Februar 2013 den weltgrößten Reisekonzern führt, ist dies die erste schwere Niederlage.

Kurz nach seinem Amtsantritt hatte Joussen den Mutterkonzern aus Hannover erfolgreich mit der Londoner Mehrheitsbeteiligung Tui Travel fusioniert und damit die Weichen auf Ertragswachstum gestellt. Insbesondere durch Investitionen in Hotels, Kreuzfahrtschiffe und die Reisebetreuung steigerte er den Gewinn und machte Tui unabhängiger vom margenschwachen Reisevermittlungs- und Fluggeschäft.

Doch mit dem Feuerwerk an der Börse – bis Mitte Mai 2018 hatte Joussen den Unternehmenswert mehr als verdoppelt – ist es spätestens seit vergangener Woche vorbei. Nach der Gewinnwarnung sackte die Aktie um 19 Prozent ab, ohne sich seither zu erholen.

Auch die Ratingagentur Moody‘s korrigierte die Kreditwürdigkeit der Tui nach unten. Den Ausblick für die Bonität senkte sie am Montag auf stabil von positiv und begründete das mit der überraschenden Gewinnwarnung des Konzerns. Die Kreditwürdigkeit wertet die Ratingagentur aktuell mit „Ba2“ („spekulativ“).

Auch wenn die Kursentwicklung unmittelbar nach der Gewinnwarnung am vergangenen Donnerstag einen anderen Schluss nahelegen könnte: Operativ steht Tui weitaus besser da als der direkte Verfolger Thomas Cook („Neckermann“, „Öger“). So schafften die Briten im abgelaufenen Weihnachtsquartal gerade einmal ein Prozent Plus beim Umsatz.

Der schwache Sommer hat Spuren hinterlassen

Zudem bauten sie den Betriebsverlust um ein Viertel auf umgerechnet 68 Millionen Euro aus. Die Buchungszahlen für den kommenden Sommer, musste Cook-Vorstandschef Peter Fankhauser einräumen, liegen aktuell zwölf Prozent unter Vorjahr. Außerdem hatten die Londoner, auf denen ein Schuldenberg von netto 1,6 Milliarden Pfund lastet, im zurückliegenden Geschäftsjahr einen Nettoverlust von 163 Millionen Pfund eingefahren. Tui dagegen präsentierte Ende September 2018 einen Jahresnettogewinn von 819 Millionen Euro.

Derzeit allerdings leiden beide unter denselben Herausforderungen: „Der extrem schwache Sommer des letzten Jahres wirkt nach“, sagte Joussen. Sowohl bei Tui als auch bei Thomas Cook bremste die Hitzewelle 2018 die Reisebuchungen. Es werde deutlich später gebucht als im Vorjahr, erklärte der Tui-Chef. Um das Geschäft in Schwung zu bringen, gewährten die Reisekonzerne üppige Rabatte – was die Margen in den Keller drückten.

Folgendes gilt für beide Konzerne: Die Nachfrage nach günstigen Urlaubszielen wie der Türkei, Ägypten und Tunesien zieht deutlich an, während Hochpreisregionen wie Spanien oder die Kanaren Fans verlieren. Entsprechend hoch sind dort die Überkapazitäten. Zudem drückt die Pfund-Schwäche das Ergebnis.

Joussen will nun mit einer Reihe von Maßnahmen gegensteuern. Zum einen will er mehr Reisen direkt – also nicht über den Umweg des Reisebüros – verkaufen. Dazu setzt er auf den Onlinevertrieb, der aktuell nur für knapp die Hälfte des Umsatzes steht. Zum anderen will er Kundenmärkte wie China oder Brasilien erschließen, um für die konzerneigenen Hotels und Kreuzfahrtdampfer eine höhere Auslastung zu generieren. Bis 2022 sollen auf diese Weise eine Milliarde Euro Umsatz hinzukommen.

In der Zwischenzeit aber könnte vor allem der Brexit dem Reisekonzern weiter zusetzen. Kommt es zu einem ungeregelten Austritt Großbritanniens aus der EU, müsste die konzerneigene Fluggesellschaft Tuifly um ihre innereuropäischen Startgenehmigungen bangen. Wie Tui befände sich dann auch Tuifly nicht mehr mehrheitlich im Eigentum von Aktionären aus dem europäischen Wirtschaftsraum. Flugrechte mit der EU müsste sie deshalb neu verhandeln.

Den starken Kurseinbruch halten viele Analysten dennoch für übertrieben. „Trotz der bevorstehenden Delle im aktuellen Geschäftsjahr ist Tui gut positioniert, um vom mittel- bis langfristigen Nachfragewachstum zu profitieren“, meinen die Analysten der NordLB. „Und auch die aktuellen Herausforderungen dürfte Tui besser wegstecken als der Wettbewerb.“

Auch das von Joussen aufgebaute Geschäftsmodell loben Branchenexperten. Durch dieses habe der Konzern das Jahr 2018 relativ unbeschadet überstanden, während Konkurrent Thomas Cook ein Horrorjahr erlebt habe, erklärte die britische Investmentbank Barclays.

Sven Diermeier, Analyst von Independent Research, zeigt sich von Joussens Idee eines „integrierten Reisekonzerns“ überzeugt, der vom Reisebüro über die Reiseveranstaltung bis hin zum Hotel oder Kreuzfahrtschiff alles aus einer Hand bietet. Dennoch senkte auch er sein Kursziel von 14,70 Euro auf 11,90 Euro.

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