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Reiseveranstalter Heißer Sommer verdirbt Thomas Cook das Geschäft

Thomas Cook macht das gute Wetter im nördlichen Europa zu schaffen. Das trübt auch den Blick auf das restliche Geschäftsjahr.
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Thomas Cook verzeichnet weniger Buchungen Quelle: Reuters
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Thomas Cook verdient sein Geld hauptsächlich in den Sommermonaten, wenn Urlauber aus üblicherweise kälteren Ländern wie Großbritannien, Deutschland und Skandinavien in die Sonne von Spanien, Griechenland oder Türkei wollen.

(Foto: Reuters)

London Der außergewöhnlich warme Sommer in Europa macht dem Reiseveranstalter Thomas Cook zu schaffen. Weil Großbritannien – wie auch große Teile des europäischen Kontinents – eine Hitzewelle erlebt, sind viele Briten lieber an die heimischen Strände gefahren oder daheim geblieben, anstatt an sonst so beliebte Urlaubsziele wie Spanien zu fahren.

Verstärkt wurde dieser Effekt, hatten Reiseexperten beobachtet, noch durch den anfänglichen Erfolg des britischen Fußballteams in der Weltmeisterschaft. Der Gewinn im Gesamtjahr werde am unteren Ende der Markterwartungen liegen, warnte der Konzern daher am Dienstag.

Noch im Mai sah sich Thomas Cook auf gutem Weg, den von Analysten prognostizierten Anstieg des Betriebsgewinns um sieben Prozent auf 352 Millionen Pfund zu erreichen. „Wegen des heißen Wetters im Juni und Juli halten sich Kunden mit Buchungen zurück“, hieß es nun. Daher sei es schwieriger, mit dem späten Geschäft Gewinn zu machen.

Thomas Cook verdient sein Geld hauptsächlich in den Sommermonaten, wenn Urlauber aus üblicherweise kälteren Ländern wie Großbritannien, Deutschland und Skandinavien in die Sonne von Spanien, Griechenland oder Türkei wollen.

Im dritten Quartal des im September endenden Geschäftsjahres schafften es die Fluggesellschaften des Konzerns, darunter die deutsche Condor, die Effekte der Hitzeperiode auszugleichen. Bei einem Umsatzplus von zehn Prozent auf 2,5 Milliarden Pfund (2,8 Milliarden Euro) legte der bereinigte operative Gewinn (Ebit) um acht Prozent auf 14 Millionen Pfund zu.

Spekulationen, Thomas Cook wolle die zum Konzern gehörende Fluggesellschaft Condor verkaufen, wie Firmenchef Peter Fankhauser zurück. „Dieselbe Geschichte gab es vor drei Jahren schon mal. Wir haben derzeit keine Pläne, die Airline zu verkaufen“

Condor hat rund 100 eigene Flugzeuge, dazu kommen von anderen Anbietern geleaste Maschinen. In der Luftfahrtbranche arbeitet gerade jeder mit jedem zusammen, Gerüchte über Zusammenschlüsse oder neue Allianzen haben Hochkonjunktur. Dass Thomas Cook sich eine Partnerschaft mit anderen Fluggesellschaften vorstellen könne, hatte Spartenchef Christoph Debus bereits Ende vergangenen Jahres im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt, aber eingeschränkt, dass das aktuell noch kein Thema sei.

Immer neue Konkurrenten für die Reisekonzerne

Die Voraussetzungen für einen solchen Schritt hatte das Management aber zu diesem Zeitpunkt bereits geschaffen: Die Airlines wurden in einer rechtlich und bilanziell eigenständigen Einheit gebündelt. Bisher waren sie den jeweiligen Landesorganisationen zugeordnet.

Reiseanbieter wie Thomas Cook müssen sich gegen immer mehr Konkurrenz zur Wehr setzen: Zum einen durch Kunden, die sich ihre Reise selbst im Internet zusammenstellen und zum anderen durch neue Wettbewerber. Unter anderem hat der neue Chef der britischen Airline Easyjet angekündigt, die Sparte Easyjet Holidays auszubauen. Der Easyjet-Chef John Lundgren ist dabei kein Gegner, den man unterschätzen sollte: Der Schwede hatte vor seinem Wechsel zu Easyjet bei dem Reiseveranstalter Tui gearbeitet.

Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, hat Thomas Cook zuletzt neue Angebote ins Programm genommen: Den Urlaubern werden spezielle Design-Hotels angeboten, es lässt sich die Liege am Hotelpool oder ein ganz spezielles Hotelzimmer schon vor der Abreise buchen – natürlich gegen eine Extra-Gebühr.

Das sind Deutschlands größte Hotel-Konzerne
Der Hotelmarkt boomt
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Die 50 umsatzstärksten Hotelgesellschaften in Deutschland hat die „Allgemeine Hotel- und Gastronomiezeitung“ ausgewertet. Die Studie zeigt: Der Boom auf dem deutschen Hotelmarkt hält an: Zum siebten Mal in Folge konnten die Unternehmen 2016 ihren Gesamtumsatz steigern. Der Nettogesamtumsatz aller betrachteten Ketten erreichte zusammen 8,64 Milliarden Euro, im Vergleich zu 8,14 Milliarden in Vorjahr. Das bedeutet ein Umsatzplus von 6,1 Prozent. Gleichzeitig sank die Auslastung um 0,6 Prozent.

Quelle: AGHZ, Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung

(Foto: PR)
Methode
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Die erhobenen Daten beruhen zum größten Teil auf Eigenangaben der Hoteliers. Haben diese in Einzelfällen keine Angaben gemacht, verwertete die „AGHZ“ die Werte aus dem Vorjahr. Auf Grundlage der errechneten Durchschnittswerte und aktueller Marktdaten wurde der Umsatz dann geschätzt. Diese Methode führte zu den Ergebnissen der Plätze zwei, drei und neun.

(Foto: dpa)
Platz 10: NH Hoteles Deutschland
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Mit 295 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2016 belegt das Unternehmen, das ursprünglich aus der spanischen Dachmarke Navarra Hoteles hervorgegangen ist, Platz 10. In Deutschland ist der Konzern mit Marken wie „NH Hotels“. „NH Collection“ oder „nhow“ vertreten und konnte den im vergangenen Jahr um 6,2 Prozent steigern.

(Foto: NH Hoteles)
Platz 9: Hilton Worldwide
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Um 6,2 Prozent steigert der US-Konzern seinen Umsatz auf etwa 311 Millionen Euro und rutscht damit erstmals unter die größten zehn Hotelgesellschaften in Deutschland.

(Foto: Reuters)
Platz 8: Event Hotels
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Die Event Hotels Gruppe vereint namenhafte Marken wie „Sheraton“, „Novotel“, „Westin“ oder „Mercure“ unter ihrem Dach. Der Jahresumsatz von 312 Millionen Euro reicht in Deutschland für Platz acht – ein Wachstum von 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Betriebe sank allerdings um ein Hotel auf 46.

(Foto: PR)
Platz 7: Grand City Hotels
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Mehr als 120 Hotels führt die GCH Hotels Group in Deutschland – viele von ihnen unter bekannten Namen wie etwa die Marke „Wyndham Hotels“. Rund 385 Millionen Euro setzte sie im vergangenen Jahr um – und landet mit knapp 30 Millionen Euro Zuwachs auf dem siebten Platz der umsatzstärksten Hotelgesellschaften. Von Budget- über Tagungs- zu Wellnesshotel hat die Gruppe alles im Portfolio – und bietet über 16.000 Zimmer in Deutschland.

(Foto: PR)
Platz 6: Maritim Hotelgesellschaft
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380 Millionen Euro Jahresumsatz erreicht die Maritim Hotelgesellschaft mit nur 36 Betrieben, aber über 10.000 Zimmern. 63 Euro kostet ein Zimmer im Durchschnitt: Damit sind die Maritim Hotels die günstigsten in diesem Ranking.

(Foto: dpa)

Eine Dienstleistung hat Thomas Cook dagegen aus dem Programm gestrichen: Am Wochenende hat der Reiseveranstalter angekündigt, ab dem nächsten Sommer keine Tickets für Shows mit Orcas in Gefangenschaft anzubieten. Das trifft etwa Parks wie Sea World oder den Loro Parque auf Teneriffa, wo die Artgenossen des Filmstars „Willy” Kunststücke vorführen müssen.

Derartige Shows werden von Tierschützern heftig kritisiert. Der in mehreren Hollywood-Filmen auftauchende Killerwal, der eigentlich „Keiko” genannt wurde, war die Attraktion in mehreren derartigen Shows, bevor er als Filmstar Karriere machte. Nach den Dreharbeiten wurde Keiko in die Wildnis entlassen – und starb kurz danach. Thomas Cook will nun nach „nachhaltigen” Alternativen für die beliebten Ausflugsziele suchen.

„Einige mögen darüber lachen, aber das ist für unsere neue Generation an Kunden wichtig“, sagte Fankhauser. „Damit erschließen wir uns eine vollkommen neue Kundengruppe. Mich erreichen Mails von Menschen, die uns dafür loben und sagen, sie hätten niemals eine Pauschalreise gebucht – aber es jetzt überlegen.“

Mit Material von Reuters.

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