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Samih Sawiris Ägypter greift nach deutschem Reisevertrieb

Was wird aus den Reisebüros von Thomas Cook? Die bayerische Vertriebsfirma des ägyptischen Milliardärs Samih Sawiris kümmert sich um den Nachlass.
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Der ägyptische Milliardär dürfte in Deutschland künftig eine deutlich wichtigere Rolle spielen. Quelle: Matthias Auer für Handelsblatt
Samih Sawiris

Der ägyptische Milliardär dürfte in Deutschland künftig eine deutlich wichtigere Rolle spielen.

(Foto: Matthias Auer für Handelsblatt)

Düsseldorf Der knapp 1,70 Meter große Manager trägt das Hemd gerne offen, dazu Sneakers, und er zeigt ein gewinnendes Lächeln. Pressekonferenzen steuert der 62-Jährige gern schon einmal mit dem Fahrrad an – allerdings nur über die letzten Kilometer, die er vom Flugplatz zurücklegen muss, wo der Privatjet auf ihn wartet.

Was Samih Sawiris, Spross einer auf zehn Milliarden US-Dollar geschätzten Familie aus Kairo, mit seinen lockeren Auftritten verbirgt: Der ägyptische Kopte steigt nach der Pleite von Thomas Cook zum mächtigsten Reiseunternehmer in der deutschen Touristik auf.

Sein deutsches Imperium vergrößert der Diplom-Ingenieur, der während seiner Berliner Studienzeit die Landessprache lernte, lieber aus dem Hintergrund. Über die fast unbekannte Raiffeisen Touristik Group im bayerischen Burghausen, an der er vor fünf Jahren 74,9 Prozent der Anteile erwarb, klaubt sich Sawiris in diesen Tagen die Überreste des deutschen Thomas-Cook-Vertriebs zusammen. Durch die Übernahme von dessen Franchisesystem fügt er seinem Reich Hunderte Reisebüros hinzu – und baut seine Stellung im Touristikvertrieb vehement aus.

Der provinzielle Anschein der Raiffeisen Touristik Group, einst gegründet von der Raiffeisenbank Altötting, ist ebenso trügerisch wie der legere Auftritt seines ägyptischen Mehrheitsgesellschafters. Die von dem Raiffeisen-Manager Wolfgang Altmüller aufgebaute Organisation zählt rund die Hälfte aller deutschen Reisebüros zu den eigenen Kooperationsmitgliedern. Hinzu kamen in den vergangenen Jahren durch Zukäufe von Otto („Reiseland“), Thomas Cook Niederlande und anderen etwa 700 konzerneigene Reisebüros. Umsatz: knapp 3,5 Milliarden Euro.

Fast unbemerkt stieg Sawiris vor fünf Jahren außerdem beim Münchener Reiseveranstalter FTI ein, der nach der Pleite von Thomas Cook nun mit 3,6 Milliarden Euro Umsatz zum drittgrößten deutschen Anbieter aufsteigt. Dort besitzt der Ägypter nicht nur 33,7 Prozent des Konzernvermögens. Miteigentümer Dietmar Gunz kaufte er im Oktober 2016 außerdem weitere Firmenteile ab, darunter den Fernseh-Urlaubsvermarkter Sonnenklar-TV.

Die zahlreichen Vertriebskanäle nutzt Sawiris, um sein reichhaltiges touristisches Portfolio zu vermarkten. Über seine Orascom Development Holding besitzt er 33 Hotels und mehrere Urlaubsdörfer, vorzugsweise in Ägypten („El Gouna“), aber auch in Montenegro („Lusica Bay“) und der Schweiz („Andermatt Swiss Alps“). Den Wert der in Zürich gehandelten Orascom-Aktie hat er damit seit Anfang 2017 verdreifacht.

Mehr: Der deutsche Tourismusmarkt steht vor der Neuordnung. Tausende Reisebüros, die bislang unter Thomas Cook firmierten, brauchen neue Partner.

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