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Schienenverkehr Buchungsplattform Trainline wirft der Deutschen Bahn Blockade des Wettbewerbs vor

CEO Clare Gilmartin fordert die Öffnung des DB-Navigators. Das britische Unternehmen unterstützt damit die wachsende Kritik von Bahn-Konkurrenten.
15.09.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Wettbewerber der Bahn und Reise-Start-ups wollen an die Echtzeitdaten. Quelle: dpa
DB Navigator

Wettbewerber der Bahn und Reise-Start-ups wollen an die Echtzeitdaten.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Clare Gilmartin ist überzeugt, die Pandemie wird den Trend zu Reisen mit dem Zug nicht umkehren. Alle Zeichen stünden „Pro Eisenbahn“, sagte die Vorstandschefin von Trainline dem Handelsblatt. Der Trend weg vom analogen Fahrkartenkauf an Stationen zum Onlinekauf von Tickets werde sich durch Corona sogar noch verstärken. Noch würden rund 60 Prozent aller Tickets in Papierform ausgestellt. Der Reisemarkt sei immer noch in einer „Frühphase von offline zu online“.

Die britische Buchungsplattform stellt nach dem Corona-bedingten Einbruch eine deutliche Erholung fest. „Das Reisegeschäft kommt zurück.“ Es sieht aber anders aus als in Vor-Corona-Zeiten. Gebucht werden laut Gilmartin vor allem Reisen innerhalb der Länder, weniger grenzüberschreitend.

Auch Buchungen durch Geschäftsreisende kämen nur langsam zurück. „Es ist noch zu früh zu sagen, ob der Business-Travel wieder das alte Niveau erreichen wird“, sagt Gilmartin. Für die börsennotierte Trainline könnte Corona aber auch einen Schub bei der Internationalisierung bedeuten.

Bislang machte die Plattform erst zehn Prozent der Umsätze von zuletzt 261 Millionen Pfund außerhalb des Königreichs. Doch „die Geschäfte auf dem europäischen Kontinent erholen sich viel schneller als auf der Insel, aufgrund von strengeren Reiserestriktionen in Großbritannien“, sagte Gilmartin.

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Standort erkennen

    Speziell in Deutschland sieht sich Trainline allerdings in der Expansion ausgebremst. „Die Deutsche Bahn blockiert ihre Wettbewerber und behindert Partner, indem sie deren Marketingaktivitäten einschränkt, keine Echtzeitdaten zur Verfügung stellt und faire kommerzielle Rahmenbedingungen verhindert“, sagte die Chefin der auf Bahn- und Busreisen spezialisierten Buchungsplattform.

    Wie andere Reise-Start-ups beklagt Gilmartin, dass der deutsche Staatskonzern keine Echtzeitdaten herausgibt, etwa über Verspätungen oder die Auslastung von Zügen. „Deutschland“, sagt sie, „ist ein Sonderfall in Europa.“ Andere Staatsbahnen, wie etwa die französische SNCF, seien da wesentlich kooperativer.

    Erst vor wenigen Wochen hatten sich sowohl Wettbewerber wie Flixtrain als auch Omio (ex GoEuro), eine konkurrierende Reiseplattform aus Berlin, bei EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager über die starre Haltung der Deutschen Bahn beschwert. Gemeinsam mit weiteren Reiserunternehmen und Verbänden fordern Flixtrain wie Omio, dass die zugesagten milliardenschweren Eigenkapitalhilfen für die DB an Bedingungen geknüpft werden.

    Bahn-Konkurrenten schalten Brüssel ein

    Die Bahn soll zusätzlich elf Milliarden Euro aus dem Klimapaket bekommen und mindestens 5,5 Milliarden Euro an Corona-Hilfen. Beide Zahlungen müssen von Brüssel genehmigt werden.
    Flixtrain verlangt unter anderem eine „faire Darstellung und Buchbarkeit“ auf bahn.de beziehungsweise auf der App DB Navigator. Auch private Anbieter müssen dort buchbar sein.

    Das funktioniere bislang nur für andere Staatsbahnen und Teile des Nahverkehrs. Flixtrain-Züge werden im Buchungssystem der Deutschen Bahn zwar angezeigt, Tickets können aber nicht gekauft werden. Auch werden Kunden nicht zu Flixtrain weitergeleitet.

    Die Plattform Omio wandte sich im August gemeinsam mit dem europäischen Branchenverband Allrail ebenfalls an Brüssel. „Wir befürchten, dass die Covid-19-Maßnahmen nur staatlichen Eisenbahnen helfen, den Markt weiter verzerren und das Wachstum bei Wettbewerbern unumkehrbar und langfristig limitieren.“ Die Freigabe von Mitteln müsse daher an wettbewerbsfördernde Maßnahmen gekoppelt werden.

    Der beteiligte deutsche Lobbyverband Mofair ergänzt: „Jeder soll alles über alle Vertriebskanäle zu fairen Konditionen verkaufen und über alles informieren dürfen.“ Das bedeute, alle relevanten Fahrplandaten müssten für Dritte zugänglich sein.

    In der Branche heißt es zudem, die Bahn versuche, mit Knebelverträgen Konkurrenten daran zu hindern, dass ihre Angebote beispielsweise bei Google-Suchen gefunden würden. Wettbewerber dürften weder landläufige Begriffe wie „ICE“ noch „Super-Sparpreis“ oder Vergleichbares nutzen.

    Die Deutsche Bahn wehrt sich gegen Vorwürfe mit dem Hinweis darauf, dass es sich bei Bahn.de und dem Navigator schließlich um Vertriebsprodukte des Unternehmens handele. Es bestehe wie in jedem anderen Markt für Mitbewerber kein automatischer Anspruch auf Integration in diese Plattformen, heißt es auf Anfrage.

    Hinter der Weitergabe von Echtzeitdaten an Dritte wiederum „stehen Investitionen, Innovationen und Personal der Deutschen Bahn“. Verkehrsverbünde erhielten Echtzeitdaten, die wiederum der DB ihre Echtzeitdaten zur Verfügung stellten. Auch Lufthansa bekomme im Rahmen der Codesharing- und LH-Express-Rail-Zusammenarbeit Echtzeitdaten von der Deutschen Bahn. Aber: „Mobilitätsplattformen sind reine Vertriebspartner der DB.“ Die Bahn könne frei entscheiden, „welche Informationen sie ihren Vertriebspartnern bereitstellt“.

    Bewegte Vergangenheit der Buchungsplattform

    Das passt nicht so ganz zur großen Politik. Die Bundesregierung fordert einen „Datenraum Mobilität“, wo Verkehrsunternehmen wie Autohersteller Daten freigeben sollen. Mit dieser nationalen Plattform sollen neue Mobilitätskonzepte vorangetrieben werden.

    Trainline-Chefin Gilmartin erinnert auch an die Vision der Europäischen Union für den Eisenbahnmarkt. „Ein offener Zugang zum europäischen Eisenbahnmarkt kann nur Realität werden, wenn alle auch Zugang zu allen Daten haben.“ So blickt auch Gilmartin trotz des Brexits gespannt darauf, wie Brüssel mit dem Thema Staatshilfen für die Deutsche Bahn umgehen wird.

    Der britische Marktführer für Eisenbahntickets Trainline hat eine bewegte Geschichte. Gegründet 1997 von der Virgin Group, landete die Buchungsplattform nach mehreren Gesellschafterwechseln schließlich beim US-Investor KKR.

    Im Juni 2019 stieg KKR im Zuge eines Börsengangs aus und erlöste damals 1,1 Milliarden Pfund. Trainline ist traditionell stark in Großbritannien, wo trotz Übernahme der französischen Captain Train 2016 zuletzt 90 Prozent des Geschäfts gemacht wurde. Angeboten werden inzwischen Tickets von 270 Bus- und Bahnunternehmen in 45 Ländern.

    Mehr: Flixtrain prüft Klage gegen Bahn-Milliarden vor dem EuGH

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