Schwierige Sanierung Die Post bekommt ihr Paketgeschäft nicht in den Griff

Interne Zahlen zeigen: Die Aufräumarbeiten in der Brief- und Paketsparte der Deutschen Post erweisen sich schwieriger als erwartet. Auch Zeitungsverleger will man ab 2019 zusätzlich zur Kasse bitten.
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DHL: Deutsche Post bekommt ihr Paketgeschäft nicht in den Griff Quelle: dpa
Paketzentrum der Post

Die Paketpreise werden 2019 doppelt so stark angehoben wie in den Jahren zuvor.

(Foto: dpa)

BonnDen Kurssturz nach der Gewinnwarnung bügelte die Deutsche-Post-Aktie seit Juni nahezu aus. Doch der Optimismus unter Anlegern scheint verfrüht. Die Sanierung der angeschlagenen Brief- und Paketsparte, die Konzernchef Frank Appel als Ursache für den angekündigten Ertragsrückgang verantwortlich macht, läuft schleppender als erwartet.

„In Summe sind wir nicht da, wo wir sein wollen“, berichtete Achim Dünnwald, Chef der DHL-Paketsparte, am Donnerstag vergangener Woche im internen Kreis seiner Mitarbeiter.

Zwar sei der Umsatz im Brief- und Paketgeschäft, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, bis Ende August um 2,5 Prozent gestiegen. Beim Ergebnis aber liege die Division fast 30 Prozent unter Vorjahr – und das nur zum Teil wegen außerordentlicher Belastungen durch die Sanierung.

Insbesondere im deutschen Paketgeschäft liefen die Kosten immer noch aus dem Ruder. Zwar erziele man pro Paket inzwischen einen Durchschnittspreis von 2,94 Euro – ein Plus von 0,7 Prozent zum Vorjahr. Die Kosten je Sendung seien jedoch um drei bis vier Prozent gestiegen. „Das ist noch kein zufriedenstellender Zustand“, sagte er.

Den Grund lieferte Dünnwald gegenüber seinen Beschäftigten gleich mit: In der Vergangenheit habe man die eigenen Personalkapazitäten knapp gehalten und sich in Spitzenzeiten, etwa vor Weihnachten, bei Leiharbeitsfirmen bedient. Die aber klagen inzwischen selbst über Arbeitskräftemangel. Zusätzliches Personal, berichtet Dünnwald, sei deshalb von ihnen nicht mehr zu den üblichen Raten zu bekommen.

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Ohne ihn namentlich zu nennen, kritisierte der ehemalige McKinsey-Berater, der seit Anfang 2016 als CEO das Paketgeschäft leitet, den im Juni geschassten Post- und Paketvorstand Jürgen Gerdes. Die Kostenseite leide unter „strukturellen Effekten“, glaubt Dünnwald, „die man teilweise vielleicht hätte vorhersehen können“.

Auch im traditionellen Kerngeschäft läuft es nicht rund. In den ersten acht Monaten des Jahres habe die Briefkommunikation im Vorjahresvergleich 90 Millionen Euro Umsatz verloren, berichtete Vertriebschef Martin Linde in einem Townhall-Meeting.

Der nächste Rückschlag ist in Sicht

Hinzu komme ein Minus von 48 Millionen Euro im „Dialogmarketing“, dem Geschäft mit der Massenwerbung, das im Vorjahr noch von den Bundestagswahlen profitiert hatte. Weitere 15 Millionen Euro büßte die Postsparte beim Presseversand ein.

Dabei ist der nächste Rückschlag längst in Sicht. Weil der ADAC ab 2020 seine Zeitschrift „Motorwelt“ nur noch über Tankstellen vertreibt, entfallen für den Bonner Konzern, so Linde, jährlich weitere 50 Millionen Euro.
In der Brief- und Paketsparte läuft zudem das Vorruhestandsprogramm für Beamte über 55 Jahre, das Konzernchef Appel mit 400 Millionen Euro dotiert hat, schleppender als gedacht.

Zwar verließen von dort die ersten 90 Ruheständler Anfang September den Konzern, während weitere 450 Anträge für das kommende Jahr stellten. Das aber sei „weniger als erwartet“, sagte Linde.

Zumal 800 meist beamtete Mitarbeiter zurück in den Konzern drängen – und zwar aus den derzeit schließenden Postbank-Filialen. Von den Niederlassungen, die oft im Hauptgeschäft Postdienstleistungen anbieten, würden dieses Jahr 150 dichtgemacht, verkündete Linde. Weitere 70 folgen 2019. Das aber stellt das Unternehmen vor eine Herausforderung.

Die Filialmitarbeiter hatten sie 2008 an den Postbank-Erwerber Deutsche Bank ausgeliehen. Die zurückkehrenden Bediensteten müssen sie nun – gegen eine Ausgleichszahlung des Kreditinstituts – im eigenen Haus weiterbeschäftigen.

Hinzu kommt, dass das von Appel verordnete Sparprogramm die Paketexpansion ins Ausland bremst. In der Schweiz halte man sich mit Investitionen zurück, berichtete Dünnwald – und sei deshalb operativ hinter dem Zeitplan.

Den für 2018 geplanten Eintritt ins italienische Paketgeschäft habe man gleich ganz auf das nächste Jahr verschoben. Nur bedingt bereitet es der Division deshalb Freude, dass „Parcel Europe“ Ende August mit seinem Betriebsgewinn (Ebit) von acht Millionen Euro über Plan lag.

Kräftige Preisanhebungen, von denen bei der Post noch niemand weiß, ob sie Marktanteile kosten, sollen es richten. Die Paketpreise für Geschäftskunden, erklärte Dünnwald, würden zum Januar doppelt so stark angehoben wie in den vergangenen Jahren üblich.

Seit August müssen zudem Versender sperriger Pakete kräftig drauflegen. Neukunden zahlen seither 20 Euro pro Sendung, während der Durchschnittspreis bislang bei gerade einmal 7,95 Euro lag. Auch für Zeitungsverleger wird es ab 2019 teurer. „Im Presseversand müssen wir nächstes Jahr deutlich die Preise erhöhen“, kündigte Vertriebschef Linde intern an.

Leicht dürfte es der Post kaum fallen, ihre Preiserhöhungen zu rechtfertigen. Gegenüber dem Vorjahr, so mussten Dünnwald und Linde eingestehen, ging die Zahl der Reklamationen im Briefgeschäft um sieben Prozent nach oben. Noch schlimmer entwickelte sich das Paketgeschäft. Dort schossen die Beschwerden, denen die Postler nachgehen mussten, um 21 Prozent nach oben.

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