Schwimmstunde im Schlossbrunnen Das Altenheim für Adelige

Auf einem prächtigen Schloss bei Köln können Baroninnen, Gräfinnen und Prinzessinnen ihren Lebensabend verbringen. Um aufgenommen zu werden, muss man adelig sein, ledig, katholisch - und arm.
13 Kommentare
Ina Gräfin von Schaesberg (r., 87) und Annemarie Gräfin Beissel von Gymnich (79): Bad in einem Springbrunnen, der auf Schloss Ehreshoven zum Schwimmen genutzt wird. Quelle: dpa

Ina Gräfin von Schaesberg (r., 87) und Annemarie Gräfin Beissel von Gymnich (79): Bad in einem Springbrunnen, der auf Schloss Ehreshoven zum Schwimmen genutzt wird.

(Foto: dpa)

EhreshovenDie Sonne scheint, das ist wahr, aber es ist immerhin Oktober, als die Gräfinnen Annemarie Beissel von Gymnich (79) und Ina von Schaesberg (87) ein Bad unter freiem Himmel zu nehmen geruhen. Gräfin Beissel ist in einen blauen Bademantel gehüllt, Schaesberg in einen weißen. Ist die Bekleidung nicht zu leicht? „Keine Sorge“, sagt Beissel. „Ich hab' noch einen Badeanzug drunter an.“ So rustikal geht es zu im Altenheim für Adelige auf Schloss Ehreshoven bei Köln.

Forschen Schrittes durchqueren die beiden Damen den Barockgarten. Es ist keineswegs ein Pool, den sie ansteuern - etwas so Neumodisches gibt es hier nicht - nein, sie streben dem Springbrunnen entgegen. Dort angekommen, streifen sie flugs die Bademäntel ab, und Gräfin Beissel wirft ein mitgebrachtes Thermometer ins Wasser. Zehn Grad! Wollen die da jetzt wirklich reinsteigen? „Ja, natürlich, wir steigen rein. Springen tun wir nicht, dazu ist es zu flach.“

Ohne auch nur einmal mit der Wimper zu zucken, gleiten die Damen ins Wasser und drehen ihre Runden wie zwei Goldfische. „Ächt angenehm“, versichert Gräfin Beissel. Sie hat einen leichten holländischen Akzent: Die Tochter eines Teebarons wurde noch zu Zeiten von Niederländisch-Indien auf Bali geboren.

Es gibt viele exotische Biografien im Altenheim für Adelige. Oben in ihrem Zimmer unterm Dach sitzt zur gleichen Stunde Gabriele Gräfin von Deym. Sie ist vergesslich geworden mit ihren 89 Jahren, aber sie kann sich noch genau an die Weihnachtsabende auf dem schlesischen Märchenschloss Koppitz erinnern. Die Lichterflut, der Duft angesengter Tannenzweige. „Erst bekamen die Hausangestellten ihre Geschenke, und dann durften wir erst zu den Tischen.“ Auf der Kommode steht noch ein Jugendbildnis von ihr, sie muss da ungefähr 16 gewesen sein. Eine hauchzarte Frau im Abendkleid. „Das war kornblumenblau.“

Halb eins - Zeit, den Lunch einzunehmen. Kurioserweiser grüßen die Damen mit „Guten Morgen“, man scheint sich hier mit dem Aufstehen nicht unbedingt zu beeilen. Vielleicht liegt es daran, dass das Haus kein Frühstück anbietet.

„Möchte jemand einen Schnaps?“
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

13 Kommentare zu "Schwimmstunde im Schlossbrunnen: Das Altenheim für Adelige"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Das Goldene Blatt", werter Leserbriefschreiber, ist dumm, ahnungslos und schreibt für die Unterschicht. Dieser Artikel ist trocken-elegant, süffisant und doch fair geschrieben. Er lässt die Beschriebenen leben ohne von unten neidisch auf den Adel zu blicken, wie die deutsche Yellow Press. Und Sie, der sie das nicht unterscheiden können? Sollten beim Goldenen Blatt bleiben.

  • de facto ja - pro jure 1919 mit dem "weimarer adelsgesetz".

    seitdem gibt es nach dem ableben der damals noch lebenden keine Fürsten, Fürstinnen, Markgrafen, Herzöge oder ähnliches mehr.

    In den Ausweisen steht - als Bestandteilnahme des Namens - z.B. Prinz, auch Erbprinz wie z. B. in Baden. Gloria, Prinzessin von Thurn und Taxis ist im Namen Gloria Prinzessin von......Max "Markgraf von Baden ist "Max, Erbprinz von Baden. Er lässt sich skh nennen in seinem Schloss, das er wegen seiner Pleitelage jüngst dem Land "verkaufte".

    Der junge Boss derer von Hohenzollern war bei Beckmann zusammen mit seinem Spezi Poldi von Bayern. Beckmann fragte: Wie soll ich Sie anreden"?
    "Sagen Sie bitte schlicht Herr von Preußen zu mir. Wir haben seit 1918 keinen Adel mehr und auch keine diesbezüglichen Privilegien. Poldi grinste dazu.

    Wenn der Scheinadel sein Brimborium braucht - ok. Wenn er seine Namen für miese Geschäfte, auch Scheingeschäfte, missbraucht, dann ab in den Knast.

  • Yeah!

  • Der entscheidende Satz steht am Ende des Artikels: "Die Prinzessin hat fast alles verloren, aber nicht ihren Stolz."

    Diesen Satz habe ich in ganz ähnlicher Form auch schon im Arbeitermilieu gehört - von jemandem, dem das Schicksal wirklich schwer zugesetzt hatte. Dieser Grundsatz war entscheidend für den Ausbruch aus diesem Schicksal.

    Abgesehen davon sind das ganz normale Menschen. Ich kenne ein Mitglied des Uradels, der sein Geld als Wachmann verdient. Sein Geschlecht ist zwar noch Eigentümer des Stammschlosses samt einiger Ländereien. Die Erträge reichen aber gerade so, das Schloss zu erhalten und einmal im Jahr ein Familienfest zu veranstalten.

    Den Standesdünkel gibt es natürlich: Man begreift sich als geschlossene Gesellschaft von Gleichgesinnten. Zu bestimmten Ereignissen wird man ausschließlich eingeladen, wenn man den passenden Stammbaum vorweisen kann. Dann darf man aber auch vom Verkauf von selbst geknüpften Ketten auf Wochenmärkten leben.

    Zur einschlägigen Erziehung gehört auch, den eigenen Stammbaum über mehrere Jahrhunderte komplett im Kopf zu haben. In einer Dokumentation der ARD berichtete Enoch zu Guttenberg, der Vater unseres Lügenbarons, vom einschlägigen Abfragen durch seinen Vater vor den Bildern in der Ahnengalerie.

    Womit wir wieder am Anfang sind: Statt sich über die öffentliche Behandlung seines Sohnes zu beschweren, wäre ein eigenes "mea culpa" angemessen gewesen - wozu ist er Chef der zu Guttenbergs. Dann hätte er seinen Stolz behalten dürfen. So aber landete er ganz profan mit im Sumpf.

  • Hatte noch gar nicht bemerkt, das beim HB jetzt die Redaktion von "Das goldene Blatt" angestellt ist.


  • 'Der Adel' wie auch 'Der Bauer' gehören zusammen, denn das eine bedingt des anderen, ganz entsprechend einem sozial evolutionären Grundprinzip.

    Aber das Prinzip der Evolution ist hier auch die Ursache für die Veränderung, dass eine vormalige "Bäuerin" nun ganz medienwirksam, tatsächlich einen adeligen-bauern Nachwuchs, defacto also eine Bastard, "werfen" konnte!

    ..und dann gibt es dann noch die tatsächlich freien Individuen, die nach dem Prinzip leben "Du sollst keine anderen Götter über Dir haben!" und die sich sicherlich von keinem der vor Genannten "...auf den Kopf spucken lassen"!

  • Der Bauer hat sich nicht durchgesetzt, so ein Blödsinn! Der Bauer ist immer noch ein Bauer und wer einmal von- und zu hieß, im Regelfall heute immer noch jemand, der den Bauer übers Feld scheuchen kann. Ob mit oder ohne Titel- Und falls es ihnen entgangen ist: Die meisten Europäischen Staaten haben ihren Adel nach wie vor. Selbst in Deutschland schaute alles nach UK, bei der Hochzeit, beim neuen Baby - was fantasieren Sie vom toten Adel und einer Bauernherrschaft? Haben Sie schon mal gesehen das Millionen Menschen den Fernseher einschalten weil eine Bäuerin geworfen hat? Sicher nicht.

  • Was faseln Sie hier?

    Der Adel wurde abgeschafft und die Demokratie (Der Bauer) hat sich durchgesetzt.

    Aber Sie haben recht, die Tugenden vom Adel sind bis heute geblieben s. Guttenberg.

    Um sich ein gutes Bild vom Adel machen zu können, schauen Sie sich bitte den Film "Die Ritter der Kokosnuss an".

  • Das stimmt nicht. In Deutschland wurde er abgeschafft - und? Der Adel war schon immer sehr international. Und wie ihnen nicht entgangen sein sollte, ist selbst in Deutschland heute noch ein von und zu einiges Wert - mache lassen sich das was kosten und lassen sich adoptieren.

    Und wenn Sie irgendwann platzen und ersticken an ihrem Neid, es wird nichts dran ändern das es Menschen gibt die immer OBEN sind und ihnen auf den Kopf spucken und Sie herumkommandieren. Das hat nämlich weniger damit zu tun wie die Bezeichnung lautet oder ob es in manchen Ländern "abgeschafft" wurde, als damit, das von Natur aus nicht alle Anführer sein können - sondern manche nun mal auch Bauern sein müssen. Das gilt fürs Schachspiel, wie für ein Wolfsrudel, wie für eine Gorillapopulation - als auch für Menschen. Der Adel sind alte Blutlinien die schon seit der Völkerwanderung und davor die Leute angeführt haben. Es wurde sich hart erkämpft und über Generationen weitergegeben. Aufstieg funktionierte schon damals wie heute - die stärksten kommen nach vorne. Neid und Missgunst sind üble Tugenden die damals wie heute in die Irre führen und oft in den Tod.

  • nobilitas sola est atque unica virtus - und für Herrn Guttenberg gern noch mit Quellenangabe: Decimus Iunius Iuvenalis (Juvenal)

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%