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Sportklubs „Dramatische Einnahmeverluste“ – Sportvereine kämpfen ums Überleben

Der Corona-Lockdown trifft Amateurvereine schwer. Finanzielle Hilfen fehlen flächendeckend – noch. Ein bundesweiter Notfallfonds könnte Abhilfe schaffen.
14.04.2020 - 11:33 Uhr Kommentieren
Sportvereine in der Coronakrise: Vor allem größere Klubs mit festangestellten Mitarbeitern kommen jetzt in Schwierigkeiten. Quelle: dpa
Kein Ball rollt mehr

Sportvereine in der Coronakrise: Vor allem größere Klubs mit festangestellten Mitarbeitern kommen jetzt in Schwierigkeiten.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Beim TSC Eintracht Dortmund rollt kein Ball über den Rasen, die Hockey- und Lacrosseschläger bleiben im Schrank, ebenso die Turnmatten und die Fechtdegen. Einige Mitarbeiter des mit 7000 aktiven Mitgliedern größten Dortmunder Sportvereins üben sich stattdessen im Videodreh.

Trainer, Vorstandsmitglieder und der Platzwart skizzieren dabei die finanzielle Situation in der Coronakrise: Von den drei tragenden Einnahmesäulen des Vereins sind zwei weggebrochen: die Veranstaltungen und die Kursgebühren. Es bleiben nur noch die Vereinsbeiträge. Hinter dem Video stecken auch ein Appell an die Treue zum Verein und die Bitte an die Mitglieder, die Beiträge weiterzuzahlen – auch, wenn momentan kein Sport stattfindet.

Die Coronakrise trifft nicht nur Profivereine im Fußball, Handball oder Eishockey – auch im Amateurbereich ist die Lage schwierig. Dort sind ausgerechnet solche Vereine gefährdet, die in den vergangenen Jahren ehrgeizige und innovative Konzepte entwickelt haben, mit Investitionen in Festangestellte und eigene Anlagen.

Sie sind wichtige Arbeitgeber, dürfen aber aus vereinsrechtlichen Gründen nur wenig Rücklagen bilden. Jetzt fehlen die Einnahmen aus Sportveranstaltungen, Kursangeboten und Gastronomie. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) fordert deshalb einen Notfallfonds auf Bundesebene, um den Breitensport in Deutschland unbeschadet durch die Krise zu bringen.

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    „Wir erwarten dramatische Einnahmeverluste der Vereine durch abgesagte Veranstaltungen und fehlende Kurs- und Trainingsgebühren“, sagte Alfons Hörmann, Präsident des DOSB, dem Handelsblatt. Wie hoch diese Verluste bundesweit ausfallen, lässt sich noch nicht beziffern.

    Der Bayerische Landessportverband geht auf Grundlage von Daten eines landesweiten Meldesystems von bisher 200 Millionen Euro Einbußen allein in Bayern aus. Hörmann erläuterte, für Vereine stelle sich „zeitnah die Frage der grundsätzlichen Existenz“.

    Wie gut Sportvereine die Krise überstehen, hängt vor allem von ihrer Struktur ab. Je mehr laufende Kosten entstehen, die nicht kurzfristig zurückgefahren werden können, desto stärker geraten die Vereine in finanzielle Schwierigkeiten. Ein entscheidender Faktor sind Lohnkosten.

    Christoph Breuer, Sportökonom an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln, erklärt: „Ehrenamt macht immun.“ Daher sind kleine Vereine tendenziell besser geschützt als die „Großvereine“ ab 1000 Mitgliedern, die ohne festangestellte Mitarbeiter nicht auskommen.

    Zwei Millionen Beschäftigte im Sport

    Laut DOSB sind im organisierten Sport in Deutschland etwa zwei Millionen Menschen beschäftigt. Der TSC Eintracht musste als Arbeitgeber von 40 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten Kurzarbeit anmelden. Alexander Kiel, Vorstandsvorsitzender des Vereins, gibt zu: „Ohne dieses Instrument hätten wir sehr große Probleme.“

    Ein weiterer Kostenpunkt sind die Anlagen. Viele Kleinvereine mieten das Nutzungsrecht für städtische Sportstätten bei den Kommunen. Dort gibt es bereits Ansätze, die Mietverpflichtungen auszusetzen. Bei vereinseigenen Stätten ist das nicht so einfach. „Wir haben in den letzten fünf Jahren 2,5 Millionen Euro in neue Anlagen investiert und müssen deswegen 22.000 Euro Kapitaldienst im Monat leisten“, sagt Kiel.

    Die Investitionen beruhen auf mehr als Unternehmergeist, denn die Vereine sind rechtlich dazu verpflichtet, ihre Einnahmen zeitnah zu reinvestieren, und dürfen nur einen geringen Anteil nicht zweckgebundener Rücklagen bilden. Ein Problem in Zeiten der Coronakrise.

    Um die laufenden Kosten zu stemmen, bleiben momentan nur die fixen Mitgliedsbeiträge. Beim TSC Eintracht machen sie etwa die Hälfte der Einnahmen aus. Kiels erster Blick geht daher jeden Tag auf den Stand der Beitragszahlungen. Der Verein bietet den Mitgliedern in der jetzigen Situation eine Reduzierung an. „Wir haben das Glück, dass das in unserer Satzung geregelt ist, andere Vereine beneiden uns darum“, erklärt der Eintracht-Chef.

    Denn ist eine Reduzierung der Beiträge laut Satzung nicht vorgesehen, haben Mitglieder nur die Wahl, den vollen Beitrag weiterzuzahlen oder die Mitgliedschaft ganz zu kündigen. Wenn die eigene finanzielle Situation in der Krise nun schwierig ist, wählen sie schneller die Kündigung, als wenn sie die Möglichkeit hätten, einen geringeren Beitrag zu zahlen. Für Vereine ist die Möglichkeit einer Reduzierung der Beiträge also vorteilhaft.

    Und je länger der Sportbetrieb ausgesetzt ist, desto größer ist auch die Versuchung für Sportler, ihre Mitgliedschaft ganz zu kündigen.

    Viele Vereine setzen daher verstärkt auf ihr wichtigstes Gut: Solidarität. „Amateurvereine haben oft eine hohe Identifikation und Treue“, erklärt Sportökonom Breuer. Eine langjährige Mitgliedschaft im eigenen Sportverein zu kündigen dürfte vielen schwererfallen, als ein Fitnessabo zu beenden.

    Doch selbst wenn die Vereinsbeiträge weiter fließen, schätzt DOSB-Präsident Hörmann, würden diese „nur in sehr wenigen Fällen ausreichen, um die Kosten zu decken“. Der TSC Eintracht hat einen Liquiditätsplan bis zum 1. September. „Bis dahin kommen wir mit den Maßnahmen hin, aber das heißt auch nur, dass wir finanziell überleben“, so Kiel. Den Verein wieder so aufzustellen wie vor der Krise könnte zwei oder auch drei Jahre dauern, fürchtet er.

    Unterschiedliche Fördermöglichkeiten

    Welche Fördergelder Vereinen zustehen, ist je nach Bundesland verschieden. In Nordrhein-Westfalen können Vereine beispielsweise mit wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb Soforthilfen zwischen 9000 und 25.000 Euro beantragen. In Berlin arbeitet der Senat mit dem Landessportbund zusammen, um „die finanzielle Bedarfslage der Sportvereine einschätzen zu können“. Auch Bayern prüft finanzielle Hilfen für Sportvereine.

    Der DOSB fordert zusätzlich einen bundesweiten Notfallfonds für den gemeinnützigen Sport in Deutschland und hat ein eigenes Solidarpaket in Höhe von einer Million Euro aufgelegt. Der Betrag solle durch Spenden weiter aufgestockt werden, so DOSB-Präsident Hörmann.

    Auch die Vereine selbst hoffen auf zusätzliche Zuwendungen. „Bisher sind Sportvereine Spendenaktionen nicht systematisch angegangen“, sagt Sportökonom Breuer. Das könnte sich mit der finanziellen Notlage jetzt ändern. „Wir haben bisher etwa 20 Spendenzusagen“, sagt etwa Kiel vom TSC Eintracht.

    Der DOSB macht sich trotzdem Sorgen, dass die Coronakrise die „Vielfalt von Sportdeutschland“ gefährden könnte. Sportökonom Breuer ist optimistischer: „Ich bin zuversichtlich, dass die Vereine einen Weg aus der Krise finden werden.“

    Und auch Kiel vom TSC Eintracht Dortmund versucht, die Dinge positiv zu sehen: „Der Verein ist jetzt 172 Jahre alt, der hat in seiner Geschichte schon ganz andere Krisen überstanden.“

    Mehr: Das Coronavirus setzt Sportkonzerne unter Druck: Sie bleiben auf ihrer Ware sitzen. Zudem fallen wichtige Sportveranstaltungen aus oder werden verschoben.

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