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Staatskonzern Deutsche Bahn muss mit Finanzloch von 9,6 Milliarden Euro kämpfen

Die Pandemie trifft die Bahn härter als befürchtet. Auch die Milliardenhilfe des Bundes ist unsicher. Doch Konzernchef Lutz hält an den Zielen fest.
01.12.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn braucht Milliarden vom Bund. Quelle: imago images / Reiner Zensen
Richard Lutz

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn braucht Milliarden vom Bund.

(Foto: imago images / Reiner Zensen)

Düsseldorf Bahn-Chef Richard Lutz kämpft an allen Fronten. Die Bundesregierung greift mit Reservierungsvorschriften und anderen Wünschen in den Betriebsablauf ein, um das Infektionsrisiko zu reduzieren. Brüssel sperrt sich seit Monaten, die Coronahilfen des Bundes zur Auszahlung freizugeben. Und die Haushaltspolitiker des Deutschen Bundestags blockierten in der vergangenen Woche vorerst sechs Milliarden Euro Eigenkapitalzuschuss. Gezahlt werden darf erst dann, wenn der Bahn-Vorstand nachweisen kann, welche Löcher die Corona-Pandemie wirklich gerissen hat.

Lutz kämpft auch für sich selbst: Im Frühjahr hofft der 56-Jährige auf eine Vertragsverlängerung. Der Bahn-Chef muss aber unter Beweis stellen, dass seine Strategie des Wachstums mit dem sperrigen Titel „Starke Schiene“ für die Deutsche Bahn aufgeht. Trotz Corona.

Denn erst einmal setzt die Pandemie dem Staatsunternehmen gewaltig zu. Noch härter als bislang befürchtet. Im Mai, als Bahn-Vorstand und Bundesregierung eine fünf Milliarden Euro schwere Eigenkapitalspritze vereinbarten, ging Lutz noch von 8,2 Milliarden Euro Corona-Schaden aus, wie die Bahn das nennt. Inzwischen ist klar, es werden 9,6 Milliarden Euro sein, die der Bahn allein in Deutschland bis 2024 fehlen, heißt es im Umfeld des Unternehmens.

Diese Botschaft muss Lutz seinem Aufsichtsrat am 9. Dezember überbringen. Verbunden mit dem Hinweis, dass die Bahn in diesem Jahr nicht mehr mit Geld aus der Staatskasse rechnen kann, weil die Freigabe der Mittel durch die EU-Wettbewerbskommission aussteht.

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    Dadurch dürfte die Verschuldung des Staatskonzerns auf 32 Milliarden Euro steigen – zwei Milliarden mehr, als die Bundeshaushälter als Obergrenze gesetzt haben.

    Hunderte neue Züge sind bestellt

    Auch auf Sicht zeichnet sich keine Chance ab, die Schuldenlast der Bahn nachhaltig zu senken. Brüssel dürfte eine Freigabe an Bedingungen knüpfen. Die Kommission könnte eine generelle Subventionierung der Trassenmaut fordern, das würde dann von einer direkten Kapitalspritze für die Bahn abgezogen. Und: Lutz will sein Programm „Starke Schiene“ durchziehen.

    Der Bahn-Chef steht in dem Versprechen, die Zahl der Fahrgäste im Fernverkehr auf 260 Millionen von zuletzt 140 Millionen jährlich zu steigern und den Anteil des Güterverkehrs auf der Schiene von jetzt 18 auf 25 Prozent anzuheben. Hunderte neuer Züge sind bestellt, das kostet Milliarden.

    Von seinen Wachstumszielen ist Lutz allerdings wegen Corona weiter entfernt denn je. In diesem Jahr werden sechs Milliarden Euro weniger Umsatz in die Kassen der Bahn fließen. Der Einbruch im Personen- wie im Güterverkehr führt zu einem Betriebsverlust von etwa 3,3 Milliarden Euro. Dazu kommen Sonderbelastungen – etwa durch Abschreibungen auf die Auslandstochter Arriva – von mehr als 1,4 Milliarden Euro. Die Bahn wird daher einen Rekordverlust von 5,6 Milliarden Euro einfahren.

    Der Vorstand hatte gehofft, 2021 wieder halbwegs zur Normalität zurückkehren zu können. Jetzt nach dem zweiten Shutdown wird klar, dass Fahrgäste und Gütertransportaufträge wohl erst 2022 zurückkommen werden. Im kommenden Jahr rechnet der Vorstand daher noch mit einem immerhin halbierten Betriebsverlust von 1,7 Milliarden Euro, 2022 dann mit einer Rückkehr in die schwarzen Zahlen.

    Die Illusion, dass der Staatskonzern seinen Expansionskurs weitgehend selbst finanzieren kann, ist dahin. Schlimmer noch: Lutz braucht eine weitere Milliarde Euro vom Bund, um seine Pläne zu finanzieren. Dabei liegen die versprochenen Milliarden aus dem Klimapaket und der Coronahilfe noch auf Eis.

    Noch einige Finanzierungsfragen offen

    Schwer dürfte es auch werden, zugesagte Sparmaßnahmen durchzuziehen. Lutz hat versprochen, die Hälfte der Corona-Schäden intern gegenzufinanzieren. Doch Kosteneinsparungen in größerem Umfang sind bislang nur beim Personal in Sicht. Die Bahngewerkschaft EVG hatte sich im September auf sehr moderate Tarifabschlüsse eingelassen. Das erspart der Bahn 1,8 Milliarden Lohn- und Gehaltszahlungen, einschließlich gestrichener Boni für das Führungspersonal.

    Der Rest des zugesagten Sparvolumens über drei Milliarden Euro soll sich aus vielen kleinen Bausteinen zusammensetzen. Ein paar Hundert Millionen weniger Investitionen, Einsparungen im Einkauf. Da seien noch einige Fragen offen, findet ein Aufsichtsrat. Auch der Bundesrechnungshof hat gerade zum wiederholten Mal angezweifelt, ob der Konzern „alle Möglichkeiten der Schadensminimierung ausschöpfte“.

    Eine Vollbremsung ist allerdings genau das, was Richard Lutz, vermeiden will, heißt es in seinem Umfeld. Die Bahn soll auf keinen Fall Fehler wie nach der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 machen, nämlich Wachstumschancen kaputtsparen.

    Mehr: Boni, Erfolgsprämien und Jobs werden gestrichen: So will die Bahn Milliarden sparen

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    1 Kommentar zu "Staatskonzern: Deutsche Bahn muss mit Finanzloch von 9,6 Milliarden Euro kämpfen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Bahn muß unbedingt die Maskenpflicht für ihre Fernzüge wenigstens teilweise abschaffen. Vielleich geht das ja mit einem ähnlichen Konzept wie früher die Aufteilung in Raucher und Nichtraucher?
      Bei Fernreisen sind die Masken für viele unerträglich, besonders für ältere Vielreiser. Vor Corona benutzte etwa ich für längere Reisen nur die Bahn, es sei denn für sehr große Distanzen wie etwa Hongkong oder Amerika, wo halt nur das Flugzeug Sinn machte. Das hat sich radikal gewandelt: inzwischen bin ich wieder auf das Auto umgestiegen, und sei es ein Mietwagen.

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