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Start-up Wyne Nelly Fischer führt Deutschlands erstes digitales Weingut

Mit dem Start-up Wyne will Nelly Fischer den Weinhandel umkrempeln. Mit nachhaltigem Wein bedient sie vor allem ein junges, weibliches Publikum.
07.12.2020 - 18:19 Uhr 1 Kommentar
Das Start-up der 30-Jährigen stellt Einfachheit in den Fokus.
Nelly Fischer

Das Start-up der 30-Jährigen stellt Einfachheit in den Fokus.

Düsseldorf Nelly Fischer erinnert sich noch gut an Abende, an denen sie mit Experten erschöpfend über Lage, Boden und Bouquet verschiedener Weine sinnierte – und sich insgeheim nur dachte: „Können wir den Wein jetzt nicht einfach trinken und ihn genießen?“ Wein, sagt sie, würde stets verkompliziert, zu einem elitären Prestigetropfen erhoben, dessen größtes Qualitätsmerkmal ein hoher Preis zu sein scheint.

Fischer will das ändern – und hat dafür Anfang des Jahres das Start-up Wyne gegründet. Ihre Geschäftsphilosophie stellt Einfachheit in den Fokus. Kunden sollen sich nicht durch eine riesige Auswahl kämpfen müssen, um dann doch wieder bei irgendeinem Rotwein zu landen. Genuss statt Elitarismus.

Nur vier Weine bietet das junge Unternehmen bislang an – und möchte das Sortiment auch künftig nicht überfrachten. „Uns und unsere Kunden interessiert weniger, auf welchen Lagen der Wein angebaut wurde oder welcher Jahrgang er ist. Die Hauptsache ist doch, dass der Wein gut schmeckt“, sagt die 30-Jährige, deren Start-up im August an den Markt ging.

Mit Wyne will Fischer, die Internationale Weinwirtschaft studiert hat, gezielt die 25- bis 45-Jährigen ansprechen. Vor allem Frauen möchte die Münchenerin von ihrem neuen Unternehmen begeistern. „Die Kommunikation bei Wein ist bislang sehr männlich dominiert“, so Fischer. Themen, die besonders junge Frauen interessierten, griffen konventionelle Winzer noch zu langsam auf.

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Standort erkennen

    Allen voran: Nachhaltigkeit. Wie wichtig der Megatrend ist, zeigte jüngst eine Studie des Capgemini Research Institute, das europaweit 7500 Menschen zu ihrem Konsumverhalten befragt hat: Jeder zweite Verbraucher würde aus Nachhaltigkeitsgründen zu einer weniger bekannten Marke wechseln.

    Vertrieb über Social Media

    Davon hofft auch Wyne-Gründerin Fischer zu profitieren. „Unsere Kunden sind der Ansicht: Weine sind Naturprodukte – warum sollte man sie dann nicht auch natürlich belassen?“, fragt die Geschäftsführerin.

    Fischer selbst besitzt keine eigenen Ländereien – sondern sieht sich selbst als Deutschlands erstes digitales Weingut. Die Weine bezieht Fischer von ausgewählten Winzern, die Wert auf ökologischen Anbau legen und auf Pestizide verzichten. Das Netzwerk, das sie sich über die Jahre in der Weinszene aufgebaut hat, kommt ihr hier zugute.

    Ihre Produkte vertreibt Fischer über einen eigenen Internetauftritt und Social-Media-Kanäle wie Facebook und Instagram. Flaschen aus der aktuellen Weinkollektion kosten unter zehn Euro. „Ein Wein für jeden Tag“, so Fischer. Langfristig plane das Unternehmen noch eine etwas gehobenere Produktlinie.

    Preislich konkurriert Wyne damit auch mit Supermärkten, deren Publikum eher weniger Wert auf erlesene Edelweine legen dürfte. Der große Unterschied aber: Wyne sei transparent.

    Kunden könnten genau nachvollziehen, woher der Wein stammt – und unter welchen Bedingungen er verarbeitet wurde. Fischer jedenfalls ist sich sicher: „Die Kunden kommen zu uns, weil sie genau wissen, was sie bekommen.“ Fischer hofft, die Kunden auch so an sich zu binden. Aktuell liege die Wiederkäuferquote bei zehn Prozent.

    Wachstumsmarkt Rosé

    Das Start-up wähle den schwierigen Weg, scherzt Fischer: Kooperationen mit Supermärkten oder bekannten Weinhändlern wie Jacques’ Weindepot lehnt die Gründerin ab. Stattdessen wolle sie ihre Weine lieber in ausgewählten Restaurants oder Concept-Stores anbieten – das harmoniere stärker mit der Firmenphilosophie.

    Fischer ist optimistisch, dass der Weindurst der Deutschen weiter anhält. In der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Wein deutlich gestiegen. Laut Deutschem Weininstitut stieg der Absatz von April bis Juni um 12,5 Prozent, bei Rosé gar um fast 30 Prozent. In gewisser Weise stößt Wyne damit in einen Wachstumsmarkt. Fürs Jahr 2021 rechnet die junge Unternehmerin mit einem Umsatz von 500.000 Euro.

    Um das Geschäft weiter auszubauen, hat Fischer 19 Prozent der Firmenanteile an das Family Office Longfield Invest verkauft. Wie hoch die Investitionssumme ist, darüber will sie schweigen. Mit dem frischen Kapital des Vermögensverwalters möchte die CEO nun die Onlinevermarktung stärker forcieren. Schon vor dieser ersten Finanzierungsrunde war Wyne mit 1,1 Millionen Euro bewertet.

    Als Onlineshop ist Wyne von Kontaktbeschränkungen und Lockdown-Sorgen weniger betroffen, sondern profitiert eher noch vom Rückzug ins Private. Fischer setzt nun voll aufs Weihnachtsgeschäft – und bringt passend zum Jahreswechsel einen neuen Sekt auf den Markt.

    Mehr: Die teuersten Weine der Welt – und warum sie ein riskantes Investment sind

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    1 Kommentar zu "Start-up Wyne: Nelly Fischer führt Deutschlands erstes digitales Weingut"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • 0815-Weine ohne Herkunft?
      "Du brauchst kein Weinkenner sein…"
      Nee, als solcher bestellst du füer den Preis beim Biowinzer deines Vertrauens.
      Es gibt Dutzende, die gerade jetzt neue Kundschasft brauchen können.

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