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Streamingdienst

Netflix-Startbildschirm: Könnte der Streamingdienst Schadenersatz fordern?

(Foto: dpa)

Streamingdienst Darf ich meinen Netflix-Zugang mit Freunden teilen?

Netflix hat die Preise erhöht. Vielen jungen Nutzern ist ein eigenes Abo aber zu teuer, sie teilen sich den Zugang mit Freunden. Aber ist das legal? Wir fragen einen Anwalt.
14.07.2019 - 12:02 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 14. Juli 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Für mehr als fünf Millionen Serien-Fans in Deutschland wurde es im April teurer. Denn Netflix hat die Preise erhöht. Je nach Abo-Paket kostet der Streamingdienst seitdem bis zu 14 Prozent mehr.

Netflix-Account teilen: So wollen viele Nutzer Kosten sparen

Und Netflix könnte womöglich noch mehr Geld verlangen. Denn Zuschauer auf der ganzen Welt sind verrückt nach Serien wie Breaking Bad, Dark oder Stranger Things. Viele Kunden tricksen aber auch, um Geld zu sparen. Sie teilen sich den Netflix-Zugang mit Freunden.

Und schon vor einiger Zeit hatten wir bei der Deutschen Anwaltshotline um Rat gefragt – und bekamen einen Experten ans Telefon, der es wissen muss: Andreas Pagiela ist Rechtsanwalt für Zivil- und Wirtschaftsrecht in Berlin. Im Interview erklärte er ausführlich, ob du beim Streamen sparen darfst:

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    Andreas, darf ich meinen Netflix-Zugang mit Freunden teilen?
    Das geht nur bedingt. Netflix bietet zwar gezielt Abos an, bei denen du auf bis zu vier verschiedenen Geräten gleichzeitig streamen kannst. Du darfst also vier verschiedene Profile anlegen, mit denen sich vier verschiedene Nutzer einloggen können. Allerdings steht in den Nutzungsbedingungen eine wichtige Einschränkung.

    Was besagt die?
    Es dürfen sich nur Nutzer aus deinem Haushalt einloggen. Ihr dürft euch also ein 4er-Abo in der Familie teilen, sofern ihr in derselben Wohnung wohnt. Das gleiche gilt, wenn du in einer Wohngemeinschaft lebst.

    Das bedeutet aber: Mit Freundinnen oder Kumpels, die woanders wohnen, darf ich meinen Netflix-Zugang nicht teilen?
    Genau.

    Viele junge Nutzer machen es trotzdem. Was kann ihnen passieren?
    Dann verstoßen sie gegen den Nutzungsvertrag. Damit könnte Netflix sie von der Nutzung ausschließen und ihnen den Account fristlos kündigen.

    Mehr kann nicht passieren?
    Strenggenommen könnte Netflix auch Schadenersatz fordern. Nehmen wir an, ihr wollt euch den Zugang mit 100 Leuten teilen und du schließt einen Basis-Account ab, der nur für ein Gerät gilt. Dann könnte Netflix sagen: „Dadurch sind uns 99 User entgangen.“ Das könnte man theoretisch als Basis für einen möglichen Schadenersatz nehmen.

    Hältst du das für realistisch?
    Nein. Ich habe außerdem eher das Gefühl, dass Netflix seine Nutzungsbedingungen bewusst sehr einfach formuliert hat. Es könnte sogar gewollt sein, dass Nutzer sich den Zugang teilen.

    Wie kommst du zu der Einschätzung, dass die Bedingungen sehr einfach gehalten sind?
    In den Nutzungsbedingungen ist nur von Geräten die Rede. Aber auf den Geräten kannst du ja Profile mit Namen anlegen. Netflix fragt sogar beim Start: „Wer schaut gerade?“ Und daraus folgt zwingend, dass eine Nutzung für andere Personen als den Vertragsinhaber erlaubt ist.

    In den Bedingungen steht aber auch, dass der Kontoinhaber „das Passwort beziehungsweise die Kontoangaben“ nicht mit Dritten teilen darf.
    Das ist eine der interessantesten Formulierungen. Man könnte zum Beispiel herauslesen, dass du nur die Verwaltung des Kontos nicht anderen überlassen darfst, das Schauen aber schon. Ich halte die Bedingungen sogar für widersprüchlich.

    Warum das denn?
    An einer Stelle steht, dass du das Passwort mit niemandem teilen darfst. Wenn du dich aber einloggst, kommt die Frage „Wer schaut gerade?“ Und das ist eben genau widersprüchlich.

    Und widersprüchlich heißt: Da kann mir als Nutzer nichts passieren?
    Ja. Wenn eine Bedingung widersprüchlich ist, dann würde ein Gericht den Fall erfahrungsgemäß eher zugunsten des Nutzers auslegen.

    Das heißt, wenn Netflix mich verklagen wollte, weil ich den Zugang mit Leuten außerhalb meines Haushalts teile, käme mir das zugute?

    Netflix-Abos im Überblick


    Ja – es käme dir zugute. Aber eine dicke Einschränkung gibt es: Da das alles noch nicht gerichtlich entschieden ist, kann man nur mutmaßen. Ob der Widerspruch wirklich ausreicht, um so eine Klage abzuschmettern, bleibt so lange offen, bis es hier ein erstes Urteil gibt. Mein Rat ist deshalb ganz klar: Lass‘ es nicht darauf ankommen und teile den Account nur mit Leuten, die in deinem Haushalt leben.

    Ist dir ein Fall bekannt, in dem Netflix von einem Kunden eine Strafzahlung gefordert hat, weil der seinen Zugang mit Freunden außerhalb seines Haushalts geteilt hat?
    Nein.

    Was glaubst du, warum Netflix das nicht macht?
    Netflix will neue Nutzer gewinnen, da wäre negative Presse tödlich. Die würde es aber garantiert bei so einem Prozess geben. Und somit beobachtet Netflix erstmal, wie sich die Nutzer-Zahlen entwickeln und wie sehr das Teilen von Zugängen um sich greift. Scheinbar überwiegen für Netflix jedoch – noch – die Vorteile der aktuellen Situation. Das zeigen ja auch die jüngsten Geschäftszahlen.

    Andreas, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Netflix enttäuscht Anleger mit schwächerem Abo-Wachstum

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