Streetscooter Post und Ford wollen Kooperation vertiefen

Die Deutsche Post wird künftig auch mit einem großen Elektro-Transporter Pakete zustellen. Am Mittwoch präsentierte das Unternehmen gemeinsam mit Ford den Streetscooter Work XL. Das Bündnis soll vertieft werden.
Update: 16.08.2017 - 13:12 Uhr Kommentieren

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KölnDie Deutsche Post und der Automobilriese Ford wollen ihr Bündnis zur Produktion von Elektro-Transportern vertiefen. „Wir würden gern eine engere Kooperation prüfen“, sagte Ford-Europachef Steven Armstrong am Mittwoch in Köln der Nachrichtenagentur Reuters. Die Post und der US-Konzern haben bereits den Transporter Streetscooter Work XL zusammen entwickelt. Er sei über das Ergebnis „begeistert“, sagte Post-Vorstand Jürgen Gerdes. Es sei sinnvoll, über weitere gemeinsame Aktivitäten mit Ford nachzudenken.

Der Elektrofahrzeug-Hersteller der Post, Streetscooter, erweitert mit dem Work XL seine Modellpalette auf jetzt drei Typen. Bald will er eine neue Fabrik eröffnen, Gerdes zufolge soll die Jahresproduktion auf 30.000 Fahrzeuge klettern. Streetscooter verkauft die Transporter auch an Kunden aus Kommunen oder der Wirtschaft. Dabei profitiert die Post auch vom Diesel-Skandal. Er sehe eine „gewaltige“ Nachfrage, sagte der Post-Vorstand.

Den Work XL mit einer Nutzlast von 1350 Kilo und einer Reichweite von bis zu 200 Kilometern hatten Streetscooter und Ford in nur zwei Monaten zusammen entwickelt. Noch 2017 sollen rund 150 Vorserienfahrzeuge zur Erprobung vom Band laufen, bis Ende 2018 sollen es 2500 werden. Der Transporter basiert auf einem Fahrgestell des Ford Transit und wird mit einem batterieelektrischen Antriebsstrang und einem Karosserieaufbau nach Vorgaben der Post ausgestattet. „Wir haben das Fahrzeug in Rekordzeit auf die Räder gestellt“, sagte Gerdes.

Die 2500 neuen Groß-Transporter sollen Gerdes zufolge zunächst alle von der Post genutzt werden. Wegen des durch den boomenden Online-Handel stetig wachsenden Paketvolumens brauche der Konzern die Elektro-Autos selbst. Perspektivisch sei aber „auch der Verkauf an Drittkunden vorgesehen“. Zwei Streetscooter-Modelle kurven für die Post bereits durch deutsche Großstädte, diese werden auch an andere Kunden verkauft. So nutzt sie etwa der Fischhändler Deutsche See, aber auch Mittelständler und Kommunen sind interessiert. „Wir sind quasi ausverkauft“, sagte Streetscooter-Chef Achim Kampker.

Die Post ist mit Streetscooter zu einem führenden Hersteller von Elektro-Transportern aufgestiegen. Die Firma war 2010 als Startup-Unternehmen aus dem Umfeld der Universität RWTH Aachen gegründet worden. In Aachen wurden Elektrofahrzeuge entwickelt, die speziell auf die Bedürfnisse der Post-Zusteller zugeschnitten waren. Das Nutzfahrzeug wurde 2012 vorgestellt. Im Dezember 2014 sicherte sich die Post dann alle Anteile an der Streetscooter GmbH. Rund 3000 der Transporter fahren derzeit für die Post.

Ein gelbes Sammelsurium
Schwindendes Kerngeschäft
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Nur noch ein Viertel trägt die Brief- und Paketzustellung zum 60 Milliarden Euro schweren Umsatz der Deutschen Post bei. Was kaum jemand weiß: Die Keimzelle des weltgrößten Logistikkonzerns ist 526 Jahre alt und geht auf den Habsburger Kaiser Maximilian zurück, der Franz von Taxis 1490 zu seinem Postmeister ernannte.

Gelb und Schwarz
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Noch heute trägt Deutschlands Post mit Gelb und Schwarz die Farben des österreichischen Herrschergeschlechts. Doch E-Mail und SMS verdrängen zunehmend Brief und Postkarte, sodass sich der Bonner Dax-Konzern auf benachbarte Geschäftsfelder konzentriert.

Eilige Zustellungen
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2002 kaufte die Deutsche Post den 1969 in San Francisco gegründeten Expressdienst DHL – und stieg damit in den Versand eiliger Sendungen ein. Über das weltweite Zustellnetz finden Dokumente und kleinere Ersatzteile ihren Adressaten oft schon am Folgetag der Sendungsaufgabe.

Schwere Lasten
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Ins internationale Speditionsgeschäft stieg die Deutsche Post 1999 mit dem Kauf des Frachtvermittlers Danzas ein. Seither gehören die Bonner, die dem neuen Geschäftsbereich später die Marke „DHL“ verpassten, zum Spitzentrio in der Luft-, See- und Lkw-Fracht.

Lagerservice
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Für umgerechnet 5,6 Milliarden Euro erwarben die Bonner 2005 den britischen Lagerservice-Anbieter Exel, um dessen Dienstleistungen danach unter der Marke „DHL“ anzubieten. In konzerneigenen Lagerhallen kommissioniert die Post-Tochter beispielsweise komplette Bausätze für Audi-Türen, um sie anschließend nach Ingolstadt zu liefern. Auch Pharmahersteller wie Stada sind Großkunden. Für sie verpackt DHL Medikamente und kommissioniert sie für die unterschiedlichen Absatzmärkte.

Lieferungen aus der Luft
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Seit drei Jahren tüftelt die Deutsche Post an unbemannten Flugobjekten, sogenannten Drohnen, die sie regelmäßig zur Nordsee-Insel Juist oder in den Alpen fliegen lässt. Über die Testphase ist das Projekt noch nicht hinausgekommen, weil behördliche Genehmigungen fehlen.

Supermarkt auf Rädern
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Durch den Einstieg beim Online-Versender Allyouneed ist die Deutsche Post seit kurzem auch Anbieter von Lebensmitteln. Innerhalb weniger Stunden liefert die Konzerntochter Erdbeeren, Hähnchenbrustfilets oder Katzenstreu bundesweit bis vor die Haustür.

Post-Chef Frank Appel konnte bei der Entwicklung auf einen Vorteil setzen: Die Post hat einen riesigen Fuhrpark und kann die Fahrzeuge selbst testen und übernehmen. Zudem können ihr die Elektro-Transporter angesichts der Debatte um Fahrverbote handfeste Wettbewerbsvorteile bei der Zustellung in den Innenstädten verschaffen. Konkurrenten wie UPS oder FedEx werden zugleich unter Zugzwang gesetzt.

Mittelfristig will die Post ihre gesamte Brief- und Paketzustellflotte von knapp 50.000 Fahrzeugen durch Elektro-Wagen ersetzen, die mit Strom aus regenerativen Energien betrieben werden sollen. Appel hatte zugesagt, den Ausstoß des Klimagases CO2 bis 2050 auf null zu reduzieren.

  • rtr
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