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Systemgastronomie Vapiano sagt weltweite Expansion ab

Nach desaströsen Zahlen für 2018 prüft die Restaurantkette den Verkauf des außereuropäischen Geschäfts. Die Aktionäre leiden.
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Die Restaurantkette hat mit Kundenverlusten zu kämpfen. Quelle: dpa
Vapiano

Die Restaurantkette hat mit Kundenverlusten zu kämpfen.

(Foto: dpa)

HamburgDie Restaurantkette Vapiano gerät immer tiefer in die Krise. Nachdem das deutsche Unternehmen eingestehen musste, im Jahr 2018 seine sowieso schon gesenkten Ziele deutlich verfehlt zu haben, prüft Vapiano nun den Verkauf des gesamten außereuropäischen Geschäfts. Im vergangenen Jahr hatte Vapiano bereits das US-Geschäft verkauft.

Vorstandschef Cornelius Everke kündigte am Samstag zudem an, eine Reihe von geplanten Neueröffnungen zurückzustellen. Auch der angekündigte Ausbau von Lieferdiensten und Abholstationen steht nun zur Überprüfung an. Stattdessen solle in Verbesserungen der bestehenden Restaurants investiert werden.

Neue eigene Restaurants sollen in Europa vor allem in Metropolen entstehen, also wohl nicht mehr in kleineren Städten. Eigentlich wollte Vapiano zuletzt mehr kleinere Restaurants eröffnen und so mit weniger Kapitaleinsatz wachsen. Jetzt gibt es offenbar dringlichere Aufgaben.

„Nach einem operativ sehr enttäuschenden Geschäftsjahr 2018 werden wir das Jahr 2019 nutzen, um einen strategischen Übergang zu schaffen und die Komplexität unseres Geschäftsmodells deutlich zu reduzieren. Unsere vorrangige Priorität ist es, die Profitabilität des Unternehmens zu steigern“, teilte Everke mit. Er hatte im Herbst von seinem Vorgänger Jochen Halfmann übernommen, der nach schwachen Zahlen ausgeschieden war.

Everke gelang im vierten Quartal 2018 jedoch keine Wende. Im Gegenteil: Die Lage verschlechterte sich noch. Vapiano muss wegen mangelnder Werthaltigkeit hohe Beträge abschreiben, was das Ergebnis für das Jahr zusätzlich belastet hat.

Die Restaurantkette hatte unter anderem deshalb an Kundenzuspruch verloren, weil lange Wartezeiten in den Filialen das Erlebnis verschlechterten. Everke versprach am Samstag, die Karte nun wieder auf die Klassiker zu beschränken. Damit verzichtet er auf komplizierte Gerichte, die die Kochzeiten verlängert hatten. Zudem korrigiert er die geografisch zu weit gestreute Expansion aus den Jahren vor dem Börsengang.

Aktionäre sind kampferprobt

Mit den jetzt angekündigten Änderungen fährt Vapiano seine Ambitionen deutlich zurück, mit denen es an die Börse gegangen war. Gerade erst hatte die Kette beispielsweise ihr zweites Restaurant in Kuwait eröffnet und die Restaurants in Australien komplett übernommen. Solche Auslandsengagements stehen jetzt zur Disposition.

2018 lag der Umsatz bei etwa 370 Millionen Euro, der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) bei 29 bis 31 Millionen. Euro, wie Vapiano bereits am Freitagabend mitteilte. Die erst Ende November 2018 gesenkte Prognose verfehlt Vapiano damit deutlich. Das liegt auch daran, dass neu eröffnete Restaurants nicht so gut anlaufen wie erhofft. Zweifel an den Kurskorrekturen, die der ehemalige Douglas-Manager Halfmann im vergangenen Jahr vorgenommen hatte, steigen.

Er hatte etwa angekündigt, neue Standorte besser zu prüfen und mit Techniken wie Apps die Wartezeiten zu verkürzen. Zu allem Überfluss muss Vapiano für 2018 rund 33 Millionen Euro unter anderem wegen mangelnder Werthaltigkeit abschreiben. Das Nettoergebnis soll deutlich unter dem Vorjahr liegen. Damals fielen bereits 29,6 Millionen Euro Verlust an.

Die Aktionäre müssen nun damit rechnen, dass das Papier am Montag erneut deutlich nachgibt. 2018 hatte die Aktie bereits mehr als ein Viertel an Wert verloren. Vapiano war 2017 an die Börse gegangen. Damals kostete eine Aktie 23 Euro, 184 Millionen Euro kamen zusammen. Aktuell ist das Papier noch 6,20 Euro wert. Zu den Investoren gehört der Tchibo-Erbe Wolfgang Herz.

Vapiano galt einst als Hoffnungsträger: eine global erfolgreiche Systemgastronomie-Kette aus Deutschland. Die hausgemachte Krise zerstört diese Hoffnung vorerst.

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