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Tarifstreit Flugbegleiter bestreiken Lufthansa – Airline will dennoch nach Plan fliegen

Die schwer angeschlagene Kabinengewerkschaft UFO sucht in einem Streik den Befreiungsschlag. Die Lufthansa-Führung baut Druck auf die Mitarbeiter auf.
Update: 14.10.2019 - 13:31 Uhr Kommentieren
Lufthansa: Gewerkschaft Ufo ruft für Sonntag zum Streik auf  Quelle: Reuters
Lufthansa-Maschinen

Passagiere sollen von dem Arbeitskampf nach dem Willen der Lufthansa-Führung so gut wie nichts mitbekommen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Der Dauerstreit zwischen der Gewerkschaft UFO und Lufthansa eskaliert: Die schwer angeschlagene Arbeitnehmervertretung für die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter ruft das Kabinenpersonal von Lufthansa für den kommenden Sonntag zwischen 6 und 11 Uhr in Frankfurt und München zu Arbeitsniederlegungen auf.

„Weitere Streikankündigung auch für andere Flugbetriebe von Lufthansa können ab heute jederzeit folgen“, sagte Daniel Flohr, der stellvertretende Vorsitzende des Interimsvorstands der UFO, in einer Videobotschaft auf Youtube. UFO fordert eine Lohnerhöhung von 1,8 Prozent.

Für die Fluggäste von Europas größter Airline bedeutet das in den kommenden Tagen und Wochen eine große Unsicherheit. Denn es ist kaum abzuschätzen, inwiefern die UFO-Mitglieder dem Aufruf zu Arbeitsniederlegungen folgen werden. Die ständige Auseinandersetzung an der UFO-Spitze und der Streit zwischen der UFO und Lufthansa hat viele Kabinenmitarbeiter ermüdet und frustriert. Flohr gibt sich gleichwohl zuversichtlich, dass die Gewerkschaft die erforderliche Rückendeckung bekommen wird.

Eine andere Chance hat der amtierende UFO-Vorstand wohl auch nicht. Die Gewerkschaft versucht mit dem Streikaufruf den Befreiungsschlag. Sie befindet sich nach jahrelanger Misswirtschaft und einem monatelangen Führungsstreik in einer heiklen Situation. Die finanziellen Mittel sind knapp, gleichzeitig geht ein Riss durch die Arbeitnehmervertretung.

Die einen wollen einen Neubeginn mit einer völlig neuen Führung. Sie werfen den bisher handelnden Personen vor, den Kabinenmitarbeitern einen kaum zu durchschauenden Tarifvertrag eingebrockt zu haben. Die anderen setzen weiter auf die bekannten Namen – allen voran den früheren UFO-Chef Nicoley Baublies, viele Jahre das Gesicht der Gewerkschaft.

Der ist zwar nicht mehr im Vorstand der UFO aktiv und wurde mittlerweile als Flugbegleiter von Lufthansa gekündigt. Doch Baublies zieht als Berater der UFO aktuell wieder die Fäden im Hintergrund.

Gerade diese vertrackte Situation macht es so schwer, die Folgen des Streikaufrufs zu beurteilen. Lufthansa will der UFO den Wind aus den Segeln nehmen, die Passagiere sollen von dem Arbeitskampf so gut wie nichts mitbekommen. Das geht aus einem Schreiben des Arbeitgeberverbands Luftverkehr (AGVL) an die UFO-Vorständin Sylvia De la Cruz hervor, das dem Handelsblatt vorliegt.

Die Frage der Fragen: Ist UFO tariffähig?

„Lufthansa wird die aktuelle Situation signifikant anders handhaben als in der Vergangenheit, denn wir werden planerisch alles tun, um den regulären Flugplan einzuhalten und alle Gäste planmäßig zu befördern“, heißt es dort. Der AGVL verhandelt für Lufthansa die Tarifangelegenheiten.

Gleichzeitig baut die Konzernspitze Druck in Richtung der Kabinenmitarbeiter auf. So wird in dem Schreiben der AGVL dezidiert gewarnt, dass die UFO-Spitze die eigenen Mitglieder mit einem Streikaufruf in eine heikle Situation bringe. Der Hintergrund: Lufthansa hat erhebliche Zweifel am Status der UFO und lässt derzeit gerichtlich prüfen, ob die Gewerkschaft nach den ganzen Querelen noch tariffähig ist. Die Verhandlung hat das Arbeitsgericht auf Ende April kommenden Jahres terminiert.

Im Kern geht es dabei um die aktuelle Besetzung des UFO-Vorstands, der interimistisch besetzt ist. Nach Ansicht von Lufthansa erfolgte das nicht ordnungsgemäß. Zwar hat ein Arbeitsgericht die Nachnominierung kürzlich bestätigt, doch in den Augen der Lufthansa kann sich die UFO nicht auf dieses erstinstanzliche Urteil berufen. „Ihre wiederholten Kommunikationen, die Vertretungsbefugnis des UFO e.V. sei geklärt, sind schlicht unwahr“, heißt es in dem AGVL-Schreiben. Damit sei ein Streik rechtswidrig.

Weiter heißt es: „In einer solchen juristischen Situation gutgläubige Mitglieder, die auf Sie als Organisation und auf Sie als handelnde Personen vertrauen, – so lautet ja Ihre Ankündigung – zum Streik aufzurufen, ist schlicht nicht zu verantworten.“ Lufthansa werde alle Streikaktivitäten dokumentieren, Teilnehmern des rechtswidrigen Streiks das Gehalt individuell kürzen und auch eventuell weitere Konsequenzen einer Teilnahme an einem solchen Streik prüfen.

Zudem droht das Management von Europas größter Fluggesellschaft der UFO mit Schadensersatzklagen, sollte der Streik gerichtlich für illegal erklärt werden. „Dies vorab klarzumachen gebietet die Verantwortung Ihrer Organisation gegenüber – und viel wichtiger: den Mitgliedern gegenüber“, schreibt der AGVL an die UFO.

In der Vergangenheit hat es einen solchen Fall bereits einmal gegeben. Nachdem ein Gericht einen Arbeitskampf der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit verboten hatte, verlangte Lufthansa von der Gewerkschaft 60 Millionen Euro. Zu der Zahlung kam es dann nicht, beide Seiten fanden wieder zueinander. Aber die Unruhe war damals gewaltig.

„Russisch Roulette mit den Passagieren“

UFO will sich davon dennoch nicht beeindrucken lassen. Flohr kritisierte die von Lufthansa angekündigten Maßnahmen als „persönlichen Angriff auf die Mitarbeiter“ und forderte die Mitglieder auf, sich davon nicht von Arbeitsniederlegungen abhalten zu lassen: „Erst wenn ein Gericht etwas anderes sagen sollte, können wir davon ausgehen, dass der Streik nicht rechtens ist. Bis dahin ist er rechtens.“ Der Lufthansa warf er vor, mit dem Verzicht auf einen bei Streiks sonst üblichen Notfallflugplan „russisch Roulette mit den Passagieren“ zu spielen.

Doch ob die Mitglieder dem Team um Flohr die erhoffte Rückendeckung geben werden, ist offen. Denn die UFO-Führung hat sich selbst in ein zeitliches Dilemma gebracht. Am 1. November ist eine Mitgliederversammlung der Gewerkschaft. Dort sollen geregelte Neuwahlen für den Vorstand eingeleitet werden. Dieser Weg wäre wohl der sauberste für einen Neubeginn der Gewerkschaft.

Die amtierende Spitze will aber nicht bis zur abschließenden Neubesetzung der Führung warten.

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