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Tech-Start-up Der gewaltige Absturz des einstigen Vorzeige-Start-ups Staramba

Das einstige Vorzeige-Start-up hat mehr als 100 Millionen Euro an Börsenwert verloren. Zudem wirft die Ausgabe der firmeneigenen Kryptowährung Fragen auf.
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Das Tech-Start-up Staramba ist im Bereich 3D-Druck und Virtual Reality aktiv. Quelle: lev dolgachov/ddp images
Animation eines Frauenkopfs

Das Tech-Start-up Staramba ist im Bereich 3D-Druck und Virtual Reality aktiv.

(Foto: lev dolgachov/ddp images)

Frankfurt Es gab Zeiten, da waren die Fußballer das Aushängeschild von Staramba. Die Ex-Nationalspieler Marko Rehmer und Fredi Bobic ließen sich auf den Hauptversammlungen des Berliner Start-ups blicken, das nach eigenen Angaben 3D-Scans von Prominenten erstellt und um diese Scans eine von Promi-Avataren bevölkerte virtuelle Realität erschaffen will. Gründer und CEO Christian Daudert sagte einem Internet-Finanzportal einmal: „Die Stars sind unser Erfolgsgeheimnis.“

Doch die Stars dürften fernbleiben, wenn Daudert am Freitag zur außerordentlichen Hauptversammlung nach Berlin lädt. Das einstige Vorzeige-Start-up hat einen gewaltigen Absturz hinter sich. Starambas Börsenwert ist von einstmals über 140 Millionen auf unter fünf Millionen Euro abgestürzt.

Der Fall ist ein Lehrstück darüber, welchen Hype börsennotierte Tech-Start-ups auch hierzulande entfachen können, wenn sie nur mit Trendthemen wie 3D-Druck, Virtual Reality und Blockchain-Technologie Anleger locken. Doch für Christian Daudert, der sich einen Namen als Vermögensberater für Profifußballer gemacht hat, scheint diese Wette auf die Zukunft nicht aufzugehen.

Härter könnte es nur die Anleger treffen, unter denen mancher Promi ist, etwa der heutige Eintracht-Sportvorstand Bobic: Eine Kapitalerhöhung, die auf der Hauptversammlung beschlossen werden soll, dürfte den Wert der Anteile weiter drastisch verwässern. Und die firmeneigene Kryptowährung, mit deren Verkauf Staramba nach eigenen Angaben 18 Millionen Euro von Investoren eingenommen hat: derzeit praktisch wertlos.

Daudert versichert, der Handel werde an Umfang gewinnen, wenn auch die virtuelle Welt konkretere Formen annimmt. „Nach gerade einmal einem Jahr Entwicklung sehen wir uns da gut in der Zeit und sind uns sicher, dass die Umsätze ansteigen werden.“

Begonnen hat die Krise Ende Mai 2018: Staramba hatte gerade den Verkauf einer eigenen Kryptowährung gestartet, mit der Kunden in einer virtuellen Welt namens „Materia One“ Grundstücke kaufen können. Dass es von dieser Welt bisher nur ein paar Demovideos gab, bremste die Euphorie der Anleger nicht. Zu dem Zeitpunkt kostete eine Aktie über 64 Euro.

Harter Schlag

Doch dann musste Daudert per Pflichtmitteilung einräumen, dass die Wirtschaftsprüfer der Gesellschaft BDO den Jahresabschluss 2017 nicht testieren wollten. Staramba habe unter anderem für die „Prüfung der Umsatzrealisation“ nicht die erforderlichen Nachweise erbracht, so die Begründung. Im Juni 2019 erneut ein harter Schlag: Staramba musste den Umsatz für 2018 von 17,6 Millionen auf 0,3 Millionen korrigieren. Statt eines Millionengewinns verbuchte die Gesellschaft einen Verlust, der die Hälfte des Grundkapitals auffrisst. Seither hat die Aktie mehr als 96 Prozent an Wert verloren.

Auslöser für die desaströse Ergebniskorrektur nach Aussage von Staramba: Die Einnahmen aus dem Verkauf der hauseigenen Kryptowährung Staramba Token (STT) können nicht wie geplant als Umsatz, sondern nur als Anzahlung verbucht werden. Doch auch unabhängig von der bilanziellen Bewertung wirft der Kryptobörsengang Fragen auf.

400 Millionen Token, wie die Kryptoanteilsscheine genannt werden, hat Staramba nach eigenen Angaben verkauft. 250 Millionen Token gingen nach Angaben von Daudert an einen einzelnen Investor aus Singapur, der die Staramba-Token an die in der Branche wenig bekannte asiatische Kryptobörse Dobitrade gebracht hat. Die Handelshistorie ist auf der Branchenplattform „Etherscan“ öffentlich einsehbar.

Die auf Blockchain-Transaktionen spezialisierte Beratungsfirma Immutable Insight hat sie für das Handelsblatt analysiert – und „Anomalien“ festgestellt. Demnach wurden Staramba-Token rund 9.000-mal bewegt. Auffällig sei etwa, dass ein großer Teil der Transaktionen auf eine sehr geringe und im Zeitverlauf nicht wachsende Anzahl von Kryptoportemonnaies, sogenannten Wallets, zurückgeht, sagt Katharina Gehra, Gründerin von Immutable Insight.

Staramba will von dem Trend zur Virtual Reality profitieren. Quelle: ddp/Harrison Hill-USA TODAY/Sipa USA
Eine Frau mit Datenbrille

Staramba will von dem Trend zur Virtual Reality profitieren.

(Foto: ddp/Harrison Hill-USA TODAY/Sipa USA)

Die Handelsmuster geben den Kryptoexperten von Immutable Insight Rätsel auf: „Token werden tausendfach zwischen verschiedenen Wallets hin- und hergeschoben“, sagt Gehra. „Unabhängige Dritte verhalten sich meistens nicht zufällig nach einem derart gleichförmigen Muster.“ Schließlich, so Gehra, verursache jede Transaktion Kosten; gleichzeitig sei fraglich, warum jemand auf Dauer praktisch wertlose Token transferieren sollte. Ein Staramba-Token hat bei Dobitrade einen Wert von 0,01 Dollar.

Gehras Interpretation: „Es ist zu vermuten, dass hier ein kleiner Nutzerkreis ein großes Karussell dreht, um einen künstlichen Handel mit dem Staramba-Token am Laufen zu halten“, sagt die Analystin. „Das könnte etwa Marketingzwecken dienen. Es wirkt eher wie ein technischer Test von Tradingabläufen als die Schaffung von Wert für einen unabhängigen Käufer.“ Staramba-Chef Daudert erklärt: „Die Staramba hat mit allen damit zusammenhängenden Dingen nichts zu tun. Der Käufer kann mit seinen Token machen, was er will.“ Der Investor wolle vielmehr „eine Arbitrage aus Einkauf und Verkauf erzielen“.

Schwer verkäufliche Token
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