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Technikinvestor Softbank verzichtet auf Milliardendeal mit WeWork

Softbank zieht Finanzspritzen zurück. WeWork steht damit vor neuen Problemen. Und Mitgründer Adam Neumann entgeht knapp eine Milliarde Dollar.
02.04.2020 Update: 02.04.2020 - 06:28 Uhr Kommentieren
Der japanische Investor wollte ursprünglich seinen Aktienanteil an WeWork ausbauen. Quelle: Reuters
Softbank

Der japanische Investor wollte ursprünglich seinen Aktienanteil an WeWork ausbauen.

(Foto: Reuters)

Denver Adam Neumann wollte eigentlich als großer Gewinner aus dem Debakel hervorgehen. Der exzentrische und für seine wilden Partys bekannte WeWork-Gründer musste das Unternehmen im vergangenen Herbst nach dem geplatzten Börsengang verlassen. Doch als Großinvestor Softbank dem von ihm mitgegründeten Start-up milliardenschwere Kredite zusicherte, war auch für Neumann etwas dabei.

Softbank kündigte an, für drei Milliarden Dollar Aktien von früheren Investoren und Mitarbeitern zurückkaufen zu wollen. Allein Neumann sollte seine Anteile für knapp eine Milliarde Dollar versilbern können und im Gegenzug auch seine Stimmrechtsanteile aufgeben, mit denen er den Verwaltungsrat bis dahin dominiert hatte.

Der Deal wurde damals scharf kritisiert: Schließlich war es Neumann selbst, der WeWorks ungesunden und unprofitablen Wachstumskurs vorangetrieben hatte und an dem der Börsengang schließlich gescheitert war. WeWork entließ Tausende Mitarbeiter, doch Neumann sollte seinen Status als Milliardär weiter behalten dürfen.

Nun hat es sich Softbank offenbar anders überlegt. Der japanische Technologiekonzern gewährte im Oktober zwar fünf Milliarden Dollar an Krediten. Doch das Angebot, weitere WeWork-Aktien im Wert von drei Milliarden Dollar von bestehenden Investoren zurückzukaufen, werde der Konzern nun nicht erfüllen. Das teilte Softbank in der Nacht zum Donnerstag mit.

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    Softbank hatte WeWork-Investoren bereits vergangene Woche signalisiert, dass der geplante Rückkauf der Aktien platzen könnte. Der Konzern sah laut Medienberichten laufende Untersuchungen der US-Börsenaufsicht und des Justizministeriums und drohende Klagen gegen WeWork als Gründe an, seine Vereinbarung nicht einhalten zu müssen.

    An den Aktienrückkauf waren auch Kredite in Höhe von weiteren 1,1 Milliarden Dollar gekoppelt, auf die WeWork nun ebenfalls verzichten muss. Neumann und der Risikokapitalgeber Benchmark, ein früherer WeWork-Investor, der von dem Rückkaufprogramm ebenfalls deutlich profitiert hätte, erwägen nun rechtliche Schritte gegen Softbank.

    WeWork wird zum Opfer der eigenen Flexibilität

    Die Coronakrise trifft WeWork hart und offenbart eine große Schwachstelle zu einer denkbar ungünstigen Zeit. Das Start-up setzt auf langfristige Mietverträge und vermietet Büros kurzfristig unter. In einer wirtschaftlichen Krise bleibt das Unternehmen darum auf seinen Verbindlichkeiten sitzen, während die WeWork-Kunden schneller aus ihren Verträgen herauskommen.

    Im Schnitt laufen WeWorks Mietverträge für die modernen Gebäude in bester Lage 15 Jahre. Wie aus dem im vergangenen Juni veröffentlichten Börsenprospekt hervorging, hatte das Start-up damals langfristige Mietverbindlichkeiten in Höhe von 47 Milliarden Dollar.

    WeWork versucht unterdessen selbst, bessere Konditionen mit seinen Vermietern auszuhandeln, wie es in Branchenkreisen heißt. „Die Chancen dafür stehen gerade nicht besonders gut“, glaubt Ruth Colp-Haber vom New Yorker Broker Wharton Property Advisor. Schließlich würde praktisch jeder Büromieter gerade Verträge neu verhandeln wollen, gerade in Städten wie New York, wo die Mieten besonders hoch sind.

    WeWork hatte große Mietverträge bereits vor Jahren in einzelnen Zweckgesellschaften organisiert. Die können im Prinzip pleitegehen, ohne dass das Unternehmen selbst Insolvenz anmelden muss. Bislang hatte WeWork davon nicht Gebrauch gemacht. „Für künftige und andere bestehende Vermieter wäre das ein Alarmsignal“, gibt Colp-Haber zu bedenken. Doch in Ausnahmesituationen wie diesen könne dies eine Möglichkeit sein.

    S&P Global Ratings hat die Bonität des Unternehmens bereits vergangene Woche tiefer in den risikoreichen Junk-Bereich herabgestuft. WeWork „steht vor immer größer werdenden Cashflow- und Liquiditätsproblemen angesichts der unterbrochenen wirtschaftlichen Aktivitäten und einer globalen Rezession“, begründete die Ratingagentur den Schritt. Und es könnte weiter nach unten gehen. Der Ausblick ist negativ.

    „WeWork für den guten Zweck“, so heißt die Initiative, mit der der Bürovermieter in Zeiten von Corona helfen will. Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen und Unternehmen, die aktiv zur Bekämpfung der Krise beitragen, können bis zu drei Monate lang kostenlos WeWork-Büros nutzen, kündigte das Start-up am Mittwoch an. „Wir leben in beispiellosen Zeiten und wissen, dass wir nur gemeinsam nach vorne schreiten können“, heißt es in der Pressemitteilung.

    Viele Kündigungen erwartet

    Die Initiative kann die Probleme des angeschlagenen Start-ups jedoch nicht verdecken: Zwar sind die Büros in den USA und Europa weiter geöffnet. Doch wegen der anhaltenden Coronakrise und der vielen Anordnungen, von zu Hause aus zu arbeiten, sind diese extrem ausgedünnt. WeWork zahlt seinen eigenen Mitarbeitern in den USA einen Bonus von 100 Dollar am Tag, wenn sie trotz des erhöhten Gesundheitsrisikos zur Arbeit erscheinen und die Bürogebäude am Laufen halten.

    Branchenkenner rechnen mit hohen Mietausfällen. Rund 30 Prozent der WeWork-Kunden haben Branchenschätzungen zufolge ohnehin nur kurzfristige Mietverträge, die sie innerhalb eines Monats kündigen können. Doch angesichts der schweren wirtschaftlichen Krise wird es auch bei größeren Kunden zu Zahlungsausfällen und Pleiten kommen, wie Makler in New York berichten.

    Das Problem trifft auch andere Coworking-Anbieter. Nach dem geplatzten Börsengang im vergangenen Herbst ist das einst so gehypte Start-up jedoch ohnehin schon in einer finanziell extrem angespannten Lage. Im vergangenen Sommer war WeWork noch 47 Milliarden Dollar wert und das wertvollste Start-up der USA.

    Doch zu der hohen Bewertung konnte das Unternehmen keine Investoren finden, die bei einem Börsengang Interesse an Aktien hatten. Großinvestor Softbank musste einspringen, um das Unternehmen vor der Pleite zu retten. Die Bewertung fiel daraufhin auf rund acht Milliarden Dollar zusammen.

    Mehr: Softbank legt 38-Milliarden-Euro-Paket gegen den Aktienkollaps auf

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