Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Tourismus Erste Reisebüros verlieren das Vertrauen in Thomas Cook

Ein Bankenwechsel des angeschlagenen Touristikriesen Thomas Cook sorgt unter den Reiseagenturen für Aufregung. Die Nerven liegen blank.
Kommentieren
Für den nach Tui zweitgrößten Reiseveranstalter der Welt sieht es derzeit keineswegs rosig aus. Quelle: dpa
Reisebüro von Thomas Cook in Hamburg

Für den nach Tui zweitgrößten Reiseveranstalter der Welt sieht es derzeit keineswegs rosig aus.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer finanziell angeschlagene Reisekonzern Thomas Cook („Neckermann“, „Öger“, „Condor“) sorgt in der Touristikbranche erneut für Verunsicherung. Von vielen Agenturen offenbar unbemerkt, änderte der Deutschlandableger in Oberursel in den vergangenen Wochen seine Bankverbindung. Statt wie bisher zur Commerzbank fließen die Kundengelder nun zu Unicredit – ein stiller Wechsel, der kaum aufgefallen wäre, hätte es nicht eine ärgerliche Panne gegeben.

Dabei liegen im Fall von Thomas Cook schon jetzt die Nerven blank. Vor wenigen Tagen erst offenbarte der an der Londoner Börse gelistete Konzern einen Halbjahresverlust von 1,46 Milliarden Pfund (rund 1,6 Milliarden Euro) vor Steuern – und das bei einer Nettoverschuldung von 1,25 Milliarden Pfund.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) senkte daraufhin die Bonitätsnote auf „CCC+“, was einem schrillen Alarm gleichkommt. Fast jedes dritte Unternehmen, das bislang eine solche Bewertung erhielt, meldete innerhalb der darauffolgenden zwölf Monate Insolvenz an.

Entsprechende Aufregung verursachte deshalb nun der Bericht einer Reiseagenturchefin aus Niedersachsen in einem Internetforum. In ihrem Reisebüro habe eine Kanaren-Urlauberin bei Neckermann gebucht, das Restgeld aber wegen einer ungültigen Bankverbindung nicht überweisen können. Die Kundin, von Beruf Rechtsanwältin, habe aus Oberursel die Auskunft erhalten, „dass Thomas Cook aktuell Probleme mit der Bank hat“.

Bei Commerzbank und Thomas Cook heißt es dazu jetzt auf Anfrage, es habe am 3. Juni zwischen Mitternacht und 8.30 Uhr ein IT-Problem mit dem Kontozugang gegeben. Doch wozu überhaupt wechselte Thomas Cook in Deutschland die Geschäftsbank?

Beim Frankfurter Kreditinstitut will man die Gründe mit Verweis auf das Bankgeheimnis nicht erläutern, Thomas Cook schildert den Vorgang als Routinesache. Die Firma habe den Banking-Tender für Kontinentaleuropa 2017 neu ausgeschrieben, erklärt ein Sprecher. Unicredit habe schlicht die besseren Konditionen versprochen.

Dass inzwischen solche kleine Zahlungsunregelmäßigkeiten bei der Neckermann-Mutter die Branche in Unruhe versetzen, hat einen Grund: Für den nach Tui zweitgrößten Reiseveranstalter der Welt läuft es alles andere als rosig.

Weil Vorstandschef Peter Fankhauser kein Rezept findet, das sieche Pauschalreisegeschäft in Schwung zu bringen, schreibt die 1841 gegründete Reisefirma seit Langem rote Zahlen. Den Einstieg in die lukrative Kreuzfahrt hat der Konzern verpasst, das Großbritannien-Geschäft leidet, weil der bevorstehende Brexit und das geschwächte Pfund Urlaubsreisen ins Ausland verteuern.

Analysten setzen Kursziel auf null

Manche rechnen mit dem Schlimmsten. Analysten der Citigroup korrigierten das Kursziel der Aktie Mitte Mai auf „null“. S&P legte wenige Tage später nach. Thomas Cook sei nur noch von außen zu helfen, schreibt die Ratingagentur in ihrem aktuellsten Bericht. „Wir verfügen über die notwendigen Mittel, um unser Geschäft zu betreiben“, hält eine Konzernsprecherin dagegen.

Dennoch bemüht sich Vorstandschef Fankhauser in Verhandlungen, den Schuldenberg in den Griff zu bekommen. Schon vor wenigen Monaten stellte er die konzerneigene Luftflotte um den Ferienflieger Condor zum Verkauf, um den finanziellen Puffer für das künftige Geschäft zu erhalten. Lufthansa, Virgin Atlantic und Ryanair bekundeten Interesse, eine konkrete Vereinbarung aber fehlt bislang.

Mindestens 1,1  Milliarden Dollar, rechnen Analysten vor, müsste der Verkauf in die Kasse spülen. Ob dies gelingt, ist jedoch unsicher. „Es gibt Überkapazitäten im Flugmarkt“, warnt S&P, „die sowohl die Bewertung wie auch das Timing ungewiss machen.“

Ohne Verkaufsfortschritte im Airlinegeschäft würde es brenzlig. Von ihnen haben die Konsortialbanken vor einigen Wochen einen möglichen Zusatzkredit über 300 Millionen Pfund abhängig gemacht. Wird er verweigert, könnte es ab Oktober, wenn das Urlaubsgeschäft erlahmt, laut S&P zu einem Engpass kommen.

Auch eine Rettung durch den Großaktionär Fosun Tourism aus Schanghai, der aktuell gut 18 Prozent der Stimmrechte besitzt und über einen Komplettkauf nachdenkt, wäre ohne den vorherigen Verkauf der Airlines unwahrscheinlich. Denn gerieten Condor & Co. mehrheitlich in die Hand von Chinesen, verlören sie automatisch die Flugerlaubnis innerhalb Europas.

Für Hoffnung sorgt zumindest ein vorläufiges Angebot von Triton Partners. Der Finanzinvestor zeigt Interesse an Thomas Cooks Skandinaviengeschäft. Allerdings: Ohne diese rentable Sparte, die im vergangenen Jahr operativ 108 Millionen Euro verdiente, sähe die Lage des Konzerns wohl noch trüber aus.

Unterdessen sorgen sich Reisebüros, von Kunden bei Ausfällen in Regress genommen zu werden. „Zum Schutz unserer Kunden haben wir die Vermittlung jeglicher Produkte des Thomas-Cook-Konzerns ausgesetzt“, schrieb ein Vertriebspartner in Süddeutschland an einen Kreis von Kollegen. „Sollten Kunden trotzdem auf die Buchung im Thomas-Cook-Konzern bestehen, müssen wir uns vom Kunden unterschreiben lassen, dass er über die Probleme informiert wurde.“

Auch eine Agenturchefin nahe Hamburg bestätigt auf Anfrage, dass man sich große Sorgen mache. Thomas Cook hält diese Reaktionen für Einzelfälle.

Mehr: Mit Pauschalreisen konnten Reiseveranstalter jahrzehntelang Gewinne einstreichen. Doch inzwischen verlieren die Paketangebote bei den Kunden deutlich an Interesse.

Startseite

Mehr zu: Tourismus - Erste Reisebüros verlieren das Vertrauen in Thomas Cook

0 Kommentare zu "Tourismus: Erste Reisebüros verlieren das Vertrauen in Thomas Cook"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote