Tourismus in Griechenland Warum die Deutschen Hellas trotzdem lieben

In Athen protestieren tausende Griechen gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Doch deutsche Touristen lassen sich davon nicht abschrecken. Warum Griechenland jetzt wieder so ein beliebtes Reiseziel ist.
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Die Zahl der Reisenden nach Griechenland hat einen neuen Höchststand erreicht. Quelle: AFP
Urlauber am Strand von Athen

Die Zahl der Reisenden nach Griechenland hat einen neuen Höchststand erreicht.

(Foto: AFP)

DüsseldorfEs wird langsam eng an der Akropolis. Im vergangenen Jahr haben fast 170.000 Menschen die griechische Touristenattraktion besucht, fast 40.000 mehr als noch 2013. Zur Urlaubszeit drängen die Touristenmassen durch das antike Erbe der Metropole. Darunter sind auch etliche Deutsche, denn das Ägäis-Land ist so beliebt wie lange nicht mehr. Auch wenn im Regierungsviertel gegen die Sparpolitik der deutschen Kanzlerin Angela Merkel protestiert wird, kommen die Deutschen wieder gerne nach Griechenland.

„Es gibt bislang keine Anzeichen dafür, dass die Deutschen aufgrund der veränderten politischen Situation in Griechenland weniger Lust auf Reisen dorthin hätten“, sagte Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV) zur Internationalen Tourismus-Börse (ITB) den „Ruhr Nachrichten“. „Wir sind wieder auf dem Niveau von vor der Krise angelangt, nachdem wir zwischendurch Rückgänge von über 30 Prozent hatten.“

Insbesondere in den Jahren 2011 und 2012 hatte der Tourismus in Griechenland sehr gelitten. „Die Bilder von Demonstrationen in Athen und die zahlreichen Streiks haben viele deutsche Urlauber abgeschreckt“, sagt Sibylle Zeuch, Sprecherin des DRV. Deshalb seien viele Deutsche auf alternative Reiseziele ausgewichen. Die Reiseveranstalter reagierten, senkten die Preise um durchschnittlich zehn Prozent. Seitdem sind die Preise konstant, das Preisleistungs-Niveau im Vergleich zu anderen Regionen stimmt, und die Buchungszahlen steigen wieder. „Die Deutschen sind gerne zurückgekommen“, sagt Zeuch.

Der Reiseboom zu griechischen Küsten und Inseln ist mehr als nur ein Strohfeuer, davon ist sie überzeugt. Die Zahl der Reisenden aus Deutschland ist 2014 gegenüber 2013 um 8,6 Prozent auf rund 2,5 Millionen Gäste gestiegen. Das Geld, das deutsche Urlauber in Griechenland ausgeben, ist mit zwei Milliarden Euro auch um 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Allerdings sinken damit die Urlaubsausgaben pro Kopf. Insgesamt brummt das Geschäft. Die Zahl der Reisenden erhöhte sich 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent, bereits damals kamen fast 18 Millionen Touristen – ein Rekordjahr für das Land.

Tourismustrends: So verreisen die Deutschen

Volle Hotels sind für den Tourismus im Land wichtig. Die Prognosen für 2015 fallen positiv aus, bestätigt Elena Kountoura, die für Tourismus zuständige stellvertretende griechische Wirtschaftsministerin. Es sind mehr Linienflüge geplant und mit 25 Millionen Gästen im laufenden Jahr werden mehr Touristen als je zuvor nach Hellas reisen. Davon gehen jedenfalls die Organisation Marketing Greece und der Verband der Griechischen Tourismusunternehmen aus. Die Frühbuchungen für die diesjährige Reisesaison lassen darauf schließen.

Am Aufwärtstrend ändert die aktuelle wirtschaftliche Krise bisher nichts. Auch wenn die griechische Regierung, allen voran Premierminister Alexis Tsipras, zurzeit mit immer neuen Drohungen vor allem gegen Deutschland wettert. Der politische Konflikt erhitzt die Gemüter, in Athen kommt es immer wieder zu Protesten und Streiks. Allein im Februar versammelten sich zehntausende Tsipras-Anhänger zu Demonstrationen gegen das Sparprogramm. Es wurden EU-Flaggen angezündet und Plakate gezeigt, auf denen Bundeskanzlerin Merkel mit Hitlerbärtchen oder Hakenkreuz-Armbinde zu sehen war.

Gewalt gegen deutsche Touristen ist in den Urlaubsgebieten trotzdem nicht zu erwarten. Aktuell empfiehlt das Auswärtige Amt allerdings den deutschen Touristen, sich von Demonstrationen und Menschenansammlungen fernzuhalten und sich bei Gastgebern und Reiseveranstaltern über die aktuelle Lage zu informieren. Protestkundgebungen würden in der Regel friedlich verlaufen, aber es sei auch schon zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Gezielte Anschläge gegen Urlauber habe es aber bisher nicht gegeben. Die aktuelle Lage werde ständig überprüft, gegebenenfalls werden die Sicherheitshinweise direkt aktualisiert.

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8 Kommentare zu "Tourismus in Griechenland: Warum die Deutschen Hellas trotzdem lieben"

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  • Weil die Deutschen einfach ein rückgratloses Volk sind!

  • "kurzfristige Streiks können die Ein/Ausreise behindern" - ist die Rede von Deutschland oder Griechenland? Oder beidem? Also nirgendwo habe ich bislang so viele Probleme wg. Streiks gehabt wie in Deutschland.Natürlich mag ich die Griechen, man kann nicht alle über einen Kamm scheren, die Gastfreundschaft ist bezeichnend und ich fahre da gerne hin, das macht mir auch die Lumpenregierung in Athen nicht zuwider! Denn: Spätestens nach dem 5. Ouzo sind wir doch alle Griechen :)!

  • Der deutsche Tourist ist von Natur aus dämlich.
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Der Deutsche fährt aus dem gleichen Grunde nach GR aus dem der auch Angela und die Blockparteien wählt. Eine ungesunde Mischung aus Lern-und Erkenntnisresistenz, Masochismus und Hang zur Selbstzerstörung.

  • Tut mir leid, aber in ein Land welches so viel Abneigung gegen mein eigenes Land zeigt, fahre ich nicht in Urlaub.

  • Wieso dorthin fahren? In den Ballungszentren und Metropolen haben wir die Kultur und das Leben doch direkt vor der Haustür. Das Flair, allem voran die türkische mit ihren Muslimas, ist doch nett. Das Geld, wenn es auch für den deutschen Rucksackträger billiger ist, kann man sich doch sparen. Die Kinder und Enkelkinder werden in Zukunft den Unterschied nicht metken, wo sie sich momentan aufhalten. Die Sprache ist jedenfalls in der Regel nicht deutsch. Ach so, das Meer könnte eventuell in Dortmund, Dusiburg, Köln, Berlin, Frankfurt, Offenbach bis nach München in der Kaufunger Strasse feheln. Das könnte den Kindern auffallen.

    Wieso nicht nach Florida oder Kalifornien. Da könntrn Sie ihre englische Sprache für die Schule verbessern. Da kann man meherere Fliegen mu einer Klappe...

    Ach so, der Euro.....

    Ja, wenn das mal wieder keine Berechnung ist fahren dann der deutsche Michel mit der Familie an die türkische Riveria in die Sommerhitze. Das ist billiger und zwar in allen Belangen. Das sieht man wieder wie arm man ist und der Euro nichts wert ist, weil man sich andere Urlaube in den USA, Kanada, skandinavische Länder bis hin zum Berner Oberland oder z.Zt. die Skigebiete in Adelboden, St. Moritz u.a.nicht leisten kann, die nur für Pivilegierte uns sonstige Promis indrekt abgeschottet sind. Genau ist es in den Ballungsräumen und in den Ghettos. Wer von denen wohnt da tatsächlich, lässt seine Kinder oder Enkel mit der S-Bahn fahren und schickt sie dort in den Kindergarten oder Schule? Bitte nenne mir jemand einen bekannten Namen. Der Rest der Bevölkerung kann in den o.a. Städten u.v.m. regelrecht die Fehlentwicklungen vor Ort erleben. Die Verantwortlichen wohnen nicht dort und fahren dorthin, wo der Rest nicht ist. Also keinerlei Berührunsprobleme. Warum auch sich das antun. Du aber nix wissen.

  • Also, wir haben unsere Planung für einen Urlaub in Griechenland im Sommer 2015 aufgrund der aktuellen Entwicklungen fallen lassen.

  • Ich fahre seit Jahren nach Griechenland, kenne viele Inseln.
    Leider hat sich in den letzten Jahren vielen zum Schlechten für die Menschen entwickelt. Mittlerweile gibt es auch die miesen Lidl&Co.., und es wir nicht mehr lange dauern bis die guten Nahrungsmittel durch den bei uns bereits üblichen Dreck ersetzt werden. Die Großkonzerne drängen ins Land und die Verbrecher der Troika ebenen ihnen den Weg. Nicht nur im Nahrungsmittelbereich.
    Wer Griechenland kennt, hat erkannt, dass man dort schon aus geografischen Gründen niemals eine Produktivität wie hier erreichen kann.
    Ansonsten ist es halt wie in vielen südlichen Ländern: Die Menschen zählen noch etwas, man arbeitet um zu leben, es wird nicht alles dem Mammon untergeordnet. Werte zählen noch etwas!
    Vieles, was bei uns bereits durch den neoliberalen Irrsinn verdrängt wurde gibt es dort noch. Und deshalb auch in diesem Jahr wieder Griechenland.
    Es bleibt zu hoffen, das die Griechen auch in diesem Jahr wieder zwischen Freunden und Feinden unterscheiden können - in den letzten Jahren hatten sie da immer ein gutes Gespür! Aber die Armut greift mächtig um sich.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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