Tourismus leidet unter Vulkanausbruch Verheerende Wolke über Bali

Eine Aschewolke stürzt die indonesische Ferieninsel Bali in eine wirtschaftliche Krise. Der Flughafen ist nach dem Ausbruch des Vulkans Agung zwar wieder offen. Doch Tourismusmanager fürchten monatelange Einbußen.
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Auf Bali wird es langsam heiß

Auf Bali wird es langsam heiß

BangkokAuf die Frage, wie es ihm gehe, antwortet Hotelier Stefan Müller so, als hätte er gerade einen schweren Unfall knapp überstanden. „Den Umständen entsprechend gut“, sagt der deutsche Chef des Fünf-Sterne-Hauses Prama Sanur Beach, das im Süden der indonesischen Ferieninsel Bali liegt. Der Grund für die getrübte Stimmung liegt rund 50 Kilometer nordöstlich: Dort stößt der Vulkan Agung seit Tagen furchteinflößende Rauchwolken in die Luft. Müller beobachtet das Naturschauspiel über eine 24-Stunden-Webcam: „Die Aschewolke, die dort zuletzt rausgekommen ist, war schon ziemlich extrem.“

Für die Tourismusindustrie von Bali, eines der populärsten Urlaubsziele weltweit, sind die ausgestoßenen Partikel die größte Gefahr. Denn während sich mögliche Lavaströme fernab der touristischen Zentren auf der Insel ergießen würden, hat die Asche in Balis Luft schon jetzt spürbare Konsequenzen: Sie ist für den Luftverkehr ein erhebliches Risiko. Die Behörden schlossen deshalb am Montag den sonst so betriebsamen Flughafen in der Inselhauptstadt Denpasar. Rund 1300 Flugverbindungen wurden gestrichen, Zehntausende Urlauber saßen zuletzt auf der Insel fest.

Bali: Tourismus leidet unter Ausbruch des Mount Agung Quelle: dpa
Mount Agung auf Bali

Der Ausbruch des Vulkans trifft mit dem Tourismus einen der wichtigsten Wirtschaftszweige der Ferieninsel.

(Foto: dpa)

Der Mittwoch brachte zwar vorerst Erleichterung: Der Wind blies die Asche in eine andere Richtung. Die ersten gestrandeten Flugzeuge konnten Bali wieder verlassen. Doch die Unsicherheit bleibt: Wann dreht der Wind wieder?

Hotelmanager Müller sieht in der unklaren Lage das Hauptproblem: „Der Vulkanausbruch an sich ist nicht so schlimm“, sagt er. „Die Leute fragen sich aber, ob sie Bali wieder wie geplant verlassen können. Das Risiko wollen viele nicht eingehen, gerade wenn sie in größeren Gruppen reisen.“ Viele Stornierungen trafen deshalb bereits seit September, als es die ersten Anzeichen für einen bevorstehenden Ausbruch gab, bei Müller ein.

Jetzt ist die Auslastung in seinem rund 400 Zimmer großen Resort merkbar niedriger als normalerweise zu der Jahreszeit. „Auch die Last-Minute-Buchungen über Weihnachten und Neujahr dürften wahrscheinlich nicht so ausfallen, wie wir uns das vorgestellt haben.“

Inferno im Paradies
Höchste Alarmstufe
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Eine riesige Rauchsäule steigt am Montagmorgen auf der Urlaubsinsel Bali über dem Vulkan Mount Agung auf und zeugt von zunehmender Aktivität des Vulkans. Der seit Wochen rumorende Agung hat nach einer Eruption Asche Hunderte Meter hoch in die Luft geschleudert. Weil die Aktivität messbar zunimmt, haben die Behörden die höchste Alarmstufe ausgerufen.

Quelle: AP

Gefahrenzone
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Die Evakuierung findet in einem Umkreis von 10 Kilometern um den Vulkan statt. Nach Angaben des indonesischen Katastrophenschutzes müssen etwa 100.000 Menschen die Gefahrenzone verlassen. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen bauen Zelte zur Übernachtung auf.

Evakuierung
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22 Dörfer sind von der Evakuierung betroffen, erklärte Behördensprecher Sutopo Purwo Nugroho bei einer Pressekonferenz in Jakarta. Von den 100.000 Betroffenen hätten bisher nur 40.000 die Gefahrenzone um den Vulkan verlassen.

Durchkämmen
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Viele Menschen fühlen sich sicher oder wollen ihr Vieh nicht zurücklassen. Einsatzkräfte durchkämmten daher das Gebiet, um Anwohner von der Notwendigkeit zu überzeugen, sich in Sicherheit zu bringen. Wenn es nötig sei, würde die Evakuierungszone auch mit Gewalt geräumt, heißt es.

Alles unter Asche
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Die Bewohner tragen Atemschutzmasken gegen die Asche, die der Agung kilometerweit in die Luft wirbelt. Im Dorf Jungutan zeigt sich eine dicke Ascheschicht, die sich auf den grünen Bättern einer Pflanze abgelagert hat.

Flugverkehr
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Nach Eruptionen am Samstag und Sonntag schoss aus dem orange glühenden Krater eine Aschesäule bis zu 4000 Meter in die Höhe. Der internationale Flughafen wurde für 24 Stunden geschlossen, Zehntausende Reisende sitzen auf der Insel fest. Die Aschewolke zog in Richtung der indonesischen Nachbarinsel Lombok, wo ebenfalls ein kleinerer Flughafen vorübergehend geschlossen werden musste.

59.000 Reisende sitzen fest
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Etwa 445 Flüge wurden gestrichen, weil die von Agung ausgespuckte Asche in den Luftraum des Flughafens Denpasar zog. 59.000 Reisende seien betroffen. Die Schließung des Flughafens ist vorerst bis Dienstagmorgen angeordnet.

Der Tourismus ist Balis Haupteinnahmequelle. Von den rund zwölf Millionen Touristen, die ganz Indonesien im vergangenen Jahr empfangen hat, reisten fast fünf Millionen auf die Insel. Die lokale Tourismuswirtschaft rechnet damit, dass jede einzelne Stornierung im Schnitt zu einem Einnahmeausfall von umgerechnet rund 800 Euro führt. Allein die Zeit der Flughafensperre habe einen Schaden von 18 Millionen Dollar täglich verursacht, schätzt das Beratungsunternehmen Concord Consulting.

Neben den Hotels sind Fluglinien besonders stark betroffen: Indonesiens nationale Fluglinie Garuda Indonesia kostet jeder Tag, an dem Bali nicht angeflogen werden kann, Analysten zufolge rund 300.000 Dollar. Die Billigairline Air Asia muss täglich auf rund 250.000 Dollar verzichten. Auch nach der Öffnung des Flughafens könnten noch mehrere Tage vergehen, bis der Flugplan wieder eingehalten werden kann.

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  • Mit Naturphänomenen musste man sich schon immer abfinden. Das wird wohl auch in Zukunft so bleiben. Das Einzige, was uns da übrigbleibt, ist – neben geeigneten Schadensvorbeugungs- und Schutzmaßnahmen, natürlich - uns gegenseitig so gut wie möglich zu unterstützen, um die Folgen wenigstens abzumildern.

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