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Tourismus Wie Barcelonas Bürgermeisterin den Kampf gegen Airbnb anführt

Die Metropole geht mit akribischen Kontrollen und hohen Strafen gegen die Plattformen vor. Die harte Linie zeigt bereits erste Erfolge.
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„Ich werde Airbnb weiter bestrafen, bis sie sich an das Gesetz halten.“ Quelle: Reuters
Ada Colau

„Ich werde Airbnb weiter bestrafen, bis sie sich an das Gesetz halten.“

(Foto: Reuters)

MadridBevor Ada Colau 2015 Bürgermeisterin von Barcelona wurde, hatte sie sich als Aktivistin einen Namen gemacht. Nach dem Platzen der spanischen Immobilienblase gründete sie eine Initiative, die sich gegen Zwangsräumungen von Wohnungen einsetzte. Und auch als Stadtherrin hat sie sich den Immobilienmarkt vorgenommen.

Colau machte dabei rasch einen neuen Gegner aus: Kurzzeitvermietungen an Touristen über Airbnb und Co. Die sorgen ihrer Ansicht nach für immer knapperen Wohnraum in der Stadt. Hinzu kam der Verdacht, dass kaum ein Privatvermieter seine Einnahmen beim Finanzamt meldete.

So ist Colau mit akribischen Kontrollen, harten Strafen und einer strikten Regulierung gegen die Plattformen vorgegangen und hat dafür gesorgt, dass Barcelona als eine der ersten Städte weltweit Zugang zu allen Daten der annoncierten Wohnungen erhält. Die Stadt könnte damit Vorbild für Versuche von zahlreichen Metropolen sein, die an Vorschriften für den neuen Übernachtungsmarkt arbeiten.

Einfach war der Kampf von Colau nicht. Sie verpflichtete die Portale zunächst, alle Angebote bei der Stadt zu registrieren und nur noch die zu veröffentlichen, die eine entsprechende Lizenznummer besitzen. Um eine Lizenz zu erhalten, müssen alle Daten der Unterkunft – inklusive Adresse und Ausweisnummer des Vermieters – vorliegen. So lassen sich die Angaben tatsächlich auch vor Ort überprüfen.

Barcelona ist Vorreiter im Kampf gegen Vermietungsplattformen

Colau stellte einen Prüftrupp zusammen, der inzwischen auf 74 Personen angewachsen ist. Die machten sich ausschließlich auf die Suche nach illegalen Ferienwohnungen – online, aber nach Beschwerden von Nachbarn häufig auch direkt vor Ort.

Als sich die Anbieter weigerten, die so aufgespürten Wohnungen ohne Lizenz aus ihren Angeboten zu streichen, belegte Colau Airbnb und Homeaway zunächst mit je 30.000 Euro Strafe und Airbnb 2016 zusätzlich mit 600.000 Euro. „Ich werde Airbnb weiter bestrafen, bis sie sich an das Gesetz halten“, wetterte die linke Bürgermeisterin.

Airbnb will zwar nicht zahlen und ist gegen die Strafe vor Gericht gezogen. Aber inzwischen hat der Marktführer 5000 illegale Angebote von seiner Seite genommen und versprochen, mit der Stadt bei der Suche nach Anbietern ohne Lizenz zu kooperieren.

Seit Anfang Juni gewährt Airbnb Colau dafür Zugang zu sämtlichen Wohnungsdaten in seinem Portal. Das Rathaus zeigt sich zufrieden, wenngleich nicht wunschlos glücklich: Sein Suchtrupp fand jüngst immer noch 1500 illegale Angebote – 1000 davon bei Airbnb – und forderte die Betreiber erneut auf, sie aus dem Angebot zu streichen.

Für Jeroen Oskam, Chef des Forschungsinstituts der Hotelfachschule Den Haag, ist die Öffnung des Datenpools von Airbnb ein entscheidender Fortschritt: „Nur mit einer solchen Transparenz über die Daten lässt sich das Angebot wirkungsvoll kontrollieren. Barcelona und San Francisco haben das als erste Städte erreicht und sind deshalb Vorreiter bei der Regulierung von Airbnb.“

Colau tauscht sich über das Thema regelmäßig mit anderen Metropolen aus. Zuletzt sprach sie im Juli mit ihren Kolleginnen aus New York, Montreal und Paris darüber.

Das starke Wachstum der Plattformen stellt die Stadtverwaltungen vor ein Problem. Gibt es auf dem Markt viele unbekannte Vermieter, verlieren sie den Überblick über die vorhandenen Übernachtungskapazitäten und damit auch jede Möglichkeit, das Angebot zu steuern. Barcelona etwa hat bereits vor drei Jahren ein Moratorium für den Neubau von Hotels verhängt, um dem Touristenansturm in der Stadt zu begegnen.

Spanien hat in den vergangenen Jahren einen Touristenboom erlebt. Was zunächst wegen der konjunkturellen Effekte alle freute, sorgte in den Urlaubsorten schnell für Unmut. In Barcelona kommen inzwischen auf jeden Einwohner pro Jahr fast fünf Touristen. 18 Prozent von ihnen buchen ihre Übernachtung bei Airbnb.

Hinzu kommen Kreuzfahrtschiffe, deren Gäste zwar nur für Stunden, dafür aber zu Tausenden an Land strömen und die Innenstädte fluten. Einwohner sprühen ihren Protest bereits in Form von Sprüchen wie „Tourist go home“ an Hauswände.

Laut dem europäischen Statistikportal Statista ist Barcelona die EU-Metropole, die am stärksten unter dem überbordenden Tourismus leidet. In etlichen Straßenzügen der Altstadt dominieren Souvenirläden statt lokaler Geschäfte das Bild. Nachbarn ärgern sich über laute Partygäste in privaten Ferienwohnungen und machen die Mietportale für den drastischen Anstieg der Mieten mit verantwortlich, weil sie das Angebot an Wohnraum im Zentrum reduzierten.

Maßnahmen von Ibiza und Palma sind wenig effektiv

In den vergangenen vier Jahren sind die Mietpreise in Barcelona um 40 Prozent gestiegen, in Madrid um 30 Prozent. Der krasse Anstieg reflektiert den für Spanien neuen Trend zur Miete statt zum Hauskauf.

Auf Ibiza fanden Saisonarbeiter im vergangenen Sommer keine Unterkünfte mehr und mussten zum Teil in Autos schlafen, weil alle Wohnungen an Touristen vermietet waren. So gut wie alle Gemeinden der Insel haben deshalb die Vermietung von Ferienwohnungen diesen Sommer verboten. Die mallorquinische Inselhauptstadt Palma erlaubt nur noch die Vermietung von kompletten Häusern.

Besonders effektiv scheinen die Maßnahmen jedoch nicht zu sein: Obwohl Anbietern, die dagegen verstoßen, Strafen bis zu 400.000 Euro drohen, finden sich auf den Portalen weiter diverse Angebote für Ferienwohnungen.

Die Stadt könnte damit Vorbild für Versuche von zahlreichen Metropolen sein, die an Vorschriften für den neuen Übernachtungsmarkt arbeiten. Quelle: picture alliance / AA
Demonstration in Barcelona

Die Stadt könnte damit Vorbild für Versuche von zahlreichen Metropolen sein, die an Vorschriften für den neuen Übernachtungsmarkt arbeiten.

(Foto: picture alliance / AA)

Airbnb selbst fühlt sich ungerechtfertigt an den Pranger gestellt und betont, das Geschäftsmodell helfe spanischen Familien, vom Tourismus zu profitieren. „Über 70 Prozent der Vermieter teilen ihre eigene Wohnung und erhalten 97 Prozent der Mieteinnahmen“, erklärt der Konzern.

Eine Studie aus dem Jahr 2015 kommt aber zu dem Ergebnis, dass sich der Konzern von seiner ursprünglichen Idee der Sharing-Economy wegbewegt hat. Demnach kontrollierten in Barcelona damals 2,5 Prozent der Airbnb-Vermieter 30 Prozent des gesamten Angebots. 60 Prozent aller Angebote stammten von Nutzern, die mehr als eine Wohnung auf der Plattform feilboten.

Sofia Ruiz, Finanzexpertin der EAE Business School in Madrid, warnt ihre Landsleute allerdings davor, zu weit zu gehen. „Man sollte Mietplattformen nicht verteufeln“, warnt sie. Ruiz arbeitet gerade an einer Studie zum Einfluss von Airbnb auf die Mietpreise in Madrid. „Oftmals sorgen die Mieteinnahmen dafür, dass Hausbesitzer ihre Immobilien renovieren und eher vernachlässigte Stadtviertel durch die Touristen neu belebt werden.“

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