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Tourismus Wo diesen Sommer hohe Urlaubssteuern drohen

Wer diesen Sommer verreist, den erwartet am Ende nicht selten eine teure Überraschung. Zahlreiche Ferienregionen bitten jetzt zusätzlich zur Kasse.
17.07.2018 - 12:18 Uhr Kommentieren

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Düsseldorf Überfüllte Strände, malerische Altstädte ohne Durchkommen, Urlauberschlangen vor Hotels und Restaurants – Stadtväter und -mütter in unzähligen überlaufenen Ferienorten setzen diesen Sommer auf ein rabiates Mittel, den übermäßigen Ansturm von Touristen einzudämmen: Kurtaxen, Ökosteuern und Übernachtungsabgaben.

Nicht selten stärken die Zusatzeinnahmen am Ende wieder die touristische Attraktivität der Urlaubsorte, weil ein Großteil der Gelder etwa in die Verkehrsplanung oder die Wifi-Verfügbarkeit fließt. Auch Umweltprojekte oder kulturelle Einrichtungen profitieren von den Einnahmen.

Doch die unübersichtliche Gesetzgebung in den Ländern Europas sorgt inzwischen für reichlich Verwirrung bei den Urlaubern. Dass die Steuern oft kurzfristig erhöht werden, macht die Sache kaum besser. „Die Verunsicherung der Reisenden zeigt sich in den vielen Nachfragen unserer Kunden“, berichtet Johannes Siebers von der Ferienhaus-Suchmaschine Holidu, einem 2014 gegründeten Start-up.

Das Münchener Vergleichsportal hat jetzt überprüft, wo Urlauber in diesem Jahr mehr zahlen müssen als bisher. Heraus kam dabei, dass Mieter von Ferienhäusern von manchen Kommunen inzwischen mit bis zu zehn Prozent zusätzlich zur Kasse gebeten werden.

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    Teurer wird es dieses Jahr auf jeden Fall auf der Lieblingsinsel der Deutschen, Mallorca. Das Balearen-Eiland von der Größe des Saarlands schuf bereits 2016 eine Kurtaxe. Weil das den Strom der Urlauber 2017 jedoch nicht bremste – mit zwölf Millionen Touristen kamen sogar zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor –, verdoppeln sich die Abgaben in diesem Jahr. So zahlt der Gast eines Vier-Sterne-Hotels in der Hauptsaison pro Tag vier Euro für die „Ecotasa“, eine angebliche Ökosteuer.

    Je nach Unterkunft kann dieser Betrag allerdings variieren: Günstiger als in den Luxushotels wird es in Ferienapartments. In der sogenannten „Drei-Schlüssel-Kategorie“, einem mittleren Standard, werden nur drei Euro pro Tag und Person fällig.

    Von den durchschnittlich 1.834 Euro, die auf der spanischen Insel ein mit vier Personen belegtes Ferienhaus pro Woche kostet, gehen so 84 Euro für die „Ecotasa“ drauf, mithin vier Prozent der Kosten. Kleiner Trost: Bei Kindern unter 15 Jahren drückt der Fiskus ein Auge zu.

    Verdoppelt wurde die Touristensteuer auch auf den Nachbarinseln Ibiza, Menorca und Formentera. Auf dem spanischen Festland gibt es unterschiedliche Regelungen.

    Das Modell der Balearen hat sich Griechenland zum Vorbild genommen und belastet seit Beginn des Jahres erstmals Touristen mit einer Besteuerung. Auch hier richtet sich die Höhe nach der Art der Unterkunft, die Abgabe fällt jedoch günstiger aus als auf Mallorca. In Griechenland zahlt der Urlauber pro Tag für eine Ferienwohnung („Drei-Schlüssel-Kategorie“) nur 50 Cent. Für eine vierköpfige Reisegruppe sind das insgesamt nur 14 Euro Touristensteuern pro Woche.

    Zudem ist der Zusatzbetrag leicht zu errechnen. Obwohl die Preise je nach griechischer Region beträchtlich schwanken – eine Unterkunft für vier Leute auf Mykonos schlägt mit durchschnittlich 3.367 Euro pro Woche zu Buche, auf der Insel Kos kostet sie nur 644 Euro –, ändert sich der Steuerbetrag nicht.

    Kroatien bittet seit diesem Jahr auch Bootsfahrer vermehrt zur Kasse. Das Land mit seiner 5.835 Kilometer langen Küstenlinie und den über tausend Inseln gilt schon lange als Traumziel für Segelurlauber. Bisher wurde die Kurtaxe jedoch nur für eine Person pro Segelschiff erhoben. Eine Reisegruppe auf See kam somit günstiger weg als gewöhnliche Urlauber an Land. Dies hat die kroatische Regierung in diesem Jahr angepasst und bittet nun alle Personen auf Schiffen zur Kasse. Nur Juniorsegler unter zwölf Jahren sind von der Steuer befreit.

    Überhaupt ist in Kroatien das Alter der Urlauber für die Höhe der Abgabe entscheidend und hängt nicht von der Art einer Unterkunft oder der Kategorie ab. Für die kroatische „Sojourn Tax“ zahlen Erwachsene einen Euro pro Tag, Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren 50 Cent. Wer noch jünger ist, zahlt nichts.

    Richtig teuer wird es in Neuseeland, jedoch erst ab nächstem Jahr. Das Land am anderen Ende des Globus, das zuletzt durch den Mehrteiler „Herr der Ringe“ Neugierige in Scharen lockte, verlangt ab Mitte 2019 eine Touristensteuer von bis zu 35 Neuseeland-Dollar (rund 21 Euro). Damit will die Regierung die Besucherströme regulieren.

    Ähnlich sieht die Lage in Island aus. 2,3 Millionen Touristen strömten 2017 auf das nordische Eiland, vor allem Amerikaner und Deutsche. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete das einen Anstieg von 30 Prozent, verglichen mit 2010 vervierfachte sich das Aufkommen sogar.

    Unter den gerade einmal 330.000 Insulanern regte sich massiver Widerstand. Nicht nur die Hotelneubauten und zunehmender Vandalismus führen in Island zu Protesten. Zu leiden haben die Einwohner vor allem unter einem extremen Preisanstieg. Besuche in Gaststätten und Hotelübernachtungen sind inzwischen 62,5 Prozent teurer als in Deutschland. Von 2020 an soll eine neue Touristensteuer dazu führen, dass das Land besser von der enormen Nachfrage profitiert.

    Auch in Amsterdam wird es für Reisende teurer. Rund 20 Millionen Gäste strömen jährlich in die niederländische Grachtenstadt. Um die Besucherzahlen einzudämmen, sollen Kurzzeitvermietungen eingeschränkt und Hotelzimmer begrenzt werden. Auch die Gästetaxe soll ab 2019 erhöht werden. Derzeit beträgt die „Toeristenbelasting“ sechs Prozent des Netto-Übernachtungspreises und muss pro Person und Nacht entrichtet werden.

    Selbst in Großbritannien könnte der Urlaub steuerbedingt teurer werden. Noch gehört die britische Insel zu den Ländern, die auf eine Besteuerung der Urlauber komplett verzichten. Jedoch denkt das westenglische Bath als erste Stadt im Vereinigten Königreich über die Einführung einer „Tourist Tax“ nach.

    Wer seinen Urlaub unter der spanischen Sonne verbringen möchte, kann auf die Kanaren ausweichen. Dort gibt es keine Touristensteuer – und es soll auch in Zukunft keine eingeführt werden. Die Regierung möchte mit dem Verzicht den Tourismus als wichtigsten Wirtschaftssektor der Inseln und die Kanaren als attraktives Reiseziel stärken.

    Die Höhe der Touristensteuern in Europa schwankt beträchtlich. Zu den hochpreisigen Destinationen zählt etwa Venedig. Dort werden die jährlich 22 Millionen Touristen mit bis zu fünf Euro pro Person und Tag zur Kasse gebeten. Das sind dann gerne mal fast zehn Prozent der gesamten Unterkunftskosten.

    In anderen Regionen Italiens kann es aber ganz anders aussehen. Denn jede italienische Stadt entscheidet selbst, ob, in welcher Höhe und zu welchen Bedingungen (Kategorie der Unterkunft, Saison, Alter der Gäste) die sogenannte „Tassa di Soggiorno“ fällig wird. Diesem Modell folgen viele Länder, darunter auch Deutschland. Während in der Fränkischen Schweiz nur ein Euro pro Tag und Person zu zahlen ist, fordert das oberbayerische Rottach-Egern das Doppelte. Auf Sylt werden vier Euro verlangt. Vier Erwachsene zahlen damit im Ferienhaus pro Woche in der Hauptsaison stattliche 112 Euro.

    Damit blieben innerhalb Europas nur wenige Länder, die grundsätzlich auf eine Touristensteuer verzichten. Wer sichergehen will, für seine Treue zum Urlaubsort von den dortigen Finanzbehörden nicht bestraft zu werden, sollte es in Irland, Schweden, Dänemark, Finnland oder Polen versuchen.

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