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Tourismusmesse ITB Kreuzfahrten halten die Reisebüros über Wasser

Der hohe Beratungsbedarf bei Kreuzfahrten sorgt für gute Geschäfte in der Branche. Ein Problem gibt es aber – das liegt jedoch an anderer Stelle.
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Bei der Auswahl spielen für Reisende nicht nur die Fahrtgebiete eine große Rolle, sondern auch die Urlaubskonzepte der Reedereien. Quelle: obs
„Aida“-Schiff in Palma de Mallorca

Bei der Auswahl spielen für Reisende nicht nur die Fahrtgebiete eine große Rolle, sondern auch die Urlaubskonzepte der Reedereien.

(Foto: obs)

BerlinDas anhaltende Wachstum der Kreuzfahrt-Touristik bewahrt die rund 11.000 deutschen Reisebüros vor dem seit langem befürchteten Niedergang. Zu diesem Ergebnis kommt eine Marktuntersuchung des Deutschen Reiseverbands (DRV), der die aktuellen Branchenzahlen am Donnerstag auf der Tourismusmesse ITB in Berlin vorlegte.

Danach bestreiten die stationären Agenturen inzwischen 13 Prozent ihrer Erlöse mit Buchungen für Schiffsreisen, ohne dass aus Sicht des DRV ein Ende des Wachstums absehbar ist. Zwar versuchen sich inzwischen auch Onlineanbieter wie Holidaycheck, Expedia oder weg.de mit dem Vertrieb von Kreuzfahrten. „Die Mehrzahl aber wird über Reisebüros gebucht“, stellte DRV-Präsident Norbert Fiebig klar.

Als Grund dafür sehen Experten die hohen Anforderungen an die Beratung. So spielen bei der Auswahl nicht nur die Ziele eine große Rolle, sondern auch die Urlaubskonzepte der Reedereien – vom Expeditionsschiff etwa von Hurtigruten oder Hapag-Lloyd über Unterhaltungsanbieter wie Aida oder Tui Cruises („Mein Schiff“) bis hin zu Luxuslinern vom Schlage MS Europa und den Schiffen von Cunard.

2018 fiel das Wachstum allerdings vergleichsweise verhalten aus. Laut Branchenverband CLIA gingen von Deutschland aus 2,26 Millionen Passagiere an Bord, womit sich ein Plus von 3,5 Prozent errechnet. Noch im Jahr zuvor hatte man über einen Zuwachs von 8,4 Prozent berichten können.

Die Schuld für den Wachstumsschwund tragen offenbar die Werften. Dem Oligopol, das aus der Papenburger Meyer Werft, der italienischen Fincantieri und der westfranzösischen FTX France dominiert wird, gelang es 2018 lediglich, 18 neue Ozeanriesen abzuliefern, fünf gingen gleichzeitig außer Dienst.

„Einige der Schiffe wurden zudem erst im Dezember in Dienst gestellt, so dass sie kaum zum Wachstum beitrugen“, berichtet CLIA-Deutschlandgeschäftsführer Helge Grammerstorf.

2019 jedoch ist Besserung in Sicht. „Im laufenden Jahr kommen 25 neue Hochseeschiffe auf den Markt“, erwartet Hapag-Lloyd-Cruises-Chef Karl Pojer, „14 davon für den deutschen Quellmarkt.“ Auch wenn die weltweite Flotte damit um fast zehn Prozent wächst, ist den Reedereien nicht bange. „Wir befinden uns in einem Angebotsmarkt“, sagt Pojer, „das Wachstum ist gesund.“

Insbesondere Reisen nach Nordeuropa stünden bei den Deutschen hoch im Kurs – mit einem Anteil von 28 Prozent. Kreuzfahrten ins westliche und zentrale Mittelmeer folgten 2018 mit einem Abstand von vier Prozentpunkten, zu den Kanarischen Inseln und in die Karibik zog es jeweils rund zehn Prozent.

Auch jüngere Gäste buchen Flusskreuzfahrten

Was die Branche außerdem hoffnungsvoll stimmt: Das Durchschnittsalter der Passagiere sinkt weiter – auf inzwischen 49 Jahre. Zudem gaben bei einer Umfrage drei von vier Schiffsgästen an, in den kommenden zwei Jahren eine weitere Kreuzfahrt zu planen.

Selbst die Flusskreuzfahrt, die lange an Überalterung litt, findet zunehmend jüngere Gäste. So stieg dort der Anteil der 26- bis 40-Jährigen seit 2017 von zwei auf 8,3 Prozent. Die 41- bis 55-Jährigen, die 2017 nur 11,8 Prozent der Passagiere stellten, kamen 2018 auf stattliche 18,3 Prozent.

„Trotz des Niedrigwassers im Sommer hatten wir ein erfreuliches Jahr“, berichtet Alexander Nothegger vom Branchenverband IG River Cruise. Insbesondere auf Rhein und Donau schifften sich 2018 mit fast einer halben Million Passagiere 5,5 Prozent mehr ein als 2018. Die Ticketpreise stiegen dabei sogar um 18 Prozent.

Gegenwind erfährt die Kreuzfahrt-Industrie allerdings von Umweltverbänden, die insbesondere den Hochseeschiffen eine enorme Luftverschmutzung vorwerfen. Die Reedereien zwingt das zu hohen Investitionen. So startete mit der „Aida Nova“ im Dezember das erste Kreuzfahrtschiff, das komplett mit dem Flüssiggas LNG betrieben werden kann.

Bis 2017 sollen weitere 25 Ozeandampfer mit dem umweltfreundlicheren Antrieb folgen. „Unsere Mitgliedsunternehmen haben sich verpflichtet, den CO2-Ausstoß von 2008 bis 2030 um 40 Prozent zu reduzieren“, heißt es dazu bei CLIA.

Doch auch in manchen Hafenstädten wächst der Widerstand gegen die anschwellende Flut von Kreuzfahrt-Touristen. Im kroatischen Dubrovnik dürfen ab diesem Jahr nur noch zwei Schiffe pro Tag anlegen, in Venedig denkt man über ein Eintrittsgeld für Tagestouristen nach. Das niederländische Amsterdam hat die Drohung längst in die Tat umgesetzt. Wer dort von Bord geht, muss acht Euro an die Stadtkasse zahlen.

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