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Tourismusparadies Kos in Gefahr Urlaubsland ist abgebrannt

Kaum irgendwo kommen sich fröhliches Urlaubstreiben und Flüchtlingsnot so nah wie auf Kos. Die Behörden sind überfordert, das Tourismus-Geschäft leidet. Alltours-Chef Willi Verhuven stemmt sich gegen den Niedergang.
27.08.2015 - 12:00 Uhr Kommentieren
Glücklich auf der Ferieninsel gelandet fehlt es an allem. Quelle: dpa
Flüchtlinge auf Kos

Glücklich auf der Ferieninsel gelandet fehlt es an allem.

(Foto: dpa)

Kos Schon für 15 Euro, umwirbt die Reiseagentin zwei britische Touristen, befördere ihr Boot die Reiselustigen zum zehn Kilometer entfernten türkischen Bodrum. „In 15 Minuten starten wir“, ruft sie den Passanten an der Hafenmole der griechischen Ferieninsel Kos verheißungsvoll zu.

Gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite haben arabisch sprechende Männer und Frauen in Kopftüchern für die Passage in Gegenrichtung oft mehr als 1000 Euro bezahlt. An Schlepper, weil ihnen die nötigen Papiere für die Einreise in das EU-Land fehlten. Es sind Flüchtlinge aus Syrien, bei intensiverem Hinsehen aber auch aus Pakistan, dem Iran und Nepal. Am Straßenrand haben sie ihre Zelte aufgebaut.

Fast 3000 von ihnen kampieren in der Altstadt nahe des Fähranlegers. Sie hoffen, bald eine Passage zum griechischen Festlandshafen Piräus zu ergattern. Von dort aus wollen sich die meisten über Mazedonien nach Deutschland, Schweden oder Belgien durchschlagen. Doch hier in Kos, wo sich vier Polizisten um den Papierkram täglich Hunderter Neuankömmlinge mühen, fehlt es zunächst an allem. Ein betreutes Aufnahmelager, das die Leute von der Straße holen könnte, sucht man vergeblich, ebenso Dixi-Toiletten - auch wenn die Stadtverwaltung behauptet, sie habe sieben von ihnen aufstellen lassen.

Überforderte Behörden schauen zu

An einer der Molen dümpelt das Wrack eines Zweimasters, der offenbar nur mit letzter Not das Inselufer erreichte, bevor er mit Wasser volllief. Auf einem Gelände am Rand der Stadt sind weitere gestrandete Schleuserboote zu sehen. Die meisten sind aus Gummi, manche haben aber auch die Form ausrangierter Mini-Yachten. Einige von jenen, die mit ihnen gekommen sind, haben ihren blauen Zelte, die ihnen der örtliche Einzelhandel verkauft hat, zwischen den ionischen Säulen der städtischen Ausgrabungsstätten aufgebaut. Altertumsinteressierte Reisende bekommen so die Pracht der Antike und das Elend der Neuzeit an einem Ort zu Gesicht. Wohl an keinem Ort der Erde kommt fröhliches Urlaubstreiben der Not des Flüchtlingsstroms aus der Dritten Welt so nah wie auf der kleinen Ägäis-Insel Kos.

Anders als die überforderten Behörden, die nahezu tatenlos zuschauen, sorgt sich nun ein deutscher Reiseunternehmer um den Ruf der Insel: Willi Verhuven, Gründer und Chef des Düsseldorfer Reiseveranstalters Alltours. Damit es ihm nicht so ergeht wie am Wochenende Griechenlands Verteidigungsminister Panos Kammenos, der außer Schuldzuweisungen nichts im Gepäck mitbrachte und dafür von Einheimischen mit Eiern beworfen wurde, kündigte der Selfmade-Unternehmer nun konkrete Maßnahmen an. Mit ihnen will er die nur 52 Kilometer lange Insel vor dem touristischen Aus bewahren.

Unternehmer wird politisch

Hoteliers der Insel, verspricht der bald 65-Jährige, will Alltours bei Renovierungen finanziell unter die Arme greifen, zwei weitere Hotelanlagen nimmt Verhuven in seinen Reisekatalog auf. Deutschen Frühbuchern, die sich für einen Urlaub in Griechenland entscheiden, gewährt er einen Rabatt von sieben Prozent.

Zum Wochenbeginn flog Verhuven zudem Journalisten nach Kos, um ihnen ein unverstelltes Bild der touristischen Lage zu zeigen. Ein mutiges Unterfangen, denn von einer klassischen Urlaubsidylle ist die malerische Hafenstadt derzeit so weit entfernt wie Griechenlands Regierung von einem soliden Staatshaushalt.

Der Alltours-Inhaber gilt in der Branche als Besessener. Nicht nur seine eigene Firma, die 1974 als kleines Reisebüro im niederrheinischen Kleve startete, formte er mit harter Hand zu einem Konzern mit 1,47 Milliarden Euro Umsatz und 41 Millionen Euro Jahresgewinn. Auch Griechenland hält er eisern die Treue. Kurz nach der Firmengründung in den 70er-Jahren war Verhuven selbst als Reiseführer nach Hellas gekommen, um den Deutschen vom Bus aus die Schönheit des Landes zu präsentieren. Später organisierte er von Hamburg aus Charterflüge nach Griechenland, die den Grundstein für den späteren Großkonzern legten.

Schon einmal, als es um Griechenland ging, ergriff der als störrisch geltende Unternehmer politisch das Wort. Per Großanzeigen forderte er Reisebüros und Wettbewerber 2012 zum Beginn der Finanzkrise auf, dem Land mit möglichst vielen Urlaubsbuchungen aus der Klemme zu helfen. Nicht ganz ohne Eigennutz: Nach Kreta und Rhodos ist Kos die drittwichtigste Reisedestination des Düsseldorfer Veranstalters in Griechenland – mit einem Wachstum von zuletzt 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Szenerie im Hafen von Kos Stadt ist bizarr
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