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Uber-Herausforderer Berliner Fahrvermittler Blacklane strebt an die Börse – aber nicht in Deutschland

Das Start-up Blacklane aus Berlin vermittelt weltweit Fahrten für Limousinen-Unternehmen. Nun will das Start-up in den USA an die Börse gehen.
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Uber-Herausforderer Blacklane strebt an die Börse Quelle: Blacklane
Fahrtenvermittler Blacklane

Die Berliner wollen in die USA expandieren.

(Foto: Blacklane)

Hamburg Der Start-up-Standort Berlin könnte ein international erfolgreiches Grown-up nach Nordamerika verlieren – zumindest formell. Der Limousinenservice Blacklane bereitet sich auf einen möglichen Börsengang in den USA vor. „Organisatorisch schaffen wir gerade das Hauptquartier ab. Wir trainieren die ganze Crew darauf, dass Entscheidungen nicht mehr nur in Berlin fallen“, sagte Mitgründer Jens Wohltorf dem Handelsblatt.

Hintergrund ist auch die anstehende Eröffnung von Büros in Los Angeles und New York. Die US-Büros sollen dann nicht nur das Wachstum im schon heute für Blacklane größten Markt beschleunigen, sondern auch operative Aufgaben übernehmen. Mit den neuen Standorten, in denen bis zum Jahresende schon über 60 Menschen arbeiten sollen, wäre der Weg für den Gang aufs US-Parkett offen.

Wohltorf und sein Studienfreund Frank Steuer haben Blacklane am 1. Juni 2012 gestartet – jenem Tag, an dem eigentlich der Hauptstadtflughafens BER hätte eröffnet werden sollen. Der Service funktioniert ähnlich wie Uber: Blacklane vermittelt Fahrten von unabhängigen Limousinen-Unternehmen.

Allerdings ist die Zielgruppe eine andere: Blacklane richtet sich vor allem an Geschäftsleute. Entsprechend fahren Chauffeure mit Oberklassewagen. Knapp die Hälfte des Umsatzes macht Blacklane nicht mit individuellen Buchungen, sondern etwa über Unternehmen, Reiseveranstalter und Fluglinen wie Emirates.

Die beiden Gründer streben einen Börsengang innerhalb der kommenden drei Jahre an. Das sei der wahrscheinlichste Exit, da das Unternehmen für eine Komplettübernahme durch einen strategischen Investor wohl zu groß sei, meinen sie. Bislang haben Investoren wie B-to-V, Carsten Maschmeyer, Daimler und die arabische Unternehmensgruppe Alfahim Geld in des Unternehmen gesteckt.

Im kommenden Jahr sei eine weitere Investitionsrunde wahrscheinlich, sagte Wohltorf: „Wir brauchen immer noch Investitionen, können aber auf Partner warten, die wirklich passen.“ In den vergangenen Monaten habe das Unternehmen die Umsatzschwelle von zehn Millionen Euro pro Monat überschritten, werde für 2019 also bei gut 120 Millionen Euro landen können, sagte er.

Verluste angehäuft

Profitabel sei das Unternehmen nicht, da weiterhin Wachstum im Mittelpunkt der Strategie stehe. Laut Bundesanzeiger häufte Blacklane bis 2017 bereits 44,6 Millionen Euro Verluste an, davon gut zehn Millionen im Jahr 2017, dem letzten in dem Register verfügbaren Abschlussjahr, in dem erst 44 Millionen Euro Umsatz zusammenkamen.
Die Investoren scheint es nicht zu stören: In den Berliner Blacklane-Büros hängen von Carsten Maschmeyer unterschriebene Urkunden an der Wand, die zum raschen Wachstum gratulieren. „Wir sind eingestiegen, da hatte Blacklane eine Bewertung von gut sieben Millionen Euro. Bei der letzten Finanzierungsrunde lag der Wert bei weit über 200 Millionen Euro. Als Investoren sind wir mehr als zufrieden“, sagt Maschmeyer.

Blacklane dürfte nicht das einzige deutsche Tech-Grown-up bleiben, das an die US-Börsen strebt. „Obwohl die meisten Unternehmen einen Verkauf als Exit anstreben, braucht es einen gesunden und aktiven IPO-Markt“, sagt Oscar Jazdowski von der Silicon Valley Bank. Bei Technologie und Life-Science sei die Börsenlandschaft in Deutschland weniger stark. „Daher werden viele ausstrebende deutsche Innovationsunternehmen künftig einen Börsengang in den USA anstreben oder zumindest eine Zweitnotierung“, sagt der Banker.

„Müssen global denken“

Mitgründer Steuer sieht hohe Bewertungen gerechtfertigt: „Wir können aber die Kosten so genau kalkulieren, dass wir innerhalb von drei Monaten operativ profitabel sein könnten, wenn wir wollten“, sagte er.
Zunächst steht jedoch der Ausbau der internationalen Büros an: Das erste eröffnete 2015 in Singapur. Seit Ende 2018 steuert ein Büro in Dubai unter anderem Kooperationen mit Airlines, seit diesem Frühjahr übernehmen Kollegen im australischen Brisbane die Kundenbetreuung in der Nacht. Gerade eröffnet ein Büro in Barcelona. „Wir müssen global denken und global sein“, sagte der frühere BCG-Berater Wohltorf. Ziel sei, den Mitarbeitern global Arbeitsplätze anbieten zu können.

Zudem rückt Blacklane so näher an die Mietwagenunternehmen vor Ort heran. „Es ist sinnvoll, näher an die 78 US-Städte zu kommen, in denen wir aktiv sind. Schließlich ist New York vor London für uns die umsatzstärkste Stadt weltweit“, sagte der 42-Jährige. Insgesamt komme fast ein Drittel des Umsatzes aus den USA. Der Großteil der 400 Mitarbeiter arbeitet allerdings noch aus einem sanierten Fabrikgebäude in Berlin, obwohl Deutschland weniger als zehn Prozent zum Umsatz beisteuert.

Die Internationalisierung war ein früher Lerneffekt: Ursprünglich wollten die beiden studierten Informatiker einen Limousinenservice zum Taxipreis für Berlin aufbauen. Zur Gründung erwarben beide Gründer sogar einen Personenbeförderungsschein, um sich in die Nöte des Transportgewerbes besser eindenken zu können. Schnell erkannten sie, dass Geschäftskunden den Service an Flughäfen weltweit nachfragten – und mehr Wert auf Service als auf Billigpreise legen.

Mit dem Konzept setzt sich Blacklane von anderen Fahrdiensten wie Free Now (Mytaxi), an dem ebenfalls Daimler beteiligt ist, und Uber ab. „Im Massenmarkt wäre die enge Art der Kundenbetreuung und Auswahl von Chauffeurpartnern viel zu aufwändig“, sagte der 47-jährige Steuer. Die Durchschnittsfahrt bei Blacklane dauere etwa eine Stunde, koste 100 Euro und reiche 35 Kilometer weit. Für ihr Geld könnten etwa chinesische Kunden in New York einen Fahrer erwarten, der Mandarin spricht.

Mehr: Der Chauffeur-Service Blacklane setzt künftig Teslas ein. Grüne statt schwarze Limousinen kamen in ersten Tests bei den Kunden hervorragend an.

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